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Jerry Yang, der Pechvogel von Yahoo

Yahoo-Chef Jerry Yang dürfte der Unglücksrabe des Jahres sein. Zuerst hat er das Übernahme-Angebot von Microsoft abgelehnt. Dann laufen ihm fast alle Top-Manager davon. Zuletzt kündigt Google die geplante Kooperation auf, die Yangs letzte Hoffnung auf einen Umsatzschub war. Auf einer Konferenz hat der Yahoo-CEO Microsoft nun förmlich angefleht, seine Firma doch noch zu kaufen. Aber der Software-Riese will (noch) nicht. Für Jerry Yang ging 2008 so ziemlich alles schief.

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„Wir haben ein Angebot gemacht, wir haben ein weiteres Angebot gemacht. Wir haben uns weiterbewegt“, sagte Microsoft-Boss Steve Ballmer. Das abgelehnte erste Microsoft-Angebot war knapp 50 Mrd. US-Dollar schwer. Kaum vorstellbar, dass ein Deal dieser Größenordnung in absehbarer Zeit wieder möglich ist. Ohne die Partnerschaft mit Google steht Yahoo derzeit allein auf weiter Flur. Google fürchtete die Einwände der US-Kartellbehörden und den Ärger von eigenen Kunden, falls eine enge Partnerschaft mit Yahoo eingegangen wird. Dem Suchmaschinen-Konzern kann das auch relativ egal sein, denn im Gegensatz zu Yahoo steht Google trotz Krise glänzend da.

In der Internet-Branche wird schon spekuliert, dass Yang nun eine Fusion mit AOL anstreben könnte. Getreu der Hoffnung aller Verzweifelten, dass zwei Einbeinige, die man zusammenkettet, einen veritablen Langstreckenläufer ergeben mögen. Der Online-Oldie AOL hat nämlich ebenfalls handfeste Probleme. Der Umsatz ist um 17 Prozent eingebrochen, das Geschäftsmodell mit Internet-Zugängen ist perdu und das AOL-Mutterunternehmen Time Warner sucht schon länger einen Partner für AOL. Die Spekulationen gehen dahin, dass AOL bei Yahoo integriert werden könnte und Time Warner sich dafür an Yahoo beteiligt. Das wäre ungefähr so, als ob die beiden hässlichen Entlein, die beim Abschlussball noch niemanden gefunden haben, aus purer Not gemeinsam aufs Parkett schlurfen. Keine besonders schöne Vorstellung. Zumal sich die strategischen Defizite von AOL und Yahoo durch eine Firmenhochzeit aus Verzweiflung auch nicht verbessern würden.

Als zwischenzeitlich Gerüchte aufkamen, Yang würde seinen Hut nehmen, bewegte sich der Aktienkurs von Yahoo sofort nach oben. Michael Arrington von TechCrunch und andere IT-Journalisten fordern unverhohlen Yangs Absetzung. Mit ihm an der Spitze, so der Tenor, kann es für Yahoo keine Zukunft geben. Yang zeigt indes Stehvermögen. „Ich bereue keine Minute, von dem was passiert ist“, sagte er auf der Web2.0-Konferenz in San Francisco. Mantra-artig wiederholte er immer wieder, dass Yahoo eine wachstumsorientiere Firma ist, die den Sturm überstehen wird. Die Antwort, mit welcher Strategie er das Unwetter überstehen will, blieb Jerry Yang einmal mehr schuldig. In den Jahresrückblicken für 2008 wird er nicht als Gewinner auftauchen.

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