„Ich will innovative Ideen“

Für zehn Hamburger Start-ups geht es am 19. November um insgesamt 25.000 Euro: Das Business-Netzwerk Hamburg@work lädt die Finalisten des Webfuture Awards zum „Business Speeddating“ ein. Jury-Mitglied und CoreMedia CFO Dr. Klemens Kleiminger sprach mit MEEDIA über die Anforderungen des Wettbewerbs und die allgemeine wirtschaftliche Situation der Web-Branche. Seine Einschätzung ist düster: „Risikokapital-Geber werden zunehmend vorsichtiger investieren.“

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Was ist der Webfuture Award?
Mit dem Webfuture Award zeichnet das Business-Netzwerk Hamburg@work herausragende Jungunternehmen aus den Bereichen E-Commerce, Web 2.0 und Social Communities. Die Sieger erhalten einen Geldpreis. Die Plätze eins bis drei sind mit insgesamt 25.000 Euro dotiert. Daneben ist die Reputation von erheblicher Bedeutung. Mit so einem Preis in der Tasche ist man für Investoren natürlich viel interessanter.

Was erwarten Sie von den Bewerbern?
Ich will innovative Ideen mit hohem Marktpotenzial und klarem USP sehen, die auf gründlichen Markt- Kunden- und Wettbewerbsanalysen aufgebaut sind. Nur auf einer solchen Basis hat man Aussichten auf wirtschaftlichen Erfolg.

Sie haben ein ungewöhnliches Auswahlverfahren in der Endrunde: Das so genannte „Business-Idea-Speeddating“. Wie läuft das ab?
Beim Speeddating sitzt einer der Bewerber einem Jury-Mitglied gegenüber und muss innerhalb kürzester Zeit sein Konzept verkaufen. Das Ganze funktioniert wie ein Elevator-Pitch. Bewerber müssen präzise und überzeugend sein.

Worauf achten Sie bei Ihrer Bewertung besonders?
Ich lege großen Wert darauf, dass Bewerber ihren Markt und ihre Wettbewerber sehr gut kennen. Innerhalb dieses Marktes will ich von klaren Alleinstellungsmerkmalen überzeugt werden. Gibt es dort Lücken, in die man hineinstoßen kann oder kann man bestehende Angebote noch verbessern. Ich versuche mich immer in die Perspektive des Users hineinzuversetzen. Das x-te Social Network wird bei mir nicht unbedingt punkten. Es muss nachvollziehbar sein, dass Kunden dort Geld zahlen.

In den USA hat das Start-up-Sterben begonnen. Wie wirkt sich das auf die deutsche Internetlandschaft aus?
Diese Entwicklung wird definitiv Folgen für uns in Deutschland haben. Die Risikokapital-Geber werden zunehmend vorsichtiger investieren. Die sind in Deutschland ohnehin zurückhaltender als in den Vereinigten Staaten. Sowohl die Starthilfen werden weniger werden, als auch die zweiten bzw. dritten Finanzierungsrunden. Denn in der jetzigen Marktsituation kann es sein, dass Kapitalgeber die zweite oder dritte Tranche nicht zahlen können, weil sie selber pleite sind.

Was kann man tun, um dem entgegenzuwirken?
Start-ups gehen zu Beginn meist tief in die Verlustzone, um ihr Produkt aufzubauen, die Personalkosten zu decken und vor allem Marktanteile zu gewinnen. Inzwischen fordern Venture Capitalists in den USA, Marktanteile zu vernachlässigen und schnell profitabel zu werden. Das Signal ist eindeutig: Nur echtes Cash ist augenblicklich etwas wert.

Sie sind im Vorstand der CoreMedia AG. Als Software-Hersteller leben Sie von Internet-Unternehmen. Welches sind Ihre wichtigsten Kunden?
Wir bieten people-centric Content Management Systeme und WebTV. Zu unseren größten Kunden zählen unter anderem T-Online, Freenet, Bild.de aber auch internationale Firmen wie Bell-Canada. Außerdem haben wir die Technik für die meisten Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen geliefert.

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