Google kooperiert mit den alten Medien

Die Aufregung um den neuen Google-Browser Chrome hat sich gerade ein bisschen gelegt, da kommt die Suchmaschine mit dem nächsten Hammer. Auf der TechCrunch50-Konferenz in San Francisco stellte Googles Produkt-Chefin Marisa Mayer ein neues Zeitungs-Projekt vor: Google will alle jemals veröffentlichten Zeitungen in Original-Optik und im Volltext durchsuchbar online stellen. Die Zeitungen sollen Bestandteil des Google News Archive werden, in dem auch jetzt schon ältere Artikel gesucht werden können.

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Laut Mayer hat Google bereits Millionen von Zeitungsartikeln für den neuen Service gescannt. Während der Präsentation auf der TechCrunch-Konferenz zeigte sie u.a. Seiten der „St. Petersburgh Times“ aus Florida. Google kann Zeitungen natürlich nur scannen, wenn die Verlage mitspielen. Google blendet darum neben den Zeitungs-Seiten Adsense-Werbung ein. Die Werbe-Erlöse werden zwischen Google und den Verlagen aufgeteilt. Die Zeitungshäuser, so das Kalkül der Google-Macher, können so mit ihren alten Artikeln nochmals Werbe-Erlöse erzielen. Ein bisschen unheimlich dürfte den Verlegern das neue Google-Projekt trotzdem sein. Googles Buchsuche funktioniert auf ähnliche Weise, bislang stehen aber viele Verlage dem Projekt kritisch gegenüber. Die Print-Häuser befürchten, ihr Kerngeschäft aus der Hand zu geben.

Für Nutzer ist das neue Google-Angebot ohne Zweifel eine tolle Sache. Man kann mit der Maus über Zeitungsseiten fahren, die Software erkennt eine Überschrift und markiert sie farbig. Klickt man auf die Überschrift, zoomt der Artikel heran. Hat man ihn gelesen, kann man wieder auszoomen und die ganze Seite im Überblick sehen. Tolle Sache.

Auch in einem anderen klassischen Medium konnte Google gerade einen Erfolg melden. Google hat einen Vertrag mit dem US-Fernsehriesen NBC Universal unterzeichnet. Die Suchmaschine darf in den nächsten Monaten einige Werbeplätze von NBC-Sendern mit Google-TV-Ads bestücken. Google hat bereits vor über einem Jahr damit begonnen, TV-Werbung in den USA anzubieten, bisher allerdings mit sehr bescheidenem Erfolg. Keine großen Sender wollten Werbeflächen zur Verfügung stellen. Insofern ist der Deal mit NBC so etwas wie ein Türöffner für das Google-TV-Programm. Unter anderem darf Google Werbung in NBCs SciFi-Channel schalten.

Dabei ist Google nicht der einzige Anbieter, der an Zielgruppen adressierte Werbung auf TV-Schirme bringen will. Die US-Kabelfirmen Comcast, Time Warner Cable und Cox haben sich zusammengeschlossen, um ebenfalls Zielgruppen-Anzeigen ins Fernsehen zu bringen. Das Gemeinschaftsunternehmen der Kabelriesen heißt Canoe Ventures.

Google ruht sich zu seinem zehnten Geburtstag also keineswegs aus. Darf der Konzern auch nicht. Am Montag ist der Aktienkurs um fünfeinhalb Prozent abgesackt – trotz des Wirbels um GoogleChrome. Der neue Zeitungsservice und der TV-Deal mit NBC könnten wieder für Fantasie bei den Anlegern sorgen.

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