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Google-CEO Schmidt vor dem Abgang?

Es wäre ein herber Rückschlag für das wertvollste Dot.com-Unternehmen: Vorstandschef Eric Schmidt könnte eher früher als später den Googleplex verlassen, glauben Branchenexperten. Nach sieben Jahren im Amt könnte der 53-Jährige inzwischen amtsmüde geworden sein – und sich gegebenenfalls nach einer ruhigeren Aufgabe in der Administration von Barack Obama sehnen. Der Zeitpunkt wäre vor der vermeintlich größten Krise auf dem Werbemarkt seit Jahrzehnten indes fatal.

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Hat Google seinen Zenit überschritten? Diese Frage beschäftigt in diesen Tagen immer mehr Internetexperten. Zumindest gemessen am Aktienkurs, dem wichtigsten Indikator für die Zukunftsperspektiven eines Unternehmens, befinden sich die Erwartungen auf dem tiefsten Stand seit Jahren. Bei 753 Dollar notierten die Anteilsscheine von Google vor etwa einem Jahr: Gerade mal 247 Dollar wurden Ende letzter Woche noch für die an der Technologiebörse geführten Papiere bewilligt – zwei Drittel weniger, ganz ohne Aktiensplit.

Dabei ist im Kerngeschäft nichts passiert. Google verdient noch immer prächtig mit dem aus seiner Internetsuche generierten Anzeigengeschäft: Allein im vergangenen Quartal konnte der Dot.com-Riese aus Mountain View Gewinne von 1,35 Milliarden Dollar ausweisen – stolze 26 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum.

Und  doch mehren sich unter Anlegern die Zweifel, ob Google noch mehr kann als nur Online-Suche. Zahlreiche kleinere Projekte haben in den vergangenen Monaten empfindliche Rückschläge erhalten. Der Second Life-Herausforderer Lively wird zum Jahresende eingestellt, der mit viel Buhei gestartete neue Browser Chrome findet weniger Nutzer als erwartet, und auch der iPhone-Rivale G1 wird von der Branche – und offenbar auch vom Verbraucher – nicht so angenommen wie im Vorfeld erhofft.

Von 0 auf 20 Milliarden: Eric Schmidt liefert mit Google sein Meisterstück

Ungewohnte Zeiten für den erfolgsverwöhnten Branchenprimus, die vor allem ihrem Vorstand kaum schmecken dürften. Dabei hat Eric Schmidt in den vergangenen sieben Jahren seiner Amtszeit so ziemlich alles erreicht, was man in einem Technologieunternehmen erreichen kann.

Er hat das erst 1998 gegründete Startup seit 2001 von einer führenden  Internetsuchmaschine zu einem Internetunternehmen gewandelt, das in diesem Jahr sage und schreibe 20 Milliarden Dollar umsetzen wird! Die Würdigung für die wohl beeindruckendste Managementleistung des Silicon Valleys in diesem Jahrzehnt dürfte Schmidt damit wohl sicher sein.

Neue Karriereoptionen bei Barack Obama?

Gerade deshalb würde eine gewisse Amtsmüdigkeit des inzwischen auch schon 53-Jährigen nicht überraschen – zumal Internetjahre bekanntermaßen um den Faktor sieben zu multiplizieren sind. Auffällig oft wurde Schmidt in den vergangenen Monaten zitiert – allerdings immer weniger zur Geschäftsentwicklung von Google als vielmehr zu den großen Fragen der Gegenwart: vornehmlich der Lösung der Energiekrise oder Finanzkrise.

Manchmal schien es, als wolle sich Schmidt für die Position des obersten Technologie-Beraters in der Administration von Barack Obama bewerben, was er schnell dementierte. Dann wieder mutete es an, als wäre er – vielleicht sogar gemeinsam mit den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page – des Kerngeschäfts müde geworden und würde nach höheren Zielen streben – nämlich sich als treibende Kraft bei der Suche nach Alternativen Energien etablieren wollen.  

„Es könnte sein, dass Schmidt sich langweilt“, folgert der ehemalige Internetanalyst Henry Blodget auf seinem Technologieportal „Silicon Alley Insider„. Das könnte auch für die Google Guys selbst gelten, wie Blogdet anlässlich einer Äußerung von Larry Page im Gespräch mit der „New York Times“ mutmaßt: „Wenn man sich Unternehmen anschaut, die nicht Neues versuchen, werden sie garantiert auch nicht größer. Sie verpassen eine Menge Gelegenheiten – und das ’next big thing'“, glaubt Page.  

Für Blodget schrillen angesichts solcher Äußerungen die Alarmglocken. „Das Leben bei Google muss für die Leute an der Spitze so locker und leicht gewesen sein, dass sie sich keine Gedanken mehr darüber machen, wie sie ihre Rivalen besiegen, sondern stattdessen darüber philosophieren, wie sie die globale Energiekrise in den Griff bekommen können. Immer, wenn so etwas passiert, enden meist die guten Zeiten“, schwant Blodget Böses.

Für Google-Aktionäre sind das keine besonders guten Nachrichten, zu eng ist der Erfolg der Internetsuchmaschine mit dem früheren Sun-Manager und ihren beiden Gründern verwoben.

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