Gericht untersagt Fußball-Videos

Das Landgericht Stuttgart hat dem Internetportal „Hartplatzhelden“ untersagt, Videos und kleine sehenswerte Szenen von Amateurpartien zu veröffentlichen. Mit dieser Grundsatzentscheidung wurde der Klage des DFB-Landesverbandes Württemberg (WFV) stattgegeben. Der Regionalverband hatte den Betreibern von "Hartplatzhelden" vorgeworfen, sich am Amateurfußball bereichern zu wollen. Gründer Oliver Fritsch hat bereits angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

Anzeige

Nach dem Urteil des Landesgerichts Stuttgart dürfen zukünftig auf hartplatzhelden.de keine Videos mehr von Wettbewerbsspielen aus der Region des WFV gezeigt werden. Bei Zuwiderhandlung droht dem beklagten Unternehmen ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro. DFB-Vizepräsident Rainer Koch bewertete das Urteil als „Sieg für die über 25.000 Amateurfußballvereine in Deutschland. Es kann nicht sein, dass die Kosten des Spielbetriebes von den ehrenamtlich geführten Amateurvereinen selbst getragen werden müssen, mögliche Einnahmen aber von gewinnorientierten kommerziellen Unternehmen wie der Hartplatzhelden GmbH abgeschöpft werden“, argumentiert Koch.

Die Vorwürfe, dass die Hartplatzhelden sich auf Kosten und zu Lasten des Amateurfußballs bereichern würden, will Oliver Fritsch, einer der Macher der Seite, nicht stehen lassen: „Um ehrlich zu sein, zahlen wir derzeit drauf. Ich finde es allerdings nicht verwerflich, dass wir eines Tages auch einmal eine Redaktion am laufen halten wollen.“ Den Vorwurf, mit dem Amateurfußball Geld zu verdienen, könne man schließlich jeder Lokalzeitung machen, so Fritsch.

Der Gießener Soziologe, Fußballtrainer (RSV Büblingshausen) und Journalist Oliver Fritsch versteht seine Internetseite weniger als kommerzorientiertes Projekt, sondern als zivilgesellschaftliches Engagement. Amateurfußballer erhalten die Möglichkeit, kleine Videos von sehenswerten Szenen ihrer oft unterklassigen Mannschaften „hochzuladen“ und einem breiteren Publikum zu präsentieren – oftmals kleine Fußballpreziosen, die sonst der Fußballwelt vorenthalten würden.

Herbert Rösch, Präsident des klagenden Württembergischen Fußballverbandes, zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Richterspruch: „Dieses Urteil ist von grundlegender Bedeutung für den Amateurfußball in Deutschland, dem damit eine weitere Möglichkeit zur Selbstfinanzierung durch Online-Vermarktungsaktivitäten eröffnet wird“, so Rösch. „Dieses Feld durften wir nicht sehenden Auges kommerziell ausgerichteten Anbietern überlassen und untätig bleiben.“

Mit dem Urteil seien keinerlei Einschränkungen für Amateursportler verbunden: „Unser Interesse besteht keinesfalls darin, private Amateurvideoaufnahmen eines Vaters vom Fußball spielenden Sohn zu unterbinden. Natürlich wird jeder Verein weiterhin die Möglichkeit haben, seine Spiele auf der eigenen Internetplattform zu präsentieren beziehungsweise eigene Inhalte einzustellen.“ Oliver Fritsch hat bereits angekündigt, gegen das Urteil des Landgericht Stuttgart in Berufung zu gehen. „Wir betrachten das als Hinspielniederlage.“

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige