Gekündigt: Angestellter erschießt drei Chefs

Entlassungsdrama im Silicon Valley. Jing Hua Wu war einer von 140.000 Mitarbeitern der Technologiebranche, der die Folgen der Finanzmarktkrise unmittelbar zu spüren bekam: Ihm war am Freitag vergangener Woche gekündigt worden. Daraufhin lief Wu Amok: Der 47-jährige Tech-Ingenieur erschoss noch am Nachmittag desselben Tages seinen CEO, den Vizepräsidenten und die Personalchefin des Chipherstellers SiPort. Die Branche reagierte geschockt.

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Die Krise fordert ihre Opfer. „Wir müssen uns spätestens jetzt dazu bekennen, dass wir in sehr schwierigen Zeiten leben.“ Das hatte Michael Moore, Polizeichef von Los Angeles, Anfang Oktober nach einem dramatischen Mordfall erklärt. Seinerzeit hatte ein 45-jähriger Finanzmanager nach dem Verlust seines Vermögens im Zuge des Börsencrashs seine Familie und sich selbst umgebracht.  

Fünf Wochen später nun der nächste Mord, der augenscheinlich im Zusammenhang mit der ausufernden Finanzmarktkrise steht. Am Freitag lief der 47-jährige Jing Hua Wu nach seiner Kündigung Amok. Opfer der Verzweiflungstat wurden Sid Agrawal, CEO des Chipherstellers SiPort, Brian Pugh, Vizepräsident des Unternehmens und die Human Ressource-Managerin Marylin Lewis.  

Verzweiflungstat: Wu erschießt SiPort-Führungsebene

Der Tech-Ingenieur hatte nach Polizeiangaben um eine Unterredung zu den Hintergründen seiner Entlassung gebeten, die am selben Morgen ausgesprochen worden war. Offenbar ohne Vorwarnung eröffnete Wu dann mit einer 9mm-Pistole das Feuer auf den Führungsstab des erst vier Jahre alten Unternehmens, das Chips für digitale Radioempfänger entwickelt. Wu flüchtete daraufhin, wurde aber am nächsten Morgen von der Polizei im kalifornischen Mountain View gestellt und überwältigt.

Nach Angaben aus Wus Umfeld gab es keine Anzeichen von auffälligen Verhaltensstörungen. Der chinesische Immigrant war „ein netter, intelligenter Kerl, der zurückgezogen lebte“, erklärte ein Nachbar. Wu war seit mehr als zehn Jahren verheiratet und hat drei Söhne.  

Unterdessen bemüht sich SiPort herauszustellen, dass es sich bei Wus Kündigung um einen Einzelfall handelt und das Unternehmen keine Entlassungen im größeren Stil vorgenommen habe. Im laufenden Jahr hatte SiPort erst Venture Capital in Höhe von 20 Millionen Dollar erhalten.

Entlassungswelle geht weiter

Ungeachtet dessen steht die Branche offenbar erst am Beginn einer neuerlichen Kündigungswelle. 63.825 Entlassungen in der Technologiebranche hat das Branchenorgan TechCrunch bereits seit der Eskalation der Finanzmarktkrise im September 2008 gezählt. Mehr als 140.000 sind es seit Januar. Doch bis zum Jahresende dürften es noch deutlich mehr werden.  

Das „Wall Street Journal“ geht davon aus, dass 2008 insgesamt 180.000 Mitarbeiter aus der Technologiebranche ihren Job verlieren. Darunter zählen offenbar auch Mitarbeiter des beliebten Finanzinformationsportals TheStreet.com. Wie am Wochenende bekannt wurde, will das börsengelistete Unternehmen sein Büro in San Francisco schließen. Es sind schwere Tage im Silicon Valley – in jeder Hinsicht.

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