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Freenet-Chef: Gewankt, aber nicht gefallen

Auf der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung am gestrigen Freitag konnte sich Freenet-Vorstand Eckhard Spoerr gegen seine Widersacher behaupten. Die Degen waren seit Monaten gekreuzt: Spoerr musste in einer Kampfabstimmung gegen die Hauptaktionäre von United Internet und Drillisch antreten, die seinen Sturz betreiben wollten. Eine Zerschlagung des Hamburger Telekommunikationskonzerns scheint nach dem klaren Votum vom späten Abend damit vom Tisch – zunächst. Aktionäre können aber nicht aufatmen.

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Ende gut, alles gut? So dürfte Eckhard Spoerr, seines Zeichens CEO des Telkommunikationskonzerns Freenet, der gestrige Freitag, der 8. 8. 2008, in Erinnerung bleiben. Geschichtsträchtig war die Hauptversammlung des TecDax-Konzerns zwar am Ende nicht unbedingt, doch das dürfte den ehrgeizigen Schwaben am wenigsten stören: Spoerr beendete die Marathon-Aktionärversammlung kurz nach 22 Uhr zwar nicht als Triumphator, doch aber als klarer Sieger. Dem Freenet-Vorstand wurde mehrheitlich das Vertrauen der stimmenberechtigten Aktionäre ausgesprochen. Er wird damit vorerst weiter die Geschicke des TecDax-Unternehmens führen.

Vorausgegangen war der turbulenten Abstimmung ein regelrechter Wirtschaftskrimi. Die Hauptaktionäre United Internet und Drillisch hatten im Vorfeld der Hauptversammlung gerichtlich Zusatz-Tagesordnungspunkte erzwungen, nach denen über die Abwahl von Spoerr als Vorstandsvorsitzender sowie des Aufsichtsrats entschieden werden musste. Der ist nämlich nach Meinung von Drillisch mit nur allzu getreuen Gefolgsleuten Spoerrs besetzt. „In dem Gremium sitzen vier Anwälte und mit Frau Oelte die Lebensgefährtin von Herrn Spoerr. Wie sollen sie den Vorstand vernünftig kontrollieren?“ fragte sich Drillisch-Vorstand Paschalis Choulidis im „Handelsblatt“.

Entsprechend kam es im Saal2 des Hamburger Congress Centers (CCH) zum größten Showdown der diesjährigen Hauptversammlungssaison. Auf der einen Seite standen die Konkurrenten United Internet und Drillisch, die gemeinsam 25,91 Prozent an Freenet halten, um den Tec-Dax-Konzern im Erfolgsfalle unter sich aufteilen zu können. Auf der anderen Seite hatte sich Freenet-Vorstand Spoerr durch die Übernahme des Mobilfunkproviders Debitel von der Beteiligungsgesellschaft Permira in Stellung gebracht und konnte damit selbst 24,99 Prozent der Anteile entgegenhalten.

Während sich stolze 45 Prozent der Anteile in Streubesitz befinden, liegen weitere 4 Prozent der Anteile beim Assetmanager Hermes Focus. Da bei der Hauptversammlung traditionell längst nicht alle Aktionäre ihre Stimmenrechte wahrnehmen und schon gar nicht geschlossen abstimmen, kommt institutionellen Investoren oft die Rolle des Königsmachers zu.

Tatsächlich sollte Hermes dann zum Zünglein an der Waage werden und sich auf die Seite Freenets schlagen. „Von Wettbewerbern wünscht man sich entweder ein attraktives Übernahmeangebot oder eine Unterstützung der Gesellschaft“, begründete Hermes-Vorstand Stephan Howaldt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters seine Parteinahme. Schon im Tagesverlauf hatte sich Aufsichtsratschef Helmut Thoma gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zuversichtlich gezeigt. „Es sieht so aus, als gäbe es eine solide Mehrheit für die Verwaltung“, hatte der frühere RTL-Chef am Rande der Hauptversammlung erklärt. Als sich die nötige Rückendeckung zur Fortsetzung von Spoerrs Arbeit als Vorstand abzeichnete, zogen auch die freien Aktionäre mit. Am Ende stimmte die deutliche Mehrheit von 64 Prozent dagegen, dem Vorstand das Vertrauen zu entziehen.

Allerdings hatte der Sieg auch seinen Preis. Ein Mitglied des Aufsichtsrates muss als Kompromiss gegenüber den Hauptaktionären United Internet / Drillisch zurücktreten.
Aus den Kreisen von Hermes war der Vorschlag zu hören, das bisherige Aufsichtstarsmitglied
Oliver Brexl gegen den früheren Mobilfunk-Manager Lars Reichelt auszutauschen. „Das ist ein Teilsieg für uns“, kommentierte Drillisch die Rochade. Im Vorfeld hatte der Mobilfunker stets mit einer Aufspaltung Freenet geliebäugelt: „Wir wollten einen Neuanfang bei Freenet“, hatte Drillisch-Chef Choulidis noch vor wenigen Tagen erklärt.

Ob Freenet-Aktionäre mit einer Aufspaltung und dem darauf folgenden Abfindungsangebot jedoch am besten bedient wären, muss angesichts des aktuellen Kursniveaus bezweifelt werden. Eine Übernahme der beiden Konzernteile (DSL-Sparte an United Internet, Mobilfunkbereich an Drillisch) hätte zu Tiefstkursen erfolgen können. Die Freenet-Aktie wird derzeit an der Börse nämlich nur noch zu rund 11 Euro gehandelt. Das ist 30 Prozent schlechter als noch zu Jahresbeginn, als die einstige Mobilcom-Tochter noch mit 16 Euro in 2008 gestartet war; gegenüber dem 5-Jahreshoch vor einem Jahr hat sich die Freenet-Aktie inzwischen gar mehr als halbiert.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Geschäftlage in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt hat. Bei Umsätzen von 435 Millionen Euro verdiente das Hamburger Telekommunikationsunternehmen vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) knapp 54 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es aber noch knapp 71 Millionen Euro bei Umsätzen von 467 Millionen Euro.

Ob für Freenet-Aktionäre mit dem Fortbestand des Unternehmens doch noch einmal alles gut wird, ist indes eine ganz andere Geschichte. Für Eckhard Spoerr, der sich gerne kämpferisch gibt und mit Journalisten schon mal in der Kartbahn um die Wette fährt, dürfte das keine Frage sein: Es sieht ganz danach aus, als hätte er zunächst seinen Kopf gerettet und es noch einmal in der eigenen Hand, mit einem Turnaround an seinem Lebenswerk zu feilen.

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