Ex-AOL-Mann darf nicht ins Yahoo-Board

Außer Spesen kaum was gewesen. Der erwartete Tag der Abrechnung bei der Yahoo-Hauptversammlung am Freitag blieb aus. Firmenjäger Carl Icahn, der sich und zwei Vertrauten Sitze im Board erkämpft hatte, blieb der Veranstaltung fern. Das alte Board um Roy Bostock und Gründer Jerry Yang wurde wiedergewählt. Für Unruhe am Rande sorgte der Medienriese Time Warner. Wie das Blog TechCrunch berichtet, hat Time Warner dem ehemaligen AOL-CEO Jonathan Miller die Erlaubnis verweigert, ins Yahoo-Board einzuziehen.

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Miller sollte einen der beiden Plätze im Board bekommen, die Icahn verteilen darf. Warum Time Warner seine Berufung verhindert, ist unklar. Jerry Yang soll jedenfalls nicht amüsiert gewesen sein. Miller gilt als jemand, mit dem Yang gut hätte zusammenarbeiten könnten, der zwischen ihm und Icahn hätte vermitteln können. Seltsam ist der Vorgang auch deshalb, weil Yahoo als ein möglicher Käufer von AOL gehandelt wurde. Nun wohl nicht mehr.

Aus der Ferne meldete sich Icahn lediglich über sein Weblog zu Wort. Er versicherte seinen Fans, dass er Zusagen der Yahoo-Führung habe, dass keine Verhandlungskommission ohne ihn gebildet wird. Sprich: Sollten die Gespräche zwischen Microsoft und Yahoo wieder in Gang kommen, sitzt Icahn mit am Tisch. Icahn gibt sich vordergründig zahm: Minderheiten in einem Board könnten leicht ausgebootet werden schreibt er, um gleich darauf nachzusetzen: „Aber Minderheiten können auch einiges bewirken (siehe Blockbuster). Ich freue mich auf eine harmonische Zusammenarbeit mit dem neuen Yahoo-Board.“ Das ist eine fiese kleine Warnung: Bei der Videoladenkette Blockbuster hatte Icahn, genau wie bei Yahoo, nur eine Minderheitsbeteiligung und schaffte es nach zermürbendem Kampf, den damaligen CEO John Antioco über ein Misstrauensvotum aus dem Amt zu jagen und die Kontrolle über das ganze Unternehmen zu bekommen.

Laut „Wall Street Journal“ will sich Yahoo in seiner künftigen Strategie darauf konzentrieren, das Geschäft mit den Display-Anzeigen (u.a. Banner) zu optimieren. Außerdem will Yahoo künftig stärker auf „nicht garantierte“ Anzeigenplätze setzen. Will heißen: Yahoo platziert Anzeigen irgendwo auf seinen Seiten, wo gerade Platz ist, also auch auf normalerweise weniger stark gebuchten Unterseiten des E-Mail-Dienstes oder der Foren. Bisher setzte Yahoo vor allem auf garantierte Platzierungen, so genannte Premium-Anzeigen. Yahoo-Präsidenten Sue Decker sagte Analysten, dass „nicht garantierte“ Anzeigen-Platzierungen bereits einen 20-Prozent-Anteil am Anzeigen-Wachstum im 2. Quartal hatten. Das Signal an die Microsoft-Führungsriege ist klar: Yahoo braucht euch nicht.

Die Yahoo-Hauptversammlung indessen endete so unspektakulär wie sie begonnen hatte. Einer der Investoren war im Zuschauerraum sogar eingedöst, während Jerry Yang seine Präsentation abhielt.

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