Droht jetzt das Ende der Flatrates?

Unersättlich scheint der Appetit der Internetnutzer: In einem einzigen Monat haben deutsche User drei Milliarden Videos gestreamt. Auf den Datenbedarf ihrer Kunden haben die Breitbandversorger bisher mit Pauschalangeboten reagiert. Doch die private Internet- nutzung bringt die Provider allmählich an den Rand ihrer Netzkapazitäten. In den USA kündigt sich jetzt das Ende der Flatrate-Praxis an. Auch deutsche Kabelunternehmen dürften künftig den Preis für ihre Dienstleistung neu berechnen.

Anzeige

Einen deutlichen Hinweis darauf, dass auch in Deutschland der Traffic steil anwächst, liefert jetzt das Internet-Marktforschungsunternehmen comScore. Wie das Unternehmen in seinem „Video Metrix“ berichtet, haben sich im Mai dieses Jahres 26 Millionen Menschen in Deutschland mehr als 3 Milliarden Videos online angesehen.

Die Liste nach komsumierten Videos im Mai 2008 führen mit weitem Abstand Websites von Google, zu denen YouTube gehört, mit 38,2 Prozent an, gefolgt von Vivendi mit 2,1 Prozent und RTL Group Sites mit 1,8 Prozent.

„Noch ist das Netz stabil“, sagt der Pressesprecher von HanseNet, Carsten Nillies gegenüber MEEDIA. Doch die Content-Anbieter „entwickeln heute Geschäftsfelder, die auf hohem Datenvolumen beruhen“, vor allem mit Bewegtbildern. Wenn dieser Trend sich fortsetzt, und davon ist auszugehen, wäre eine neue Lösung gefragt.

„Fibre to the home“ – Hochleistungs-Glasfaserkabel bis zum Endkunden – ist nach Ansicht von Nillies zumindest in Ballungsräumen die Technik der Zukunft. Finanzierbar wäre diese etwa durch neue Kooperationen zwischen den Content-Anbietern und den Kabelnetzbetreibern. In einem Punkt ist sich Nillies sicher: „Wenn sich jetzt jemand in Deutschland hinstellt, und ruft das Ende der Flatrate aus, der würde sein blaues Wunder erleben.“

Auch in den USA sind es vor allem Video-Streams, die die Kabel belasten, im Mai laut comScore Video Metrix sage und schreibe zwölf Milliarden. Aber Schuld sind nicht nur Bewegtbilder-Portale wie YouTube; die Breitbandkunden laden immer häufiger immer größere Dateien herunter und versorgen sich in Tauschbörsen mit Musik und Filmen.

„Die Breitbandnetze werden überflutet“, heißt es in einer Stellungnahme von AT&T. Nach Angaben des Telekommunikations-Unternehmens ist der Datenfluss zwischen 2001 und 2007 um durchschnittlich 35 Prozent pro Jahr angewachsen.

Für die Kabelnetzbetreiber bereitet in diesem Zusammenhang eine kleine Gruppe von Nutzern die größten Probleme. Time Warner gibt an, dass fünf Prozent der insgesamt acht Millionen Kunden die Hälfte der verfügbaren Bandbreite belegen.

Der Kabelnetzbetreiber Comcast hat deshalb seine Infrastruktur bereits für bestimmte besonders datenintensive Dienste wie Peer-to-Peer-Netzwerke gesperrt. Damit handelte sich das Unternehmen jedoch die Kritik der US-Telekommunikations-Aufsichtsbehörde FCC ein. Die Einschränkung verletze das Prinzip der Netzneutralität.

Diese besagt, dass sämtliche Datenpakete vom Netzbetreiber gleich behandelt und durchgeleitet werden müssen – also weder unterschiedlich schnell, noch blockiert werden dürfen. Damit dürften auch alle, die sich um den Datenschutz Sorgen machen, zufrieden sein. Denn um Datenströme unterschiedlich behandeln zu können, müssen die Inhalte analysiert werden.

„Dieser wichtige Präzedenzfall wird den Netzbetreibern klar machen, dass sie nicht künstlich oder willkürlich den Internetzugang der Konsumenten begrenzen können“, sagte der FCC-Vorsitzende Kevin Martin in einem Interview mit dem „Chicago Tribune“. Allerdings hätten die Dienstleister die Freiheit, die Preise nach eigenem Ermessen festzulegen. Mit anderen Worten: Die Kunden sollen weiterhin ihre Breitbandverbindung uneingeschränkt nutzen dürfen, die besonders Datengierigen werden aber kaum noch in den Genuss einer preiswerten Flatrate kommen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige