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Die Gründe für den Welt-Erfolg

Bei der IVW, der AGOF oder bei Nielsen: Die „Welt“ ist der große Gewinner unter den deutschen News-Portalen. Innerhalb von 12 Monaten steigerte die Springer-Seite ihre Besucherzahlen um über 300 Prozent. Die Erfolgsgründe: der neue Newsroom, sexy Bildergalerien und viel Suchmaschinen-Optimierung. So verweist Google-News auf keine deutsche Nachrichtenseite häufiger als auf Welt.de

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Mit seiner rasanten Expansion ist das Springer-Portal die wahrscheinlich am schnellsten wachsende News-Seite im deutschen Web. Erreichte das Angebot kurz nach seinem Relaunch im März 2007 noch 5,8 Millionen Unique Visitors und 36 Millionen Page Impressions, sind es ein Jahr später 19,9 Millionen Besucher und 163 Millionen Klicks. Auf seinem Weg in die Spitzengruppe der deutschen Nachrichten-Seiten überholte „Welt Online“ bereits „Focus.de“, „FAZ.net“, „Sueddeutsche.de“ und sogar „Stern.de“. Das Gruner & Jahr Web-Flagschiff zählte im März 2007 14,2 Millionen Besucher und 152 Millionen PIs. Einzig „Spiegel.de“ (89 Mio./ 523 Mio.) und „Bild.de“ (56 Mio./ 622 Mio.) sind noch weit voraus.

Für den Experten Thomas Mrazek von „Onlinejournalismus.de“ liegt der Klick-Erfolg in der besonders intelligenten Programmierung. „Kein deutsches Nachrichtenportal ist so gut optimiert wie die Welt.“ Eine Einschätzung, die auch der Suchmaschinenfachmann Alan Webb von „Abakus-internet-marketing.de“ bestätigt: „Die Seite ist ziemlich perfekt auf die Bedürfnisse von Google abgestimmt.“ Ein wichtiger Faktor, denn bei News-Seiten können bis zu 30 Prozent der Besucher über Google-Suchanfragen kommen. Als weiteren Faktor sieht Mrazek eine Boulevardisierung des Angebotes. „Die Seite ist voller kleiner Bildergalerien. Mit plumpen Sexgeschichten übertrumpft man fast Sueddeutsche.de.“ Die SZ-Hompage ist bekannt für ihre langen erotischen Fotostrecken.
 
Der ehemalige Chefredakteur Christoph Keese dagegen führt den Erfolg zu großen Teilen auf die von ihm mitinitiierte „Online fist-Kampagne“ zurück. Im Zuge der Neuausrichtung der „Blauen Gruppe“ wurden die Redaktionen von „Welt“, „Welt Online“, „Welt am Sonntag“, „Welt Kompakt“ und „Berliner Morgenpost“ in einem Newsroom zusammengelegt. Dabei werden exklusive Nachrichten nicht mehr für die Print-Ausgaben des nächsten Tages zurückgehalten, sondern gehen sofort ins Web. Die Konkurrenten Süddeutsche und FAZ schützen noch immer ihre Top-Geschichten, um die Tageszeitungen nicht zu schwächen.
Auch für Peter Würtenberger, den Verlagsgeschäftsführer der Welt Gruppe, schaffte der neue Newsroom die Basis. „Aus einer sehr kleinen Online-Redaktion ist eine 400-Personen-Redaktion geworden. Die Anzahl der Artikel, die wir bei „Welt Online“ veröffentlichen, ist dadurch von ein paar wenigen auf mehr als 200 pro Tag angestiegen“, sagte er dem „Kress Report“. Zum Vergleich: Der Marktführer Spiegel.de stellt rund 120 Artikel am Tag ins Netz.

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„Die Welt ist das beste deutsche Beispiel für ein modernes Long-Tail-Nachrichten-Angebot“, sagt Webb. Zu vielen Themen gibt es aktuelle Meldungen. Jede einzelne News fesselt nur wenige Leser. Aber zusammengenommen werden so sehr viele unterschiedliche Interessen bedient. Zweiter Vorteil der konsequenten Umsetzung der Long-Tail-Strategie ist es, dass kein anderes Nachrichten-Portal bei so vielen Google-Suchbegriffen prominent vertreten ist. Nach einer Untersuchung der Suchmaschinen-Experten Sistrix ist „Welt Online“ mit 6,3 Prozent die von Goolge-News am meisten verlinkte Seite. Auf Platz zwei liegt „FTD.de“ mit knapp über drei Prozent.

Ein letzter Erfolgsfaktor: Kein anderes einheimisches Angebot beobachtet so intensiv die aktuellen Nutzer-Bewegungen. Peter Würtenberger berichtete, dass die Startseite ständig getrackt wird. Klick-Flops verschwinden sofort von der Titelseite. „Mit dieser Vorgehensweise konnten wir unseren Traffic immer weiter optimieren.“ Eine Technik, die sich nicht unendlich weiter ausreizen lässt. „Mehr als Welt Online jetzt macht, ist kaum möglich,“ sagt Webb.
Weiteres Wachstum muss dann tatsächlich über klassische Lesergewinnung kommen. Dabei könnte die Zeitung den großen Vorteil haben, dass ihre konservative Zielgruppe jetzt erst so richtig das Web entdeckt.

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