Der Reporter-Pool des US-Milliardärs

Die Zeiten für Reporter sind hart. In den meisten Verlagen haben heute die Buchhalter das Sagen. Für sie ist investigativer Journalismus kein Muss, sondern oftmals nur ein finanzielles Risiko. Mit „ProPublica.org“ kämpft in den USA nun ein unabhängiger Reporter-Pool dagegen. Selbsterklärung: „Unsere Arbeit ist nur auf exklusive, wahrlich wichtige Storys fokussiert, auf Geschichten mit moralischer Kraft.“ Finanziert werden die 27 Journalisten von Milliardär Herb Sandler.

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Pro Jahr stecken Sandler und seine Frau Marion rund 10 Millionen Dollar in das Projekt. Geld verdienen wollen sie nicht, nur eine freie Presse garantieren. „ProPublica ist ein unabhängiger Non-Profit-Newsroom zur Produktion von  investigativem Journalismus, im besten öffentlichen Interesse“, heißt es im Editorial der Webseite.
 
Die Redaktion mit Sitz in New York besteht aktuell aus 27 Mitarbeitern. Chefredakteur ist Paul Steiger, ein US-Zeitungs-Veteran. Bevor Rupert Murdoch das „Wall Street Journal“ übernahm, leitete Steiger das Blatt 16 Jahre als Chefredakteur. Anstatt sich danach mit 65 Jahren zur Ruhe zu setzten, baute Steiger in New York die ProPublica-Truppe auf. Nummer Zwei in der Redaktions-Hierarchie ist Stephen Engelberg, ehemaliger Chefredakteur von „The Oregonian“ aus Portland.

Wie eine Story veröffentlicht wird, entscheiden Steiger und sein Team individuell nach der Regel des größtmöglichen Aufsehens. Passend zur Geschichte suchen die Reporter jeweils das ideales Medium. So können die Enthüllungsgeschichten in einer Tageszeitung, einem Magazin, online oder im TV laufen. So gerade geschehen bei einem aufsehenerregenden Stück über das arabische TV-Network „Alhurra“. ProPublica deckte auf, dass die Senderkette mittlerweile mit über 500 Millionen Dollar von der US-Regierung subventioniert wird. Die Erstausstrahlung der Story lief im bekannten US-TV-Magazin „60 Minutes“.

Seinen Medien-Partnern – wie „60 Minutes“ – garantiert ProPublica eine kurze Exklusiv-Frist. Danach werden die Geschichten auch auf der Webseite des Reporter-Pools veröffentlicht. Die Redaktion entwickelt die Themen dann online noch weiter.

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