Anzeige

Cuil: Vom Google-Killer zur Lachnummer

Selten hat der Launch einer Website einen solchen Hype ausgelöst wie der von Cuil.com – selten ist ein Start so nach hinten losgegangen. Die Tech-Blogger waren begeistert von der Suchmaschine und auch MEEDIA fragte: Ist Cuil der neue Google-Killer? Das hatte seinen Grund: Dreimal mehr Webseiten im Index als Google, kontextbezogene Bewertung und zudem von Ex-Googlern konzipiert. Die Freude über eine mögliche Konkurrenz auf dem Such-Markt war nur kurz: Cuil liefert kaum relevante Ergebnisse.

Anzeige

Das Unternehmen kann es sich durchaus selbst zuschreiben: Viele Blogger und Tech-Journalisten wurden lange vor dem Start informiert – testen durfte niemand. Die Hoffnungen auf einen Wunderzwerg, der dem mächtigen Suchgiganten Paroli bietet, waren groß – entsprechend auch die Enttäuschung. Selbst Cuils interessante Technik, die eine Indizierung in solcher Größenordnung (121 Milliarden Webseiten) möglich macht, kann hierbei nicht helfen. Die große Kunst ist es, in dieser Daten-Flut die richtige Information herauszufiltern, und dies gelingt Cuil nur selten – oft überhaupt nicht.

Vermutungen lagen nahe, dass Cuil nur kein Deutsch versteht, aber die Ergebnisse auf englische Suchanfragen waren ähnlich schlecht. Auch der Hinweis von CEO Tom Costello („Cuil setzte mehr auf Inhalte und weniger auf Popularität, daher könnten die gelieferten Ergebnisse anfangs etwas ungewöhnlich erscheinen“) können nicht darüber hinwegtäuschen: Das am meiste gefundene Wort in Verbindung mit Cuil ist „failure“.

Noch absurder wird es, wenn man Cuils Konzept von „reichhaltigen Inhalten“ betrachtet. Zu jeder Anfrage soll ein passendes Bild geliefert werden. Diese scheinen sich aber bisher noch wahllos zu generieren, oft mit äußerst unglücklichen Ergebnissen. Der Physiker Jonathan Grattage musste beispielsweise feststellen, dass sein Name mit masturbierenden Soldaten verknüpft wurde, ähnliche Beispiele gibt es zuhauf.

Die große Frage ist: Warum stellt das mit 33 Millionen Dollar finanzierte Unternehmen eine so offensichtlich fehlerhafte Suchmaschine vor? Eine mögliche Erklärung: Vielleicht will Cuil gar nicht gut sein, sondern nur seinen – durchaus beeindruckenden – Indexierungs-Mechanismus vorstellen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass große Firmen wie Microsoft durchaus bereit sind, viel Geld für (noch nicht funktionierende) Suchmaschinen auszugeben.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige