„Cloud Computing wird ein großer Trend“

2008 neigt sich auf die Zielgerade. Fest steht schon jetzt: Es war das Jahr der großen Finanzmarktkrise, die auch die zyklische Technologiebranche hart getroffen hat. Branchenmarktführer Microsoft steht indes nach wie vor wie ein Fels in der Brandung. Auch für das kommende Jahr sieht Thomas Mickeleit, Director der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Microsoft Deutschland, den Softwaregiganten "in einer guten Ausgangsposition".

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MEEDIA: Wie ist das Jahr 2008 für Microsoft gelaufen?

Thomas Mickeleit: Unser Geschäftsjahr läuft ja bis zum 30.6.09. Ich kann nicht für Microsoft insgesamt sprechen, aber was den deutschen Markt angeht, haben wir uns sehr gut geschlagen. Wir hatten ein ausgezeichnetes 1. Quartal und sind jetzt voll darauf fokussiert, unseren Kunden dabei zu helfen, ihre IT-Kosten in den Griff zu bekommen und wettbewerbsfähiger zu werden.

Die große Finanzmarktkrise hat längst die reale Wirtschaft  
erreicht – die westliche Welt befindet sich in der Rezession. Wie  beurteilen Sie die Lage in der zyklischen Technologiebranche – und  speziell im Internetsektor?

Keine Branche wird sich von der generellen Entwicklung in der Weltwirtschaft abkoppeln können. Das gilt auch für die ITK Branche und natürlich auch für Microsoft. Unser Vorteil ist sicher, sehr sehr breit aufgestellt zu sein. Von der Spielekonsole über Betriebssysteme für PCs, Server und Mobiltelefone, Büroanwendungen bis zum Internet-Portal. Und da der große Technologietrend gerade darin besteht, die unterschiedlichen Welten zusammen zu bringen, spüren wir einen relativen Rückenwind.

Spürt Microsoft in den verschiedenen Segmenten (Software / IT /  Internet) Anzeichen der Krise?

Die Software-Industrie ist in der Vergangenheit jeweils 3-5 mal so stark gewachsen wie die Gesamtwirtschaft. Die große Chance gerade in der Krise besteht aber darin, Software in den Unternehmen dafür einzusetzen, um produktiver zu werden. Viele Unternehmen nutzen Microsoft Office, aber häufig genug werden die Möglichkeiten von Office z.B. als Frontend für Unternehmensanwendungen nicht ausgeschöpft. Zudem kommen neue Technologien wie die Virtualisierung von Servern, Desktops und Applikationen erst jetzt richtig in Schwung. Für die Unternehmen liegen darin riesige Kosteneinsparungspotenziale. Das ist eine gute Ausgangsposition, insbesondere für Microsoft, glauben wir.

Für große Schlagzeilen sorgte 2008 der Übernahmeversuch von Yahoo  – und die darauf folgende Ablehnung der Erneuerung der Gespräche.  Kommt 2009 noch einmal Bewegung in die Sache?

Warten wir es ab.

Konkret nachgefragt: Passt Yahoo zu Microsoft?  Immerhin würde damit der weite Abstand bei der Internetsuche zu Google etwas verkürzt?

Die Kombination des Suchgeschäfts von Microsoft und Yahoo würde die Gewichte etwas verlagern. Wir sind aber davon überzeugt, dass „Suchen im Internet“ insgesamt noch in den Kinderschuhen steckt. Insofern ist die Übernahme von oder die Kooperation mit Yahoo immer nur eine taktische Option. Wir haben unlängst die Errichtung eines europäischen Suchtechnologie-Zentrums, u.a. auch mit einem Standort in München angekündigt. Dort wird die „Suche der nächsten Generation“ entwickelt. Darüber hinaus haben wir mit der Übernahme von Ciao, als größtem europäischen Shopping-Portal und der Übernahme von Aquaintive (für die Vermarktung von Suchergebnissen) wesentliche Investitionen in dem Geschäftsfeld vorgenommen.

Gibt es andere Akquisitionsfelder, die für  Microsoft 2009 im  Internetsektor infrage kommen könnten? Was wäre mit einer größeren   Beteiligung an Facebook oder anderen Web 2.0-Playern?

Wir prüfen kontinuierlich alle Optionen, um in strategischen Geschäftsfeldern zu wachsen. Dazu gehören auch Akquisitionen, aber in dieser Hinsicht gibt es nichts anzukündigen.

Ein Ausblick auf 2009:  Was sieht Microsoft im kommenden Jahr als  größte Herausforderung?

Es geht darum, unsere Kunden davon zu überzeugen, dass IT-Investitionen nicht primär Kostenfaktor, sondern Wettbewerbsfaktor sind. Wer seine Wettbewerbsfähigkeit aber in der Krise verliert, liegt im Aufschwung hinten. Wir arbeiten insofern gegen die erste natürliche menschliche Reaktion Investitionen zurückzuschrauben, deren Refinanzierung vielleicht länger als ein Jahr beansprucht. Mal abgesehen, dass es viele vernünftige IT-Projekte gibt, die sogar die Latte schaffen.

Konkret: Kann das Unternehmen auch in der Rezession sein  zweistelliges Wachstum beibehalten?

Für unser laufendes Finanzjahr bis Ende Juni 2009 ist das jedenfalls die gültige Prognose. Wie es weitergeht, hängt von Ausmaß und Dauer ab, mit der die wirtschaftliche Depression stattfindet.

Und mit welchen übergreifenden Internet-Trends ist im nächsten Jahr  zu rechnen?

Neben der Konversion von Unterhaltungselektronik, Telekommunikation und Informationstechnik wird „Cloud Computing“ sicher ein großer Trend. Als Konsument kann ich heute bei Microsoft z.B. kostenlose 25 GB Speicherplatz im Internet nutzen, um Fotos zu speichern und meiner Familie oder Freunden zugänglich zu machen. In den USA steht Office Live bereits als werbefinanzierte Büroanwendung für den Konsumenten kostenlos zur Verfügung. Solche Angebote werden mehr werden und sie werden vor allem auch von Unternehmen angenommen, die dafür allerdings Abo-Gebühren zahlen. Gerade durch die wirtschaftliche Schwächephase bekommt dieser Trend Verstärkung, weil Unternehmen damit ihre Bilanzen verbessern und von Investitionen unabhängig ihre IT-Lösungen ausbauen können.

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