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Chrome erreicht Gold-Status

Mit großem Medienrummel hatte Google im September die Beta-Version seines Browsers Chrome vorgestellt. Die Testphase ist abgeschlossen. Seit heute gibt es die endgültige Version zum Download. Datenschützer kritisierten vor allem die Eingabe der Google-ID beim Browser. So landen Daten vom heimischen PC auf dem Google-Server. Jetzt hat der Suchmaschinengigant an der neuen Version Verbesserungen vorgenommen. Nach Hause funkt Chrome allerdings immer noch.

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Erst im September war Browser unter großem öffentlichen Interesse an den Start gegangen. Innerhalb weniger Stunden luden mehrere Millionen Nutzer die Software herunter. Branchenkenner lobten die neuen Ansätze der Entwickler. Doch die Kritik an Googles Umgang mit Userdaten wurde zunehmend lauter.

Jetzt, drei Monate nach Veröffentlichung der Beta-Version, schloss das Unternehmen die Testphase ab. Es scheinen stressige Monate gewesen zu sein. Wie Sundar Pichai, Vizepräsident bei der Google-Produktentwicklung, gegenüber dem Technikdienst Cnet erklärte, wurden sehr viele Fehler behoben (»tons and tons of bug fixes«), vor allem bei der Audio- und Videowiedergabe.

Auch die Lesezeichen-Verwaltung wurde optimiert. Bei der Geschwindigkeit hat sich ebenfalls einiges getan: Die Javascript-Engine V8 wurde im Vergleich zur Chrome-Beta noch einmal verbessert. Internetseiten, die auf Flash basieren, würden demnach 1,5 Mal schneller geladen. Nachrüsten will Google noch die Unterstützung für RSS-Feeds und die Möglichkeit, Addons zu installieren.

Versionen für Mac und Linux folgen

Bislang sahen die Zahlen für den Google-Browser nicht gut aus. OneStat.com hatte in einer Browser-Umfrage herausgefunden, dass Chrome bis jetzt lediglich, 0,5 Prozent des Browser-Markts besetzen konnte. Noch im November waren die Zahlen ernüchternd. Chrome wurde im dritten Quartal 2008 nur von 0,09 Prozent aller Internetnutzer verwendet. Das belegt eine Studie des Webanalyseanbieters Webtrekk. Der Anteil der Beta-Version am deutschen Markt lag laut Webhits bei 0,2 Prozent. Aktuelle Zahlen klingen vielversprechend, zumal sich die Software bisher in der Beta-Phase befand. Rund zehn Millionen User nutzen mittlerweile Chrome.

Chef-Produktentwickler Pichai: „Jetzt werden wir Dampf machen. Bisher waren wir zurückhaltend, weil der Browser noch im Betastadium ist. Marketing wird nur ein Teil dieser Anstrengungen darstellen.“ Die Versionen für den Mac und diverse Linux-Distributionen sollen dann in der ersten Hälfte des nächsten Jahres ausgeliefert werden. Die aktuelle Version läuft nur unter Windows.

Mehr Datenschutz, aber immer noch nicht genug

Googles Ruf als „Datenkrake“ machte auch vor Chrome nicht Halt. Kritiker und Datenschützer erzürnten sich an zwei Punkten, bei denen jeweils Daten an Google übermittelt werden: Zum einen geht es um die eindeutige Installationsnummer, die bei der Einrichtung der Software und jeder Änderung erzeugt wird. Dieser Modus ist aber nicht unüblich. Denn auch der Mozilla-Browser Firefox erstellt eine solche Nummer und übermittelt sie in regelmäßigen Abständen an die Server des Software-Herstellers. Der zweite Kritikpunkt: Der Browser macht bei der Eingabe von Suchbegriffen Vorschläge. Chrome bezieht die Vorschläge von der Google-Website. Datenschützer befürchten, dass das Unternehmen so ein umfassendes Bild über die Surfaktivitäten seiner Nutzer erhalten könnte.

Anonyme Daten werden gesichert

Google bestätigte bereits, dass zwei Prozent der Eingaben samt der IP-Adresse des Nutzers gespeichert werden. „Diese Daten benötigen wir, um Ergänzungsvorschläge machen zu können“, erklärte Google-Sprecher Oberbeck. Allerdings ordne Google die gesammelten Informationen keinem konkreten Nutzer zu, sondern sammle sie in anonymisierter Form. Wer sich daran stört, kann diese Funktion allerdings mit wenige Mausklicks deaktivieren. „Es wird keinerlei Verbindung zwischen der Installationsnummer und den Eingaben in die Such- und Adressbox hergestellt“, versichert Oberbeck außerdem.

Damit reagierte Google auch auf die Kritik der deutschen Datenschützer. Nach der Veröffentlichung der Beta-Version hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beim Gebrauch von Chrome zur Vorsicht geraten. Die Anhäufung von Daten bei einem einzigen Anbieter wie Google sei kritisch.

Chrome ist schnellster Browser

Um dieser Kritik zu begegnen, setzt Google offenbar auf übersichtliche Informationen zum Datenschutz. Alle für den User wichtigen Informationen finden sich nun direkt im Options-Menü des Browsers. So lassen sich viele „Sicherheitsanrufe“ an Google deaktivieren. Die viel kritisierte Indentifikationsnummer (ID) versendet der Browser aber weiterhin. Auch Sprache, Versionsnummer und andere Systemdaten landen so auch weiterhin auf den Google-Servern. Ein Tipp: Deaktivieren Sie die Option „Helfen Sie, Google Chrome zu verbessern, indem Sie automatisch Nutzungsstatistiken und Ausfallberichte an Google senden. Ansonsten wird die ID auch nach einem Programmabsturz gesendet.

In puncto Schnelligkeit lässt Chrome seine Konkurrenten hinter sich. Die Website ExtremeTech hat die derzeit fünf gängigsten Browser einem Speedtest. Geprüft wurde unter anderem die Ladegeschwindigkeit sowie der Umgang mit unterschiedlichen Bild- und Videoformaten. Chrome liegt demnach klar auf Platz 1, gefolgt von Firefox und Opera. Microsofts Internet Explorer und Apples Safari konnten nicht mithalten.

Iphone-Killer: Chrome Lite und das Google-Handy

Mit einer Lite-Version für mobile Endgeräte will Google bald auch die Welt der PDAs und Smartphones für sich beanspruchen. Es kannn jedoch noch etwas dauern bis der mobile Browser startet. Die Umsetzung würde bis zu drei Monate dauern, wie der Suchriese verlauten ließ.Möglich würde das durch die Integration des neuen JavaScript Engine V8.

Google-Mitbegründer Sergey Brin kann sich außerdem vorstellen, Android, das neue Google-Betriebssytem für Handys, mit Elementen von Chrome auszustatten. Falls Googles Handy G1 dann über einen flahkompatiblen Browser verfügen würde, wäre Steve Jobs in Bedrängnis. Bisher versteht der Safari-Client für das Iphone noch kein Flash. Viele Seiten können deshalb nicht geladen werden. Doch noch brauchen sich Apple keine Sorgen machen. Bislang hätten die Entwickler von Chrome und Android nicht gemeinsam an dem Projekt gearbeitet.

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