Amazons Ausblick enttäuscht schwer

Die schlechten Nachrichten an der Wall Street reißen nicht ab. Nach eBay muss auch der zweite große E-Commerce-Anbieter im Rahmen der jüngsten US-Quartalssaison schwere Prügel einstecken. Dabei kann sich Amazons neues Zahlenwerk auf den ersten Blick absolut sehen lassen: Der Gewinn legte im abgelaufenen dritten Quartal um fast 50 Prozent zu. Doch das ist bereits Geschichte: Die Aussichten für das laufende Weihnachtsquartal fallen nämlich düster aus.

Anzeige

Nostalgie wird an der Börse selten belohnt. Da veröffentlichte Online-Einzelhändler die stärksten Quartalszahlen seiner Firmengeschichte – und doch wird die Aktie im nachbörslichen Handel an der Wall Street hart abverkauft. Um mehr als 14 Prozent brach das Papier nach Handelsschluss auf nur noch 43 Dollar ein, nachdem die Aktie regulär noch bei 50 Dollar geschlossen hatte.

Dabei lassen die gerade veröffentlichten Quartalszahlen keinerlei Rückschlüsse auf eine aktuelle Krise beim bis gestern Abend noch zweithöchst bewerteten Internetunternehmen zu. Um stolze 48 Prozent war der Unternehmensgewinn im abgelaufenen dritten Quartal auf nunmehr 118 Millionen Dollar oder 27 Cents je Aktie geklettert. Das sind zwei Cents mehr als Wall Street-Analysten erwartet hatten. Die Umsätze entsprachen mit 4,26 Milliarden Dollar den Markterwartungen.

Ausblick: Den Wall Street-Konsens drastisch verfehlt

Doch an der Wall Street zählt der Blick zurück nicht besonders viel. Im Gegenteil: Was Börsianer in den schwierigen Tagen der Finanzmarktkrise interessiert, ist der Ausblick. Und der fiel beim führenden Online-Einzelhändler sehr verhalten aus. So erwartet Amazon, im laufenden Quartal einen operativen Gewinn zwischen 145 und 305 Millionen Dollar einzufahren.

In anderen Worten: Amazon kann die aktuelle Geschäftslage selbst kaum einschätzen. Während im besten Fall ein Gewinnwachstum von 13 Prozent in Aussicht gestellt wurde, droht im Worstcase ein Einbruch von unglaublichen 46 Prozent. Die Umsätze im laufenden Quartal wurden auf 6,0 bis 7,0 Milliarden Dollar taxiert (plus sieben bis 23 Prozent).

Wichtiges Weihnachtsquartal: Brennt der Baum?

Die von CNBC befragten Analysten hatten dagegen in ihrer Umsatzprognose mit mehr als 7,05 Milliarden Dollar gerechnet. Wirklich dramatisch erscheint allerdings die Verfehlung beim Gewinn: Hier hatten die Schätzungen noch bei 400 Millionen Dollar gelegen!

Sollte Amazon im Januar tatsächlich Gewinne am unteren Ende der eigenen Prognose vorlegen, hätte das an der Nasdaq gelistete Unternehmen mit nur einem Quartal seine 2008er-Bilanz gegen die Wand gefahren. Zwei Monate vor Weihnachten brennt damit der Baum bereits lichterloh – zumindest bei einigen skeptischen Anlegern, die derzeit auch bei Amazon das Schlimmste unterstellen…

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige