Web Only: Die Zeitung der Zukunft?

Morgen dürfte ein historischer Tag in der US-Mediengeschichte werden: Zum ersten Mal wechselt eine größere Zeitung komplett vom Print ins Internet. Nicht unerwartet hat der Hearst Konzern bekannt gegeben, dass der „Seattle Post-Intelligencer“ nach 146 Jahren nicht mehr in gedruckter Form erscheint, sondern ab Mittwoch nur noch online publiziert wird. „Seattle PI“ wird damit „the nation’s largest daily newspaper to shift to an entirely digital news product“. 140 der 180 Mitarbeiter müssen gehen.

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Morgen dürfte ein historischer Tag in der US-Mediengeschichte werden: Zum ersten Mal wechselt eine größere Zeitung komplett vom Print ins Internet. Nicht unerwartet hat der Hearst Konzern bekannt gegeben, dass der „Seattle Post-Intelligencer“ nach 146 Jahren nicht mehr in gedruckter Form erscheint, sondern ab Mittwoch nur noch online publiziert wird. „Seattle PI“ wird damit  „the nation’s largest daily newspaper to shift to an entirely digital news product“. 140 der 180 Mitarbeiter müssen gehen.

„Tonight will be the final run, so let’s do it right. It is a hard day for all of us“, sagte Chefredakteur Roger Oglesby gestern einer deprimierten Redaktion. Rund 140 der 180 Angestellten verlieren ihren Job. Die Online-Ausgabe soll gerade einmal von 20 Redakteuren gestemmt werden, weitere 20 Stellen bleiben im Verlag erhalten. Oglesby Ansprache kann man hier im Video sehen:

Im vergangenen Jahr hatte die Hearst-Gruppe mit dem „Seattle PI“ 14 Mio. Dollar verloren, die Auflage betrug zuletzt 117.000 Exemplare. Als einzige Zeitung in der Metropole vom Bundesstaat Washington bleibt damit die „Seattle Times“ übrig, die ebenfalls tief in den roten Zahlen steckt. Trotz eines Verkaufs von 199.000 Exemplaren gilt ihr Überleben als unsicher. Die privat gehaltene Times hatte in den letzten Jahren bereits über 500 Stellen (!) abgebaut. 

Hearst-Zeitungsvorstand Steven R. Swartz sagte, die Seattle PI-Website solle mehr werden als „just a newspaper online. It’s an effort to craft a new type of digital business with a robust, community news and information Web site at its core“. Ganz offensichtlich setzt man bei der Website auf Blogs, lokale Nachrichten – und aufs Verlinken. Insider erwarten deshalb eine Art „Huffington Post“. Zur Zeit sieht die PI-Website, die 1,8 Mio. Unique Visitors hat, allerdings noch wenig innovativ und ziemlich langweilig aus. 

Wie dieses Experiment die nächsten Monate weitergeht, dürfte nicht nur in den USA für großes Interesse sorgen. Auf der einen Seite spart die PI jetzt enorme Kosten. Es fallen nicht nur 140 Stellen weg, sondern auch die hohen Druck- und Vertriebskosten. Auf der anderen Seite dürfte es, besonders in der momentanen Zeit, nicht ganz einfach werden, für eine Website Werbung zu verkaufen. Die „Seattle PI“ wird deshalb zum Testfall für eine ganze Branche. 

Meine Meinung: 

  • etliche Zeitungen werden in den nächsten Monaten der Seattle PI folgen und zu Web-Only-Publikationen mutieren. Nicht nur in den USA, sondern auch weltweit 
  • sofern es den Verlegern gelingt, dabei die Mannschaft klein zu halten, wird sich dieser Schritt mittelfristig auszahlen. Eine Zeitung im Web dürfte unterm Strich gerade einmal 10-20% von der Printausgabe kosten. Insofern ist das Risiko für den Verlag gering
  • erwägenswert dabei wäre es allerdings, ob die Zeitungen neben der täglichen Website nicht noch eine Wochenend-Ausgabe in Printform anbieten sollten. Das Problem der meisten Websites ist ja, dass sie im World Wide Web nur schwer wahrgenommen werden. Das könnte man mit einer Kombination einer tägliche Website und einer Wochenendausgabe im Print vermeiden.
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