Privaten TV-Sendern fehlen 400 Mio. Euro

Haben oder Nichthaben: Während die privaten deutschen TV-Sender derzeit unter der Krise auf dem Werbemarkt leiden, können sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten entspannt zurücklehnen: Ihre gebührenfinanzierten Einnahmen sind sicher und steigen noch, wie jüngst seit dem 1. Januar. Das tritt unter Medienexperten die Debatte los, ob ARD, ZDF und Co künftig ihre Werbung zurückfahren – oder gegebenenfalls ganz auf sie verzichten sollten.

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Können 95 Cents die Fernsehwelt verändern? Sie haben es bereits, wie ein Blick auf den TV-Markt mitten belegt. Während die privaten Anbieter in der tiefsten Krise der vergangenen Jahrzehnte unter rückläufigen Werbeeinnahmen ächzen, stehen die öffentlich-rechtlichen Anbieter längst als Krisengewinner fest.

Das liegt nicht zuletzt an den gebühren-finanzierten Einnahmen, die inzwischen ein Volumen von fast acht Milliarden Euro erreicht haben. Zusätzliche 400 Millionen Euro hat dabei die Anhebung der GEZ-Gebühren seit dem 1. Januar von 17,03 Euro auf 17,98 Euro in die Kassen gespült.  

„Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird stärker, mächtiger, dominanter“

Genau diese Summe dürfte den Privaten jedoch durch die schwelende Krise auf dem TV-Werbemarkt fehlen, glaubt Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. „Die Gebührenerhöhung bringt den Öffentlich-Rechtlichen 400 Millionen Euro zusätzlich, ungefähr diese Summe könnten die Privaten dieses Jahr verlieren“, erklärt Ring gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Branchenkollege Thomas Langheinrich sieht daraus einen Konflikt erwachsen. „Durch die Einnahmeverluste der Privaten wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk stärker, mächtiger, dominant“, bilanzierte der Vorsitzende der Direktorenkonferenz Landesmedienanstalten in Berlin. „Das mögen sich manche in den Sendeanstalten wünschen, aber für das Gesamtsystem Rundfunk ist es alles andere als gut, wenn es völlig aus der Balance gerät.“
Diskussion um Sponsoring-Verbot, Einfrieren der Gebühren in England

Intensiv diskutiert wird daher bereits, ob die Öffentlich-Rechtlichen ihre Werbemaßnahmen zurückfahren sollten. Im Gespräch ist seit einiger Zeit das sogenannte Sponsoring-Verbot, das schon bis 2013 kommen könnte. Das hatte etwa der baden-württembergische Ministerpräsident bereits im „Spiegel“ gefordert. Er wolle ARD und ZDF „so schnell wie möglich“ von der Werbung befreien.

In Großbritannien ist die Debatte unterdessen schon weiter fortgeschritten. So forderte der britische Oppositionsführer David Cameron gestern, die Rundfunkgebühren wegen der Wirtschaftskrise um ein Jahr einzufrieren. Die Realität sieht jedoch zunächst anders aus. In zwei Woche steigen die BBC-Rundfunkgebühren um happige drei Pfund.

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