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Google wird zur Nachrichten-Quelle

Google hat Verträge mit acht europäischen Nachrichtenagenturen geschlossen, um mehr Original-Content auf seinen Seiten zu präsentieren. Ab sofort kann der Internet-Konzern noch mehr Meldungen als "Hosted News" zeigen. Gleichzeitig wird kontextbezogene Werbung zu den Storys eingeblendet. Mit dem Deal wächst der Suchmaschinen-Gigant weiter zu einem Anbieter von Inhalten, und tritt in Konkurrenz zu den News-Portalen. Auch die dpa könnte bald Content an Google liefern.

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Denn da Google die Agenturinhalte auf seinen eigenen Seiten zeigen darf, müssen Leser nicht mehr auf die Webseiten von Zeitungen oder Magazinen navigieren. Den Verlagen gehen Klicks und damit die entsprechenden Online-Werbeeinnahmen verloren. Bereits heute befinden sich einige Verlage und ihre Online-Angebote in einer Abhängigkeit von der Suchmaschine. Bestimmte Nachrichten-Portale verdanken Google bis zu 40 Prozent ihres Traffics.

Während die Verlage Werbeeinnahmen verlieren werden, beteiligt Google künftig die Agenturen an den Erlösen aus eingeblendeter kontextbezogener Werbung. Über Modalitäten dieser Beteiligung machte der Internet-Konzern keine Angaben.

Ein Google-Manager sagte über die Abkommen: „Die neuen Partnerschaften ermöglichen es uns, originäre EPA-Agenturmeldungen via Google News zu verbreiten und mehr Originalartikel von noch mehr Agenturjournalisten zu exponieren, um einen Zugriff auf Storys direkt von der Quelle zu ermöglichen.“

Zu dem aktuellen Abkommen zitiert das FAZ-Blog Netzökonom den epa-Aufsichtsratsvorsitzenden, Walter Grolimund, mit den Worten: „Die Vereinbarung ist für Nachrichtenagenturen von besonderer Bedeutung, da diese nun klar als Quelle für den von ihnen erstellten Originalinhalt erkennbar und anerkannt werden. Zudem können sie dank der mit Google geteilten Werbeeinnahmen neue Erträge für alle auf Google News gehosteten Artikel generieren.“

Die acht neuen Vertragspartner sind sämtlich Mitglieder der EPA: EFE (Spanien und Lateinamerika), LUSA (Portugal und Brasilien), Keystone (Schweiz), APA (Österreich, PAP (Polen), MTI (Ungarn), ANA (Griechenland) und Belga (Belgien). Mit AFP, UK Press Association, AP und Canada Press bestehen bereits entsprechende Partnerschaften.

Mit der Deutschen Presseagentur, die ebenfalls Mitglied der EPA ist, liefen die Verhandlungen noch, schreibt das FAZ-Blog Netzökonom unter Berufung auf einen Google-Sprecher.

Für viele Online-Medien dürfte die Nachricht des neuesten Google-Schachzugs äußerst bedrohlich klingen. Websites von Spiegel Online bis Focus Online liefern ihre Inhalte gratis aus. Im Gegenzug für die Gratis-Nachrichten wollen die Verlage jedoch ihre Online-Angebote langfristig über Werbung finanzieren. Dieses Modell gerät in Gefahr, wenn Google selbst für die zusammengeklaubten Inhalte Anzeigen verkauft.

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