BasicThinking ohne Basic: Die erste Bilanz

Am 15. Januar verkaufte Robert Basic für 46.902 Euro sein Blog an den Webhoster Serverloft. Viele Blogs, Zeitungen und einige TV-Nachrichten berichteten. Zwei Monate später ist es ruhiger geworden. BasicThinking.de wird nun von einer Profi-Redaktion geführt, die erst einmal die thematische Ausrichtung veränderte. Obwohl der Traffic einbrach, bindet das neue Team noch immer mehr Nutzer, als es Basic zum Schluss gelang. Nur: Die Top-Position in den Blog-Charts ist die Site bald los.

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In der aktuellen Ausgabe der deutschen Blogcharts belegt BasicThinking noch immer, mit einem großen Vorsprung von 1434 Verlinkungen den ersten Platz. Auf Rang zwei hält sich Spreeblick mit 1002 Verlinkungen. Jede Woche büßt BasicThinking aber eine gehörige Menge an Links ein. Heißt: Ende Mai oder Anfang Juni könnte das ehemalige Basic-Blog seine Spitzenposition verlieren. Allerdings verliert gerade auch Spreeblick, wohingegen die Nummer drei Nerdcore zulegen kann. Zum Sommeranfang könnte es also sogar zu einem bis vor kurzem noch unerwarteten Machtwechsel in der einheimischen Blogosphäre kommen.

Auch bei den Besuchern verlor BasicThinking im Vergleich zum Januar massiv. Laut Blogoscoop zog die Homepage am Aktionstag über 60.000 Page Impressions. Mittlerweile gingen die Visitor-Zahlen auf 10.000 bis 13.000 Klicks pro Tag zurück. „Die Januar-Daten sind für uns kein Maßstab. Wenn selbst die TV-Nachrichten über BasicThinking berichten, haben wir vier Wochen später natürlich keine Chance, diese Nutzerzahlen zu bestätigen“, sagt Christoph Berger gegenüber MEEDIA. „Aktuell bewegen wir uns zwischen 10.000 und 15.000 Abrufen pro Tag. Damit kommen wir auf deutlich bessere Werte, als sie Robert Basic beispielsweise im November und Dezember vergangenen Jahres erreichte.“

Christoph Berger ist Mitglied des Vorstandes Intergenia AG und Geschäftsführer von Onlinekosten.de. Die Intergenia AG ist das Mutterunternehmen hinter den BasicThinking-Käufer Serverloft. Eine weitere Tochter der Aktiengesellschaft aus Hürth, ist das Info-Portal Onlinekosten.de. Dieses Angebot bezeichnet sich selbst als „das News-Magazin für Internet-Profis“.

Die Redaktion von Onlinekosten.de hat mittlerweile auch BasicThinking übernommen. Die Redakteure arbeiten für beide Angebote und verwerten dabei einige Story auch doppelt. Aktuelles Beispiel ist eine Meldung über Zattoos Pläne einen Browser-Player zu launchen. Die Story findet sich unter Onlinekosten.de und auf dem ehemaligen Basic-Blog. Insgesamt schreiben fünf Autoren für die Neuerwerbung. Geschäftsführer Berger gehört zum Blogger-Team: „Viele Erfahrungen, die wir – als erfahrene Online-Redaktion – mit dem Bloggen machen mussten, waren tatsächlich neu. Wir mussten uns an einigen Stellen umstellen. Aber alles in allem, finde ich, haben wir das sehr gut gemeistert.“

Die größte Umstellung war für die Profi-Schreiber die veränderte Kommunikation. Ein kleiner Blog-Eintrag hat ungleich mehr Kommentare und Nachfragen zur Folge, als ein Beitrag bei Onlinekosten.de.

Thematisch unterscheidet sich die Seite gehörig von dem Ur-Angebot. Der Inhalt besteht nun aus Technik-Nachrichten, ein paar Medien-News und netten Gadgets. Damit bietet die Seite solide deutsche Web-Nachrichten-Kost aber nicht Ausgefallenes oder besonders Eigenständiges. Vorgänger Basic zeichnete sich dagegen durch seinen höchst eigenwilligen Mix aus privaten Notizen, wie den Fußball-Vorlieben seines Sohnes, abgeschriebenen US-Tech-News und deutschen Start-up-Interna aus. Als aktiver Blogger hatte Robert Basic die seltene Fähigkeit, Agenda Setting betreiben zu können. Der Usinger konnte ein bestimmtes Thema mit traumwandlerischer Sicherheit – zumindest in bestimmten Blogkreisen – massiv pushen. Diesen Einfluss hat BasicThinking mittlerweile fast vollkommen eingebüßt.

Ein weiterer augenscheinlicher Unterschied zu den alten Basic-Zeiten, ist die Absenz von Werbung. Auch der Link-Verkauf wurde komplett eingestellt. Berger will dies allerdings nicht als schlechtes Zeichen verstanden wissen. Werbung hätte man genügend verkaufen und vermarkten können. „In den ersten 60 Tagen haben wir noch keinen Euro mit der Seite eingenommen und werden das Thema Monetarisierung bei Basicthinking sehr behutsam angehen.“

Besonders stolz ist der Geschäftsführer darauf, dass mit dem Ausstieg von Blog-Icone Basic die Seite nicht zusammengebrochen ist: „Die vielen Experten hatten unrecht. Wir haben uns sehr gut behauptet.“

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