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Jon Stewart „verprügelt“ Börsen-Guru Cramer

Es war der meist erwartete Showdown des bisherigen Fernseh-Jahres: "Daily Show"-Gastgeber Jon Stewart traf auf den CNBC-Kultmoderator James Cramer – und führte ihn gehörig vor. Schon die ganze Woche hatte Stewart auf CNBCs Rolle in der Finanzmarktkrise eingeprügelt. Hauptkritik-Punkt: Statt zu informieren und auf Risiken hinzuweisen, hätten Cramer & Co den Boom verklärt. Stellvertretend für die ganze Zunft des Finanzjournalismus holt sich Cramer dann auch eine gehörige Watschen ab.

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Es war der meist erwartete Showdown des bisherigen Fernseh-Jahres: „Daily Show“-Gastgeber Jon Stewart traf auf den CNBC-Kultmoderator James Cramer – und führte ihn gehörig vor. Schon die ganze Woche hatte Stewart auf CNBCs Rolle in der Finanzmarktkrise eingeprügelt. Hauptkritik-Punkt: Statt zu informieren und auf Risiken hinzuweisen, hätten Cramer & Co den Boom verklärt. Stellvertretend für die ganze Zunft des Finanzjournalismus holt sich Cramer dann auch eine gehörige Watschen ab.

Es war ein ungewohntes Bild: Börsenlautsprecher James Cramer in der Defensive. Der 53-jährige Starmoderator des Finanznachrichtensenders CNBC hatte sich nach tagelagen Attacken des  US-Comedians Jon Stewart Ende vergangener Woche dem direkten TV-Duell in der „Daily Show“ gestellt.

Dabei sah Cramer manches Mal um einiges älter aus als seine 53 Jahre. Wie ein Viertklässler wand, rechtfertigte und duckte sich ein achselzuckender Cramer schließlich weg – so hatte man den ehemaligen Hedgefondsmanager und Gründer des beliebten Finanzportals TheStreet.com noch nie gesehen.

Stewart über „Mad Money“: „Das hier ist nicht – ein Spiel“

Im Zentrum der Kritik stand die Rolle der Finanzjournalisten bei CNBC, die den Börsenboom jahrelang befeuerten, aber nicht kritisch auf die Risiken hingewiesen hätten – vor allem nicht in unterhaltungs-ähnlichen TV-Formaten wie „Mad Money“: „Ich verstehe schon, dass Sie das Thema Finanzen unterhaltsam präsentieren wollen. Aber das hier ist nicht – ein Spiel“, warf Stewart Cramer vor.

Cramer gab sich kleintaut: „Wir alle sollten noch genauer hinschauen“, gab der „Mad Money“-Moderator zu. „Aber wir machen auch Fehler. Wir senden jeden Tag 17 Stunden Live-Fernsehen.“ Und weiter: „Wir geben gute Einschätzungen und schlechte Einschätzungen ab. Ich versuche, so viele gute Einschätzungen abzugeben wie möglich.“
 
Cramer: Stellvertretend für den ganzen Finanzjournalismus am Pranger

In den 20 Minuten bei Jon Stewart gelang Cramer das jedenfalls kaum.
Keine Frage: Das TV-Duell ging in drei Runden an den TV-Vollprofi der „Daily Show“. Dieses Ergebnis bleibt nach den knapp 20 Minuten, die im Web auch in ungekürzter Fassung zu sehen sind, fraglos hängen.

Allein: Mit der Realität hat Stewarts effekthascherischer Auftritt nur bedingt etwas zu tun. Stellvertretend für die ganze Branche des Finanzjournalismus stellte Stewart Cramer an den Pranger und rechnete  ihm minutiös seine Verfehlungen in der beliebten Börsensendung „Mad Money“ vor – etwa die Empfehlung von Bear Stearns wenige Wochen vor der Pleite. Oder seine Erklärung zu Shortselling-Techniken Web-TV-Video bei RealMoney.com, die Cramer als Hedgefondsmanager selbst angewandt hat.
 

Stewart: Rhetorisch wirksam vorgetragene Abrechnung

Was der 46-jährige Stewart dabei vergisst: Empfehlungen gehören zum Geschäft von vor allem in den USA beliebten Unterhaltungsformaten wie „Mad Money“, in denen schon mal Sirenen oder Kuhherden aufheulen – oder Gadgets kaputt gehauen werden. Inszenierte Aufregung ist hier ebenso zu Hause wie bei Stewarts eigner Late-Night-Show. Wer aufgrund einer in der „Lightning Round“ schnell herausgefeuerten Empfehlung eine Aktie kauft oder verkauft, ist am Ende fraglos selbst schuld.  

Stewart unterschlägt bei all der rhetorisch wirksam vorgetragenen Abrechnung indes nur allzu gerne, dass Cramer selbst nach der Lehman-Pleite – im Gegensatz zu vielen anderen Marktkommentatoren – betont zum Ausstieg geraten hat. „Wer das Geld in den nächsten fünf Jahren braucht, sollte jetzt verkaufen“, erklärte Cramer wiederholt im September und Oktober. Wohl gemerkt: Auf einem Kursniveau, das  30 bis 35 Prozent höher gelegen hatte. Davon jedoch wollte Stewart lieber nicht sprechen.

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