GEZ: Hoeneß fordert Bundesliga-Soli

Ein skurriler Vorschlag: Damit der deutsche Fußball wieder eine Chance gegen die finanziell übermächtigen Clubs aus England und Spanien hat, wünscht sich Uli Hoeneß in der „Wiwo“ eine Art Fußball-GEZ: „Meine große Hoffnung ist, dass die Leute irgendwann bereit sind, zwei Euro im Monat für Fußball zu bezahlen.“ Die Liga braucht offensichtlich Geld und der Bayern-Manager eröffnet die Diskussion. Passend dazu wurde am Sonntag bekannt, dass Liga-Sponsor Telekom am Saisonende aussteigt.

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Wie sich der Bayern-Manager seinen neuen Bundesliga-Soli vorstellt, erklärt er in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Hoeneß argumentiert, dass die Top-Clubs aus England, Spanien und Italien. aus der TV-Vermarktung ihrer nationalen Ligen zwischen 80 und 130 Millionen Euro erlösen. „Also fast drei- bis gut viermal so viel. Diese Differenz wird auf die Dauer dazu führen, dass der deutsche Fußball enorme Schwierigkeiten bekommt, international mitzuhalten und irgendwann noch einmal die Champions League zu gewinnen“, sagt Hoeneß.

Früher lagen die deutschen Liga-Hoffnungen, die TV-Einnahmen zu erhöhen, fast ausschließlich beim Pay-TV. Doch seit rund zehn Jahren, gelingt es den Bezahl-Angeboten noch nicht einmal annähernd kostendeckend zu arbeiten. „Ich habe immer noch die Hoffnung, dass jemandem einfällt, wie man Pay-TV in Deutschland profitabel betreiben könnte. Leo Kirch hat es probiert und ist vom Bundeskartellamt zurückgepfiffen worden. Jetzt versucht es Rupert Murdoch mit Premiere“, sagt der Bayern-Manager. Er schließt daraus: „Am besten wäre es allerdings, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender alle Fußballrechte kaufen und dem Bürger Fußball quasi gratis nach Hause senden würde.“

Auf den Einwand, dass mit dieser neuen Zwangsabgabe auch die Mehrheit der Nicht-Fußball-Gucker abkassiert wird, reagiert Hoeneß mit Unverständnis: „Moment, ich werde doch auch monatlich abkassiert, obwohl ich nur Nachrichten, Sport und politische Diskussionen anschaue.“ Der Wurstfabrikant hält zwei Euro für eine vertretbar geringe Summe: „Das ist nicht mal eine halbe Schachtel Zigaretten oder ein kleines Bier in der Kneipe.“ Der aktuelle GEZ-Beitrag liegt bei 17,98 Euro.

Als der Bayern-Manager das Interview gab, war noch nicht bekannt, dass die Liga sich zum Saisonende einen neuen Hauptsponsor suchen muss und so tatsächlich die Finanzdecke immer dünner wird. Wie das Nachrichten-Magazin „Focus“ berichtet, will die Telekom ihren Vertrag mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) nicht verlängern. Für rund zehn Million Euro pro Jahr prangte auf allen linken Spielerärmeln bislang das Logo der Telekom-Festnetz-Marke (T-Home).

Auch bei vielen anderen Sponsoren sitzt in der aktuellen Wirtschaftskrise das Geld nicht mehr so locker. So gehen Experten davon aus, dass viele kleinere Vereine, deren Werbe-Verträge in den nächsten Monaten auslaufen, große Probleme bekommen werden, neue Sponsoren zu finden, die auf einem ähnlich hohen Niveau bereit sind, zu investieren. Mit seinem Vorschlag zu einer Fußball-GEZ konstruiert der umtriebige Bayern-Manager nun einen staatlich unterstützten Schutzschirm für den deutschen Profi-Fußball.

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