Die Quoten der Amok-Specials im TV

Die Nachrichtenredaktionen der TV-Sender arbeiteten in der vergangenen Woche unter Hochdruck: Nach dem Amoklauf von Winnenden wurden die üblichen News-Formate durch Specials über Hintergründe und Folgen der Bluttat ergänzt. MEEDIA hat die Quoten der Sondersendungen und Schwerpunkte verglichen. Ergebnis: Am meisten Zuschauer hatte der ARD-"Brennpunkt" am Mittwoch mit 6,70 Mio. im Gesamtpublikum, "Anne Will" zum gleichen Thema kam am Sonntag nicht unter die Top 10 der meistgesehenen Sendungen.

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Mit 3,73 Millionen Zuschauern belegte die frühere „Tagesthemen“-Moderatorin Rang elf im Quoten-Ranking. Zum Vergleich: Seit Januar 2008 hatten 25 „Anne Will“-Sendungen mehr Zuschauer. Noch enttäuschender aus Sicht der Macher der Sendung, in der viel Spekulatives verbreitet wurde, dürfte die geringe Zahl der jungen Zuschauer gewesen sein: Nur rund 900.000 schalteten aus der Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen bei „Anne Will“ zu – den vorausgegangenen „Tatort“ hatten mehr als 3 Millionen junge Zuschauer gesehen.Dagegen verzeichnete „Spiegel TV“ trotz eher mäßiger Quote des bei RTL zuvor ausgestrahlten Spielfilms „The Day After Tomorrow“ einen sehr guten Wert: Das sendungsbeherrschende Thema Winnenden mit einer Rekonstruktion der Geschehnisse erreichte in der Spitze bis zu 19 Prozent Marktanteil bei der jungen Zielgruppe und kam im Gesamtpublikum auf bis zu 2,5 Mio. Zuschauer.
Allerdings zeigt der Quoten-Check auch, dass das Interesse an Sondersendungen zum Amoklauf in den Tagen nach der Tat deutlich zurückging. So erzielte Plasbergs sehr gut besetzte Talkrunde bei „Hart aber fair“ am Mittwoch abend einen der besten Zuschauerwerte seit Start der Sendung im Ersten und kam auf 3,66 Mio. Zuschauer. Bei „Maybrit Illner“ schalteten einen Abend später im ZDF nur noch 2,44 Millionen ein. Für die Moderatorin ein nur durchschnittlicher Wert; seit Januar 2008 waren 27 ihrer Sendungen beim Publikum erfolgreicher.
Die Spartensender N24 und n-tv erreichten am Mittwoch, dem Tag des Amoklaufs, mit Marktanteilen von je 1,6 Prozent deutlich überdurchschnittliche Zahlen (der Durchschnitt liegt sonst um 1,0 Prozent). Am Donnerstag kam n-tv auf 1,2 Prozent, N24 war mit 1,0 Prozent bereits auf Durchschnittsniveau. Am Freitag lagen beiden mit 1,0 Prozent (n-tv) und 0,9 Prozent (N24) auf völlig normalen Werten.
Und so sah es bei den Öffentlich-Rechtlichen aus: Die 20-Uhr-„Tagesschau“ hatte am Mittwoch, 6,12 Mio. Zuschauer – eine klar überdurchschnittliche Zahl. Am Donnerstag schauten noch 5,51 Mio. zu, am Freitag nur noch 4,67 Mio. Der „ARD-Brennpunkt“ lag am Mittwoch bei 6,70 Mio., die von Medienjournalisten wegen einseitiger Berichterstattung kritisierte Sendung am Donnerstag bei 5,51 Mio. Zuschauern. Das „ZDF-Mittagsmagazin“ erreichte am Mittwoch im ZDF mit 1,88 Mio. Zuschauern den höchsten Wert seit Jahren – am Donnerstag befand er sich mit 1,15 Mio. schon wieder auf einem normaleren Niveau. Das ZDF-„Spezial“ kam am Mittwochabend auf 4,31 Mio. Zuschauer, die Donnerstagsausgabe auf 3,51 Mio.
Ob es so etwas gibt wie eine „Halbwertzeit“ der Betroffenheit bei den Zuschauern oder ob die Sendungen Zuschauer verloren, weil es keine konkreten neuen Nachrichten und Hintergründe zu vermelden gab, bleibt bei der Quotenbetrachtung offen.

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