AOL: Abspaltung nach Führungswechsel?

Neuer starker Mann beim schwächelnden Internet-Pionier AOL: Mutterkonzern TimeWarner berief gestern Abend Tim Armstrong zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Der frühere Vermarktungschef von Google folgt auf das glücklose Führungsduo Randy Falco und Ron Grant, denen in den vergangenen Jahren trotz zahlreicher Umstrukturierungsversuche nicht der Turnaround gelungen war. Branchenexperten rechnen nun mit einer Abspaltung von TimeWarner.

Anzeige

TimeWarner zieht die Notbremse: Randy Falco und Ron Grant, die erst Ende 2006 als Führungsduo die Geschicke beim einst wertvollsten Internet-Unternehmen der Welt übernommen hatten, müssen die Chefetage schon wieder räumen. Intern wird die Entscheidung offenbar nicht bedauert: „Die Mitarbeiter sind begeistert, dass Grant und sein Boss, Randy, das Unternehmen verlassen“, ist bei Wikipedia in diesen Stunden zu lesen.

Schließlich kommt als neuer starker Mann kein Unbekannter. Tim Armstrong, Vermarktungschef beim Internetriesen Google, wird ab April den Vorstandsposten beim kriselnden Online-Pionier übernehmen, dem im letzten Jahr die Umsätze um 20 Prozent wegbrachen.

Armstrong: „die richtige Struktur und Zukunft für AOL finden“

Für den 38-jährigen Ex-Googler ist das kein Problem: „Sie haben erfolgreich mehr Traffic generiert und sind nun in der Lage, zu einem der wichtigsten Akteure in allen Bereichen der Internetwerbung aufzusteigen“, diktierte der Armstrong „Wall Street Online“-Reporterin Kara Swhisher.

Zunächst wolle Armstrong „die richtige Struktur und Zukunft für AOL finden“. Wie die aussehen könnte, ließ Armstrong zwischen den Zeilen durchblicken. „Wir wollen das bestmögliche Ergebnis für AOL. Dafür könnte es eine Menge Möglichkeiten geben.“

Kommt der zweite Börsengang von AOL?

Für Swisher als auch für den früheren Internetaktien-Analysten Henry Blodget war das eine klare Ansage: „AOL könnte als eigenes Unternehmen abgespalten werden“, glaubt Blodget. Swisher geht noch weiter: „Sobald sich die Wirtschaft wieder aufhellt, bringen wir AOL an die Börse – genau wie mein früherer Boss, Eric Schmidt, mit Google gemacht hat“, übersetzt Swisher Armstrongs Aussagen.

Das wäre eine denkwürdige Trendwende nach einem Jahrzehnt der Irrungen, Wirrungen und massiven Wertvernichtungen. Zur Erinnerung: Am 10. Januar 2000 hatte AOL TimeWarner noch für 160 Milliarden Dollar übernommen. Zusammen hatten beiden Unternehmen zum Zeitpunkt des Zusammenschluss den virtuellen Börsenwert von 350 Milliarden Dollar. 

Heute kommt Time Warner gerade mal auf eine Börsenbewertung von 30 Milliarden, während AOL nach jüngsten Beteiligungs-Abschreibungen von Google auf gerade noch fünf Milliarden Dollar kommt.  

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige