RTL Group: Gute Zahlen, schlechte Zeiten

Nach Springer nun auch die RTL Group: Der größte europäische TV-Konzern konnte bei Vorlage der Geschäftszahlen für 2008 noch einmal glänzen und das Vorjahresergebnis knapp überbieten. Maßgeblichen Anteil daran hatte die deutsche Senderfamilie (RTL, RTL II, SuperRTL, Vox und n-tv), die ihr Ergebnis um gut ein Viertel steigerte. Für das laufende Geschäftsjahr verkündete Konzernchef Zeiler jedoch den erwarteten Dämpfer: Der Gewinn werde sich 2009 vermutlich rückläufig entwickeln.

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Die RTL Group stemmt sich gegen die Krise. Im Gegensatz zur nationalen Konkurrenz ProSiebenSat.1 Media muss die Bertelsmann-Tochter im vergangenen Geschäftsjahr keine Einbrüche im Kerngeschäft beklagen. Im Gegenteil: Der ausufernden Finanzmarktkrise, die längst zur veritablen Medienkrise geworden ist, zum Trotz präsentierte die RTL Group heute noch einmal eine starke Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr.      

Der um Steuern, Zinsen und Abschreibungen bereinigte Gewinn (EBITA) stieg 2008 noch einmal um vier Prozent auf 971 Millionen Euro an. Auch der Umsatz legte noch mal zu: Ein Plus von knapp drei Prozent auf 5,75 Milliarden Euro.

Damit gelang der Bertelsmann-Tochter das Kunststück, auch im schwierigen Marktumfeld Gewinn und Umsatz bereits zum siebten Mal in Folge zu steigern.  Der größte deutsche Medienkonzern profitierte selbst am stärksten davon: 90 Prozent der ausgeschütteten Dividende – mehr als eine halbe Milliarde Euro – flossen zurück nach Gütersloh.

Erfolg mit Eigenproduktionen wie „DSDS“

Maßgeblichen Anteil an der positiven Geschäftsentwicklung hatte vor allem die deutsche Senderfamilie (RTL, RTL II, SuperRTL, Vox und n-tv), die den Gewinn um beachtliche 25,6 Prozent steigerte. Geheimnis des Erfolges sind dabei unter anderem die von der Tochterfirma Fremantle Media produzierten Eigenformate wie „Deutschland sucht den Superstar“ und das US-Pendant „American Idol“.

So konnte die Produktionsfirma Fremantle dann auch selbst deutlich steigende Erträge ausweisen – nämlich einen gestiegenen Gewinn um 18,3 Prozent. Sorgen bereiteten der RTL Group dagegen die kriselnden Werbemärkte in Großbritannien und Spanien, die ein besseres Ergebnis verhinderten.

Krise schlägt durch: Zweistellige Einbrüche auf den meisten europäischen Werbemärkten erwartet

Dieser Trend habe sich im laufenden Geschäftsjahr noch verstärkt, erklärte Konzernchef Gerhard Zeiler auf der heutigen Bilanzpressekonferenz. Die Werbeerlöse an den meisten europäischen Märkten wären im Januar und Februar zweistellig eingebrochen.

Entsprechend stimmte der 53-jährige Österreicher die Aktionäre auf sinkende Gewinne im laufenden Geschäftsjahr ein. „Es ist zu erwarten, dass das Profitabilitätsniveau unter dem von 2008 liegen wird“, gestand Zeiler heute in Luxemburg ein.

Für Anleger überwogen dennoch die guten Zahlen in den Krisenzeiten: Die Anteilsscheine der RTL Group, die im vergangenen Jahr in der Spitze um 70 Prozent eingebrochen waren, legten im heutigen Handelsverlauf gegen den Markttrend um 12 Prozent zu.  

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