Springer: Neue TV-Pläne mit Lanz?

Nur auf den ersten Blick ist die Berufung von Lothar Lanz in den Springer-Vorstand eine Überraschung. Ein Verlags-Profi werde das Rennen um die Nachfolge von Steffen Naumann machen, war im Vorfeld spekuliert worden. Nun ist es ein Fernseh-Mann. Dass Lanz, der jetzt Naumann beerbt, 18 Jahre älter ist als sein Vorgänger, war sicher ein Grund, warum niemand auf den früheren Kirch-Manager getippt hätte – in der Sache ist es unerheblich: Die Personalie eröffnet Springer neue Optionen im TV-Geschäft.

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Nur auf den ersten Blick ist die Berufung von Lothar Lanz in den Springer-Vorstand eine Überraschung. Ein Verlags-Profi werde das Rennen um die Nachfolge von Steffen Naumann machen, war im Vorfeld spekuliert worden. Nun ist es ein Fernseh-Mann. Dass Lanz, der jetzt Naumann beerbt, 18 Jahre älter ist als sein Vorgänger, war sicher ein Grund, warum niemand auf den früheren Kirch-Manager getippt hätte – in der Sache ist es unerheblich: Die Personalie eröffnet Springer neue Optionen im TV-Geschäft.
Denn Lanz versteht nicht nur etwas von Zahlen, sondern hat sich in den Wirren der Kirch-Insolvenz und der folgenden Heuschrecken-Zeit bei Sat.1 und ProSieben als bemerkenswert zäh und krisenfest erwiesen. Dass er seinen Job 2008 verlor, spricht nicht gegen seine Qualitäten: Zu den neuen Gesellschaftern von KKR / Permira fand er keine Bindung, die Venture Capitalists hatten dem Konzern einen riskanten Kurs verordnet und eine Milliarden-Schuldenlast aufgebürdet. Insider gehen auch davon aus, dass die Entmachtung des Finanzvorstandes ein Lanzenstich gegen Vorstandschef Guillaume de Posch war, der wenig später entnervt seinen Rückzug ankündigte.
Springer-Chef Mathias Döpfner kennt Lanz aus den Zeiten intensiver Verhandlungen über einen Kauf von ProSiebenSat.1 durch die Berliner. Dieser Wunschehe machte 2005 das Kartellamt einen Strich durch die Rechnung. Springer klagte gegen den Entscheid, konnte diesen aber bislang gerichtlich nicht revidieren. Gesetzesänderungen müssten her, damit solche Unternehmens-Konstrukte möglich würden.
In der Krise scheint dies durchaus denkbar. Konzentration auf dem Medienmarkt könnte Arbeitsplätze retten oder sichern. Es ist möglich, dass die Politik die Bedenken gegen eine Monopolisierung und ihre Folgen dem gegenüber geringer bewertet. Damit wäre Döpfners Traum von einer Verbindung von Springers geballter Printmacht mit einem starken Fernseh-Geschäft und einer wachsenden Web-Präsenz wieder realistisch. Und genau hier hätte er mit Lothar Lanz einen versierten Architekten eines solchen Großprojekts.
Bereits 2005 waren Döpfner und Lanz auf „Roadshows“ gemeinsam unterwegs, um bei potenziellen Geldgebern und Partnern für den Zusammenschluss beider Medienkonzerne zu werben. Es wird berichtet, dass Döpfner die ruhige und effektive Art von Lanz seither schätzt. Beide sind trotz der beeindruckenden Springer-Zahlen, die Döpfner an diesem Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2008 in Berlin präsentieren wird, in nächster Zeit besonders gefordert: Die Aktie ist mit der allgemeinen Krise auf Talfahrt, die Empfehlung der Analysten steht weiter auf Reduzieren.
Das Print-Business wird nicht einfacher werden, und im Internet müssen sich die teuren Zukäufe wie AuFeminin noch amortisieren. Da könnte ein erneuter Vorstoß in den TV-Bereich eine befreiende Wirkung haben. Mindestens drei Jahre soll Lanz im Vorstand bleiben – neben aller Konsolidierungspflicht viel Zeit für neue Projekte.

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