Döpfner sieht die Krise als Chance

Axel Springer hat 2008 trotz der Krise ein Rekordergebnis erzielt. Auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin hob CEO Mathias Döpfner den Erfolg der „Strategie der Marktführerschaft im Kerngeschäft, der Digitalisierung und der Internationalisierung“ hervor und kündigte eine Rekord-Dividende von EUR 4,40 an. Der Konzern wächst im internationalen und digitalen Business. Für 2009 wagte Döpfner keine Einschätzung: „Eine genauere Prognose verbietet sich, da sie in dem extrem volatilen Umfeld unseriös wäre".

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Wie bereits vorab veröffentlicht, steigerte Springer den Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2008 um 5,8 Prozent auf EUR 2.728,5 Mio. (2007: EUR 2.577,9 Mio.). Zu diesem Anstieg trugen die 2007 akquirierten Unternehmen bei, unter anderem die Aktivitäten in der Schweiz sowie Zanox.de und auFeminin.com. Aber auch bereinigt um Konsolidierungseffekte legte der Umsatz um 1,2 Prozent zu. Die Werbeerlöse nahmen um 4,6 Prozent zu; das internationale und digitale Geschäft konnte deutliche Rückgänge bei den inländischen Zeitungen und Zeitschriften überkompensieren.

Aufgrund von Copypreis-Erhöhungen stiegen die Vertriebserlöse konzernweit um 2,1 Prozent an. Die Pro-forma-Erlöse im digitalen Geschäft erhöhten sich um 24,6 Prozent und erreichten damit einen Anteil am Konzernumsatz von 14,0 Prozent. Einen deutlichen Zuwachs verzeichnete Springer auch bei den Auslandserlösen: Sie stiegen um 11,1 Prozent auf EUR 596,8 Mio. (2007.: EUR 5
37,2 Mio.). Der Anteil des Auslandsumsatzes an den Gesamterlösen legte damit von 20,8 Prozent in 2007 auf 21,9 Prozent zu. Das Unternehmen steigerte die Zahl der Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt um 3,1 Prozent auf 10.666 Beschäftigte (2007.: 10.348).

Der Konzern steigerte das um Sondereffekte und Effekte aus Kaufpreisallokationen bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von EUR 470,0 Mio. auf EUR 486,2 Mio. und erreichte damit eine EBITDA-Rendite von 17,8 Prozent. Ergebnisbeiträge der neu akquirierten Geschäfte, niedrigere Anlaufkosten und striktes Kostenmanagement im Konzern hätten maßgeblich zu diesem Rekordergebnis beigetragen, so Döpfner. Das EBITA lag 2008 mit EUR 422,1 Mio. leicht über dem Wert des Vorjahres von EUR 421,7 Mio.

Nachdem Axel Springer 2007 in Folge der Abschreibung auf die PIN Group noch einen Fehlbetrag in Höhe von EUR 288,4 Mio. ausgewiesen hatte, erzielte der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr mit EUR 571,1 Mio. den höchsten Jahresüberschuss der Unternehmensgeschichte. Neben dem sehr guten operativen Ergebnis schlug sich hier der Erlös aus der Veräußerung der Beteiligung an der ProSiebenSat.1 Media AG positiv nieder.

„Axel Springer hat in einem äußerst schwierigen konjunkturellen Umfeld die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar deutlich übertroffen und das beste Ergebnis in der Geschichte des Konzerns erwirtschaftet“, bilanzierte Döpfner stolz und fügte hinzu: „Mit Blick auf die Medienbranche und darüber hinaus nehmen wir damit eine Ausnahmestellung ein. In unserem Kerngeschäft beweisen wir, dass wir auch in Krisenzeiten robuste Erträge erwirtschaften können. Unsere internationalen und digitalen Aktivitäten sorgen für dynamisches Wachstum. Und unsere Erfolge in der Digitalisierung zeigen, dass wir sehr gute Chancen haben, zu den Gewinnern des strukturellen Wandels im Mediensektor zu gehören.“

Aber auch Springer ist vor der Krise nicht gefeit. Döpfner: „Für das Jahr 2009 müssen auch wir uns auf ein extrem schwieriges Anzeigengeschäft und die Auswirkungen rezessiver Entwicklungen einstellen. Natürlich werden wir in diesem Umfeld ein Rekordergebnis wie im Vorjahr nicht erreichen können. Denn es geht jetzt darum, den Vorsprung gegenüber unseren Wettbewerbern auszubauen und in die Kraft unserer Marken und in die Digitalisierung zu investieren.“

Der Vorstandschef bekannte sich auch zum journalistischen Qualitätsanspruch als Wachstumsmotor: „Wir wollen auch nach der Krise noch Zeitungen, Zeitschriften und Websites anbieten, die mit exzellentem Journalismus ihre Leser begeistern. Wir sind deshalb überzeugt, dass wir Marktanteile gewinnen und dadurch strategisch gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden.“

Dokumentation –  die Verlagsmitteilung zu den einzelnen Segmenten:

Axel Springer steigerte die Vertriebserlöse im Geschäftsjahr 2008 um 2,1 Prozent auf EUR 1.215,8 Mio. (Vj.: EUR 1.190,6 Mio.). Der Konzern konnte die Auswirkungen insgesamt rückläufiger Auflagen durch Erhöhungen von Copypreisen mehr als ausgleichen. Die Werberlöse legten trotz einer deutlichen Abschwächung der Anzeigenkonjunktur im Jahresverlauf um 4,6 Prozent auf EUR 1.248,1 Mio. (Vj.: EUR 1.193,2 Mio.) zu. Hierzu trugen positive Entwicklungen im internationalen und digitalen Geschäft bei, während die Werbeerlöse bei den inländischen Zeitungen und Zeitschriften deutlich zurückgingen. Die übrigen Erlöse nahmen um 36,3 Prozent auf EUR 264,7 Mio. (Vj.: EUR 194,2 Mio.) zu, maßgeblich beeinflusst durch die ganzjährige Einbeziehung von neu akquirierten Gesellschaften.

Das Marktumfeld für das Segment Zeitungen National trübte sich im Jahresverlauf zunehmend ein. Mit einem Umsatz von EUR 1.277,6 Mio. nach EUR 1.290,3 Mio. im Vorjahr konnten sich die inländischen Zeitungen jedoch nach wie vor gut behaupten. Das Segment profitierte von höheren Copypreisen, die maßgeblich zum Anstieg der Vertriebserlöse um 4,2 Prozent auf EUR 625,8 Mio. (Vj.: EUR 600,7 Mio.) beitrugen. Auf der anderen Seite litten die Werbeerlöse der inländischen Zeitungen unter der schwachen Werbekonjunktur. Sie verminderten sich um 6,5 Prozent auf EUR 623,4 Mio. nach EUR 667,0 Mio. im Vorjahr. Das EBITDA des Segments belief sich angesichts der leicht rückläufigen Umsatzentwicklung, Kostensteigerungen aus Tarifabschlüssen und Aufwendungen für den BILD-Umzug auf EUR 348,9 Mio. (Vj.: EUR 363,9 Mio.). BILD und WELT-Gruppe/BERLINER MORGENPOST erzielten neue Rekordergebnisse. Mit einer EBITDA-Rendite von 27,3 Prozent (Vj.: 28,2 Prozent) blieben die inländischen Zeitung
en hochprofitabel.

Das Segment Zeitschriften National konnte sich der Konjunkturabschwächung ebenfalls nicht entziehen. Der Umsatz der inländischen Zeitschriften ging im Vergleich zum Vorjahr um 4,0 Prozent auf EUR 564,1 Mio. (Vj.: EUR 587,8 Mio.) zurück. Die Vertriebserlöse sanken um 2,1 Prozent, die Werberlöse verminderten sich um 8,4 Prozent. Trotz sinkender Umsätze verbesserten die inländischen Zeitschriften ihre Profitabilität deutlich: Durch diszipliniertes Kostenmanagement, geringere Entwicklungskosten und Anlaufverluste und eine Optimierung des Titelportfolios erhöhte sich das EBITDA des Segments um 20,2 Prozent auf EUR 88,8 Mio. (Vj.: EUR 73,9 Mio.) und erreichte damit einen historischen Höchststand. Die EBITDA-Rendite legte von 12,6 Prozent auf 15,7 Prozent zu.

Im Gegensatz zu den inländischen Printtiteln konnten die ausländischen Zeitungen und Zeitschriften des Konzerns ihren Umsatz leicht steigern. Die Erlöse des Segments Print International erhöhten sich auf EUR 409,8 Mio. (Vj.: EUR 408,3 Mio.). Sowohl die Vertriebs- als auch die Werbeerlöse trugen zu dieser Entwicklung bei. Besonders gut entwickelten sich die Titel in der Schweiz und in Russland. Einen deutlichen Sprung erreichte Axel Springer beim Ergebnis dieses Segments. Die internationalen Printtitel konnten das EBITDA von EUR 10,6 Mio. auf EUR 27,8 Mio. mehr als verdoppeln. Das Vorjahresergebnis war von den Kosten für die Einstellung der Entwicklungsaktivitäten für eine Boulevardzeitung in Frankreich geprägt.

Wachstumsmotor des Konzerns blieb im Jahr 2008 das digitale Geschäft. Hier zahlten sich die erheblichen Investitionen in die Verzahnung von Printtiteln mit Online- und Mobilportalen sowie in neue digitale Aktivitäten aus. Der Umsatz des Segments Digitale Medien stieg dementsprechend dynamisch um 81,7 Prozent auf EUR 378,2 Mio. (Vj.: EUR 208,1 Mio.). Die digitalen Medien profitierten dabei von deutlichen Zuwächsen bei den Werbeerlösen und bei den übrigen Erlösen. Die Pro-forma-Erlöse des Segments wiesen ein organisches Wachstum von 24,6 Prozent aus. Bereinigt um die 2007 noch vereinnahmte Dividende der ProSiebenSat.1 Media AG in Höhe von EUR 23,1 Mio. stieg das EBITDA der Digitalen Medien von EUR 12,6 Mio. (ausgewiesenes EBITDA: EUR 36,7 Mio.) auf EUR 20,9 Mio. Ohne die durch Wechselkurseffekte von EUR -21,9 Mio. bedingte Veränderung im Beteiligungsergebnis der Dogan TV Holding A.S. wäre der Ergebnisanstieg noch deutlich höher ausgefallen.

Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit lag 2008 mit EUR 265,1 Mio. unter anderem aufgrund der Entwicklung des Working Capital leicht unter dem Wert des Vorjahres (Vj.: EUR 283,1 Mio.). Der Cashflow aus Investitionstätigkeit verbesserte sich hingegen deutlich auf EUR 300,6 Mio. nach einem Mittelabfluss von EUR 1.392,4 Mio. im Vorjahr. Hier wirkte sich vor allem der Eingang des Kaufpreises für die veräußerte Beteiligung an der ProSiebenSat.1 Media AG positiv aus.

Der Konzern reduzierte ferner seine Finanzverbindlichkeiten deutlich von EUR 941,1 Mio. auf EUR 524,0 Mio. Damit sank die Nettoverschuldung von EUR 743,1 Mio. auf EUR 369,5 Mio. Axel Springer stehen darüber hinaus kurz- und langfristige Kreditlinien in Höhe von EUR 1.095,0 Mio. (Vj.: EUR 685,0 Mio.) zur Verfügung, die nicht in Anspruch genommen wurden. Der Finanzmittelfonds verminderte sich gegenüber dem Jahresende 2007 (EUR 198,1 Mio.) auf EUR 154,5 Mio.

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