ZDF: Brender intern unter Beschuss?

Nach einem Bericht von Focus Online haben Führungskräfte den politisch umstrittenen ZDF-Chefredakteur scharf kritisiert. Bei der internen Gesprächsrunde seien Vorwürfe gegen Nikolaus Brender wegen "despotischen Stils und chaotischer Arbeitsweise" geäußert worden. Dies verwundert, da sich erst vor kurzem führende Mitarbeiter gegen Eingriffe durch die Politik ausgesprochen hatten. Am 27. März entscheidet der Verwaltungsrat über die Personalie, die Union will Brender ablösen.

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Die Angestellten des Senders seien mit Brenders Führungsstil unzufrieden, Focus Online berichtet von Klagen über „despotischen Stil und chaotische Arbeitsweise“ des Chefredakteurs, die „sinngemäß“ geäußert worden seien. Die Kritik der leitenden Mitarbeiter falle noch konkreter aus. Vor allem Peter Frey, Leiter des Hauptstadtstudios, habe während einer mehrstündigen Aussprache hinter verschlossenen Türen „fast 20 Minuten lang“ mit Brenders „Führungsstil und Arbeitsbilanz abgerechnet“, so Focus Online weiter. Daraufhin hätten sich auch andere Redaktionsleiter mit Kritik nach vorne gewagt und Frey unterstützt.

Dabei sei laut Focus Online auch zur Sprache gekommen, dass sich die Unterschriftenaktion, mit der prominente ZDF-Mitarbeiter kürzlich für Aufsehen gesorgt haben, keineswegs pro Brender, als vielmehr gegen eine Einmischung der Politik in Personalentscheidungen gerichtet habe.

Überwiegend sollen sich die Vorwürfe allerdings darum gedreht haben, dass Brender seine beim Amtsantritt im Jahr 2000 selbst gesteckten Ziele verfehlt habe. Auch neun Jahre danach sei weder die Publikumsverjüngung gelungen, noch habe das ZDF seine Marktanteile steigern oder innovative Programmformate einführen können. Ähnliche Vorwürfe hatte auch Roland Koch wiederholt bei seinem Vorstoß gegen den ZDF-Chefredakteur erhoben.

Die Lage ist kompliziert. Am Wochenende hatte der frühere ZDF-Chefredakteur und Brender-Vorgänger Klaus Bresser in der „Süddeutschen Zeitung“ argumentiert, dass die Kritik Kochs nur vorgeschoben sei. Bresser sieht die wahren Gründe im politischen Kalkül: Brenders Posten solle für Hauptstadtstudio-Leiter Frey geräumt werden. Diese wichtigste politische ZDF-Redaktion könnte dann mit einem unions-loyalen Journalisten besetzt werden: „Die Zentrale des ZDF in Berlin wieder in konservativer Hand!“, so Bresser, sei das wahre Ziel der Parteistrategen im Wahljahr 2009.

Peter Frey wollte gegenüber MEEDIA keine Stellungnahme abgeben. Eine Sprecherin sagte: „Er äußert sich jetzt gar nicht mehr zur Chefredakteursdebatte.“

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