Grosso-Streit: Boykott gegen Bauer?

Harte Bandagen im seit Monaten andauernden Konflikt zwischen Grosso und dem Bauer-Verlag: Wie das Medienblog Turi2 vermeldet, verkaufen einige norddeutsche Händler das Portfolio des Hamburger Medienhauses derzeit nicht. Als Grund würden den Kunden "Vertriebsprobleme" genannt. Wie viele Verkaufsstellen betroffen sind, ist unbekannt. Dies wäre eine weitere Eskalation, die auch für Bauer teuer werden könnte. Der Verlag erklärte auf MEEDIA-Anfrage lediglich: "Dazu geben wir keinen Kommentar ab."

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Hintergrund der neuesten Entwicklung könnte die Kündigung von zwei regionalen Grossisten durch das Medienhaus sein. Bauer hatte dazu erklärt, die Belieferung der Verkaufsstellen notfalls selbst zu übernehmen, wenn sich das Grosso nicht auf eine Reduzierung der Handelsspannen einlasse. Im Laufe der Zeit haben sich die Fronten eher verhärtet, zumal Bauer wie Gruner + Jahr sowie einige kleinere Verlage sich kürzlich dem Kompromiss anzuschließen, den Grosso-Vertreter mit anderen Großverlagen (u.a. Springer, Burda) ausgehandelt hatten.
Der aktuelle Lieferstopp könnte eine Reaktion der Verkäufer auf die Folgen des Streits sein. Denn sie wären danach gezwungen, alle Abwicklungsschritte zweimal vorzunehmen. Dies akzeptieren offenbar Handelsketten wegen des erhöhten Arbeitsaufwandes nur ungern; auch einige Einzelhändler scheinen davon wenig begeistert. Ein Vertriebs-Insider zu MEEDIA: „Der Pressevertrieb funktioniert nur, weil gebündelt abgerechnet wird und eine gebündelte Remissionsabwicklung erfolgt. Wenn dies nun durch den Bauer-Alleingang zweimal geschehen muss, kann es schon passieren, dass die Empfänger sagen, sie wollen die Bauer-Palette nicht.“
Bauers hatte im Herbst 2008 zunächst die Grossisten Grade (Elmshorn) und Mügge (Stade) kündigte. Später wurde auch die Firma Carlsen (Kiel, Flensburg) entpflichtet. Grade und Mügge klagen inzwischen gegen die Aufkündigung der Verträge. Vertriebschefin Yvonne Bauer hatte in einem Interview gefordert, dass Printprodukte gemäß ihrer „Nachfrage- und Umsatzbedeutung“ im Handel zu platzieren und unverkäufliche Titel aus dem Sortiment zu nehmen seien. Kritiker warfen ihr darauf hin vor, dass dies eine „Umverteilung“ zur Folge, die die Auflagen der großen Blätter weiter steigen und die der kleinen fallen ließe – mit erheblichen Folgen auch für überregionale Tageszeitungen, die abseits der Metropolen nur geringe Umsätze erwirtschaften.

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