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Fünf Trends: Was von der CeBIT bleibt

Besucherrückgang, leere Hallen, ein Viertel weniger Aussteller als im Vorjahr: Die Krise hat die CeBIT nicht verschont. Dennoch sind die meisten Aussteller zufrieden. Weniger Laufkundschaft registrierte man zwar, dafür soll die Dichte an Trendsettern und Entscheidern so hoch wie selten zuvor gewesen sein. Im großen Rückblick lesen Sie, welche Trends und Themen hängen geblieben sind: vom Phantom Google-Netbook über das deutsche E-Book-Wunder bis hin zu geschrumpften Beamern und gepimpten Navis.

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Das Google-Netbook kommt


Mit viel Tamtam hat Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 7 auf der CeBIT präsentiert. Doch Google stahl dem Software-Riesen mal wieder die Show. Ganz ohne eigenen Stand in Hannover war der Suchgigant auf der Messe in aller Munde. Und das nicht nur wegen des bizarren Patent-Streits um das Google-Handy G1, sondern vor allem wegen der Messe-Ankündigung von Netbook-Vorreiter und Eee-PC-Erfinder Asus, bald auch Mini-Notebooks mit Googles Betriebssystem Android auf den Markt zu bringen.

Nach dem Google-Handy also nun das Google-Netbook. Auch wenn es noch keine Geräte auf der CeBIT zu sehen gab – der Erfolg scheint vorprogrammiert. Auf der einen Seite die boomenden Netbooks, die in bunter Farbenvielfalt die diesjährige CeBIT wie kaum ein andres Produkt dominierten. Auf der anderen Seite Android, die gefeierte Windows-Alternative für Kleingeräte, die auch in Vodafones neuem Google-Handy „HTC Magic“ viele CeBIT-Besucher verzauberte. Schlanke Hardware und schlanke Software, und beides aufs Surfen optimiert, das passt einfach zusammen.

Schließlich ist es auch nicht mehr ganz zeitgemäß, dass auf den Netbooks noch das veraltete Windows XP läuft. Microsofts aktuelles Aushängeschild, Windows Vista, ist für die Zwergrechner nämlich zu anspruchsvoll. Das neue Windows 7 soll hingegen selbst mit anspruchsloserer Hardware zurecht kommen. Wenn das Betriebssystem der Redmonder frühestens Ende des Jahres erscheint, könnte allerdings der Netbook-Markt schon Fest in Google-Hand sein.


Deutsche Konkurrenz für Kindle & Co.

Eine Woche vor dem mit Spannung erwarteten Deutschland-Start des E-Book-Lesegeräts von Sony überraschte die bis dato unbekannte Berliner Firma Wizpac auf der Cebit mit einem neuen Reader namens „Txtr“. Bislang nur ein Prototyp – aber mit einem überzeugenden Konzept dahinter. Im Herbst soll das Lesegerät, das optisch und technisch stark an das Sony-Modell erinnert, auf den Markt kommen.

„Txtr“ hebt sich in einem zentralen Punkt vom japanischen Vorbild ab: Anders als bei Sonys Reader wollen die Berliner in das Gerät einen WLAN-Chip und eine Mobilfunkkarte einbauen. Die Infrastruktur für den dazu passenden E-Book-Shop steht bereits, Verhandlungen mit Verlagen laufen angeblich auch schon. Eine weitere Besonderheit der deutschen Entwicklung ist das offene Software-Konzept des auf Linux basierenden Readers. Mit Nahfunk ausgestattet, sollen Benutzer solcher Lesegeräte ihren Lesestoff untereinander problemlos austauschen können. Auch ein Tool zur E-Book-Übertragung von „Txtr“ auf iPhone hat man bereits entwickelt.

Klingt vielversprechend. Ob ein solches deutsches Eigengewächs eine Chance hat, wird sich allerdings erst zeigen, wenn Global Player Amazon sein „Kindle“-Lesegerät mit all seiner Marktmacht auch in Deutschland einführt. Ein Datum dafür ist jedoch noch immer nicht bekannt.

Navis werden zu Autocomputern

Der Preisverfall bei Navis ist so enorm, da leuchtet es ein, dass sich die Hersteller ständig etwas Neues einfallen lassen müssen, um an ihren Geräten noch zu verdienen. So kommt es, dass die kleinen Saugnapf-Kästchen mittlerweile jede Festeinbau-Lösung alt aussehen lassen. Die „Featuritis“ bei den Navigationsgeräten konnte auf dieser CeBIT mal wieder eindrucksvoll beobachtet werden.

Navis bereits im mittleren Preissegment trumpfen dank Mobilfunkanbindung mit Internet-Zugang. Außerdem sind sie zu Bordunterhaltungsmaschinen mutiert, berieseln die Auto-Insassen mit Multimedia-Player und DVB-T-Fernsehempfang. Blaupunkt zeigte sogar ein Gerät mit integrierter Kamera, das fortlaufend ambitionierte Roadmovies dreht und die Navigationsanweisungen zur besseren Orientierung über echte Straßenaufnahmen im Display legt.

Und Konkurrent Clarion nannte sein neues Aushängemodell noch nicht mal mehr Navi, sondern gleich MIND, was für „Mobile Internet Device“ steht. Navigation allein reicht als Verkaufsargument einfach nicht mehr. Oder, anders gesagt: der Weg war das Ziel.

Das Schrumpfen der Beamer


Beamer waren lange Zeit ausschließlich große, laute und teure Geräte, die nur in Konferenzräumen oder in Wohnzimmern finanzstarker Heimkinofreunde zum Einsatz kamen. Doch das ändert sich gerade. Eine neue Produktkategorie macht aus den klobigen Projektoren kleine, mobile Multimedia-Spielzeuge. Die neuen Mini-Beamer sind kaum größer als ein Handy und bringen dennoch Hosentaschenkino von den Miniaturdisplays mobiler Videoplayer auf die große Leinwand: Bilder von bis zu 50 Zoll (1,5 Meter) Durchmesser zaubern die Zwergprojektoren. Und dank Akku-Betrieb kommt die Videosammlung von iPods und Co. über den AV-Ausgang auch unterwegs groß raus.

Nachdem Pocket-Projektoren seit Jahren auf sämtlichen Messen lediglich als Prototypen zu sehen waren, zeigten auf der CeBIT nun endlich auch große Projektor-Produzenten wie Toshiba oder Acer erste Modelle in der Kompaktklasse. Allerdings kommen die kleinsten, ultramobilen Gadget-Beamer nach wie vor auch von eher kleinen Firmen wie Aiptek oder Optoma. Qualitativ darf man von den Geräten im Handyformat nicht viel erwarten – mehr als für die schnelle Präsentation zwischendurch in abgedunkelten Räumen taugen die Minis leider noch nicht.

Noch kleiner werden sie wohl kaum werden, die Zwerg-Beamer, aber wahrscheinlich besser. Und vielleicht auch schon bald wieder überflüssig: Auf der CeBIT waren bereits Prototypen von Projektoren zu sehen, die in Handys und andere Kleinstgeräte eingebaut werden können.

Über allem schwebt die Datenwolke


Wolke ist nicht gleich Wolke, das mussten die CeBIT-Besucher in der letzten Woche erst einmal lernen. Es gibt Federwolken, Schäfchenwolken, Stratuswolken, Cumuluswolken… und neuerdings auch Datenwolken. Darin sammeln sich aber keine Tröpfchen, sondern Terabytes.

Cloud Computing nennt sich das völlig unmeteorologische Phänomen – und es war einer der Schwerpunkte, den sich die Messe in diesem Jahr gab. Daten und Software sollen nicht mehr auf der eigenen Festplatte oder dem Firmen-Server im Keller gespeichert, sondern dezentral verteilt auf Rechnerfarmen externer Dienstleitester wabern. Alle zusammen bilden dann die so genannte Datenwolke.

Anders als das Thema „Green IT“, das entgegen aller Marketing-Floskeln und Politiker-Statements eine Nische auf der CeBIT blieb, bewegte das Thema „Cloud Computing“ die Messebesucher. Schließlich verspricht der Datenumzug in die Wolke handfeste Kostenvorteile – das zieht, nicht nur in Krisenzeiten. Aber es blieben auch Fragen offen. Was passiert mit den Daten in der Cloud? Wie groß ist die Gefahr eines Wolkenbruches? Wie passend, dass „Datensicherheit“ auch eines der diesjährigen CeBIT-Schwerpunkte war.

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