Der ZDF-Zuschauer, der Brender retten will

Während im ZDF mittlerweile schon die Sorge umgeht, Intendant Markus Schächter könne zurücktreten, falls der von der CDU dominierte Verwaltungsrat den Vertrag von Chefredakteur Nikolaus Brender nicht verlängert, bekommt Brender Zuspruch aus unerwarteter Ecke. Der Rastatter Online-Dienstleister Adrian Hönig hat in eigener Initiative eine Website zur Unterstützung von Nikolaus Brender ins Netz gestellt und bereits 450 Unterzeichner für einen Unterstützungsbrief für Brender gesammelt. MEEDIA sprach mit ihm.

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Wie sind Sie auf die Idee mit der Website www.brender-muss-bleiben.de gekommen?

Ich wurde über einen „Spiegel Online“-Artikel auf den Fall Brender aufmerksam. Nachdem ich ein wenig über Google News recherchiert hatte, war meine Meinung zu der Sache schnell gebildet: politische Machtkämpfe auf Kosten der Medien und der Rundfunkfreiheit.

Warum setzen Sie sich auf diese Weise für den Verbleib Nikolaus Brenders als Chefredakteur des ZDF ein?

Von Anfang an hatte ich die Befürchtung, dass die ganze Angelegenheit nicht sehr bekannt werden würde, da Nikolaus Brender außerhalb der Medienbranche wenig im Fokus steht. Dann sah ich den Unterstützerbrief der ZDF-Angestellten und dachte, dass eine Unterstützung von Zuschauerseite eine sinnvolle Ergänzung darstellt. Schließlich wird immer mit Quote und Zuschauerakzeptanz argumentiert – insbesondere in dieser Diskussion. Also habe ich in ein paar Stunden die Webseite aufgebaut und sie in ein paar Blogs promoted und E-Mails an mein Netzwerk verschickt. Nachrichten an ein paar Onlinereaktionen blieben leider zunächst unbeantwortet und unbeachtet, dafür waren es anfangs zu wenig Unterschriften.

Haben Sie Verbindungen zum ZDF?

Ich habe mit dem ZDF nichts zu tun. Ich möchte mit der Aktion auf das ZDF erst zugehen, wenn eine bedeutende Zahl an Unterzeichnern vorweisbar ist. Denn ich habe den Eindruck, dass das ZDF selbst nicht daran interessiert ist, über die Angelegenheit zu berichten – auf heute.de konnte ich kein einziges Wort zu dem Fall Brender lesen. Deshalb wende ich mich erst an das ZDF, wenn genügend Unterschriften zusammen gekommen sind. Dabei ist die Aktion natürlich auf die Mithilfe vieler anderer Medien angewiesen.

Wieviele Unterzeichner sind für sie „genug“ und was wollen sie mit der Namensliste konkret machen?

Es sollen auf jeden Fall über 1.000 Unterschriften werden, das ist das absolute Minimum, finde ich. Die Namensliste wird dann gemeinsam mit dem offenen Brief an Herrn Schächter und – soweit möglich – an alle Mitglieder des Verwaltungsrates gesendet.

Was machen sie beruflich?

Ich habe Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert und habe seit ein paar Jahren eine kleine Firma für Internetdienstleistungen in Rastatt. Insofern fiel mir auch das Erstellen der Aktionswebseite nicht schwer.

Was wollen Sie mit der Website bewirken?

Erstens, dass sich die Chancen erhöhen, dass der Intendant seine Personalentscheidung unabhängig von politischen Forderungen treffen kann und wird. Zweitens, dass die Parteien merken, dass ein solcher Einmischungsversuch in Öffentlichkeit durchaus wahrgenommen wird und sie bei der bevorstehenden Wahl Stimmen kosten könnte. Drittens, dass die Organisationsstruktur der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten überdacht wird. Manche Leute fragen mich, ob Nikolaus Brender denn wirklich so ein einzigartiger guter Journalist ist. Ich erkläre dann immer, dass es – auch wenn ich Herrn Brender sehr schätze – mir ausdrücklich nicht um ihn persönlich geht, sondern um die Einmischung im Allgemeinen. Herr Schächter möchte einen Vertrag verlängern, weil jemand gute Arbeit gemacht hat. Warum sollte das von der Politik verhindert werden?

Wie sind bisher die Reaktionen auf die Website?

Bisher nur positiv. Die ersten sieben Tage lief es sehr schleppend. Mit Mühe und Not kamen 100 Unterschriften zusammen. Seit es einige Unterstützer gibt – Blogs, die berichten, der Turi-Newsletter, Carta.info, … – steigt die Zahl der Unterschriften schnell an. Ich habe auch einige E-Mails von Unterzeichnern mit Lob und Anregungen erhalten.

Gab es schon Reaktionen des ZDF?

Nein, aber das erwarte ich zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht.

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