Proporz-Poker um Schächter und Brender

Seit Wochen schwelt der Streit um den ZDF-Chefredakteur. Was mit der Verbalattacke von Roland Koch gegen Nikolaus Brender begann, hat sich zum politischen Gezerre entwickelt. Die Parteien der Großen Koalition streiten sich mit allen Tricks. Längst geht es nicht mehr nur um Brender: Nun wackelt auch Intendant Markus Schächter. Der als unionsnah geltende Senderchef könnte am Ende der große Verlierer sein. Fest steht jetzt schon: Der Proporz-Poker hat jede Chance auf eine Qualitätsdebatte erstickt.

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Seit Wochen schwelt der Streit um den ZDF-Chefredakteur. Was mit der Verbalattacke von Roland Koch gegen Nikolaus Brender begann, hat sich zum politischen Gezerre entwickelt. Die Parteien der Großen Koalition streiten sich mit allen Tricks. Längst geht es nicht mehr nur um Brender: Nun wackelt auch Intendant Markus Schächter. Der als unionsnah geltende Senderchef könnte am Ende der große Verlierer sein. Fest steht jetzt schon: Der Proporz-Poker hat jede Chance auf eine Qualitätsdebatte erstickt.

Lassen wir mal die Frage außen vor, ob Nikolaus Brender ein guter ZDF-Chefredakteur war oder es in einer weiteren Amtszeit sein würde. Nachdem ihn Verwaltungsratschef Kurt Beck öffentlich aufgegeben hat, scheint dies auch wenig erheblich. Aber die Lage ist komplizierter als sie auf den ersten Blick erscheint.

Zunächst meinte man, dass Roland Koch Brender einen Gefallen getan hätte, als er dessen Absetzung forderte. Ausgerechnet Koch, der genügend eigene Probleme hat und im Land etwa so beliebt ist wie eine Grippewelle, aber leider genau wie diese immer wieder kommt. Auch wenn man die Strippenzieher in Berlin vermuten darf, so hatten die mit zum Teil zweifelhaften Zahlen unterfütterten Vorwürfe des hessischen Ministerpräsidenten doch vor allem das Zeug zu einer erfolglosen Ein-Mann-Kampagne.

Doch dann kam Kurt Beck. Als das Medienecho auf den Koch-Vorstoß vernichtend ausgefallen war, kam Beck Brender zu Hilfe – dachte er. Der frühere Politberater und langjährige „BamS“-Chefredakteur Michael Spreng beschreibt in seinem Blog die Folgen der Solidaritätsbekundungen des gescheiterten SPD-Chefs als „das Dümmste“, was dem ZDF-Mann widerfahren konnte. Unter der hübschen Überschrift „Wem Beck hilft, der ist verloren“ schreibt Spreng weiter: „Beck hat Brender mehr geschadet als Roland Koch, der den ZDF-Mann unter verlogenen Vorwänden ablösen will. Wenn Beck ein kluger Politiker wäre, dann hätte er die Auseinandersetzung mit Koch der kritischen Medienöffentlichkeit überlassen, die sich in diesem Fall vorbildlich engagiert. Gegen diese Öffentlichkeit hätte Koch verloren. Wenn aber die SPD den Fall Brender zu ihrem macht, dann hat Koch schon halb gewonnen.“

Spreng rechnet damit, dass Brender gegen einen den Sozialdemokraten nahe stehenden Journalisten ausgewechselt wird, was beide Parteien als Erfolg reklamieren könnten. Die Erklärungen von Koch und Beck wertet Spreng als Relikt der 70er Jahre, in denen die Parteien die öffentlich-rechtlichen Anstalten zur „Beute der Parteien und zur Versorgungsanstalt parteinaher Journalisten“ machten.

Mit der jüngsten Variante, in der die SPD den Rückzug von Intendant Markus Schächter in den Raum stellte, hatte Spreng dabei noch nicht gerechnet. Die Logik, wonach Schächter, der Brender stützt, im Misserfolgsfall „desavouiert“ zurücktreten müsse, erhöht den Druck auf die Union. Wenn sie ihren Mann in Mainz behalten will, müsse sie auch Brender im Amt lassen. Am 27. März treffen sich die Mitglieder des Verwaltungsrats zur entscheidenden Sitzung. Bis dahin ist noch reichlich Zeit für Überraschungen – oder einen faulen Kompromiss.

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