Verlage brauchen das Web, nicht umgekehrt

Verstehen die großen Medienhäuser noch immer nicht das Web? Im Rahmen der CeBIT-Webciety diskutierte ein hochrangiges Experten-Panel darüber, wie sich die Verlage ändern müssen, damit sie auch zukünftig im Internet noch eine Chance haben. Die Lösung: Totale Fokussierung auf die Nutzer, auf Lokales und auf Technologie. "Nur wenn in den Geschäftsführungen bald auch echte Techniker sitzen, werden die Verlage langfristig überleben", sagte Hubert Burdas Web-Berater Heiko Hebig.

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Verstehen die großen Medienhäuser noch immer nicht das Web? Im Rahmen der CeBIT-Webciety diskutierte ein hochrangiges Experten-Panel darüber, wie sich die Verlage ändern müssen, damit sie auch zukünftig im Internet noch eine Chance haben. Die Lösung: Totale Fokussierung auf die Nutzer, auf Lokales und auf Technologie. „Nur wenn in den Geschäftsführungen bald auch echte Techniker sitzen, werden die Verlage langfristig überleben“, sagte Hubert Burdas Web-Berater Heiko Hebig.

Neben Hebig nahmen an der Diskussion noch Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan, Tagesschau.de-Chefredakteur Jörg Sadrozinski, BDZV-Refernet Holger Kansky und Thomas Kaspar, Community-Chefredakteur bei Chip.de, teil. Moderiert wurde das Panel von Professor Ewald Wessling, der glaubt, dass alle erfolgreichen Web-Unternehmen lediglich eine Plattform zur Verfügung stellen und ihren Nutzern möglichst viel Mitbestimmung erlauben müssten. Ein Punkt, bei dem die meisten deutschen Verlage noch immer extrem viel Nachholbedarf haben. „Nur wer hauptsächlich auf seine Community hört und bereit ist, sein ganzes Wissen mit ihnen zu Teilen, wird Erfolg haben“, sagte Evsan. Hebig ergänzte: „Bei Burda sammeln wir von allen Web-Projekten das ganze User-Feedback und besprechen die Ergebnisse jede Woche mit Hubert Burda.“

Hebig sieht die besten Erfolgsaussichten für die Verlage im Aufbau von Strukturen, die es erlauben, für einer Vielzahl von kleinen Zielgruppen kostengünstige und passgenaue Web-Angebote zu launchen. Für Professor Wessling und BDZV-Mann Kansky liegt die Zukunft dagegen im Regionalen. „Das Lokale ist der einzige freie Platz im Internet“, sagt Wessling. Nach Meinung des Professors haben alle Verlage bislang ungenügend auf den Regional-Trend reagiert. Kansky sieht die Print-Marken dagegen auf einem guten Weg, weil sie die einzigen sind, die Nachrichten, Bewegtbild, Video und User Generated Content verbinden. Allerdings: eine echte lokale Erfolgsgeschichte fehlt bislang.

Größter Hemmschuh für die Medienhäuser ist ihre – und da waren sich alle Teilnehmer einig – Schwerfälligkeit. „Viele Verlagsmanager glauben noch immer, sie hätten ein Grundrecht auf zweistellig Renditen“, sagte Wessling. Deshalb müsste zu Beginn der meisten Web-Projekte erst einmal ein Businessplan stehen. „Aber bis der fertig ist, waren immer ein paar Jungs in einer Garage schneller.“

Diese Start-ups verstünden sich – im Gegensatz zu den großen Verlagshäusern – nicht auf die Produktion von Inhalten. Sie setzten jedoch erfolgreich auf die Community und den Aufbau einer funktionierenden Plattform. „Sie haben vor allem ein enormes technisches Wissen“, sagt Hebig. Das ist für den Burda-Mann der Schlüssel. „Facebook stellt niemanden ein, der nicht rudimentär Programmieren kann. Nur wenn in den Geschäftsführungen bald auch echte Techniker sitzen, werden die Verlage langfristig überleben.“

Für Evsan ist der Kernpunkt eine anderer: „Wir müssen endlich – trotz Krise – mehr investieren. Facebook gab im vergangenen Jahr 200 Millionen Dollar nur für die Weiterentwicklung seiner Plattfom aus. So viel Geld wurde in ganz Deutschland nicht in Web-Projekte investiert.“

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