Polit-Twitterer: Nach Wahl kein Pieps mehr

Twitter ist der neue Trend unter Deutschlands Polit-Profis. Bereits über 200 Politiker versorgen ihre Wählerschaft mit Kurz-Gezwitscher über den Microblogging-Dienst. Zudem geben Internet-Dienste wie Wahl.de und Parteigefluester.de einen Überblick über die Web2.0-Kompetenz deutscher Politiker. Problem: Bislang scheint noch keiner den richtigen Ton gefunden zu haben – und mancher verstummt nach der Wahl.

Anzeige

Facebook, Youtube und Co. zählen inzwischen zu festen politischen Online-Dependancen. Doch die prominentesten Politiker halten sich bislang vornehm zurück. Laut Wahl.de-Statistik sind politische Schwergewichte keine Heavy-Performer im Web2.0. Auf den vorderen Rängen finden sich meist Hinterbänkler, die über das neue Medium auf sich aufmerksam machen wollen.

Das Start-up mit Sitz in Berlin erstellt Rankings über die Performance deutscher Politiker auf den relevantesten Web2.0-Plattformen. Insgesamt 1.700 User-Profile hat man bei Wahl.de auf dem Schirm. Ausgewertet werden im Wesentlichen Anzahl der „Freunde“ und „Follower“ sowie der quantitative Output auf den entsprechenden Web-Portalen. Der Bundestweet bei Wahl.de bietet einen ziemlich vollständigen Überblick über zwitschernde Politiker bei Twitter. Der User hat hier die Möglichkeit nach Partei, Bundesland, Kandidatur und Amt zu sortieren. Doch über die politische Qualität bieten die Rankings keinen rechten Aufschluss.

Auch auf Parteigeflüster.de wird man Zeuge, dass die Parteigrößen mit deutlich niedrigerer Frequenz twittern, als ihre weniger bekannten Parteifreunde. Das Projekt des Bremer Social Bookmarking Dienstes Mr. Wong überträgt die Twitter-Aktivität registrierter Politiker von CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne nahezu in Echtzeit. Twitternde Politiker der Linken sind laut Parteigeflüster.de zu rar, als dass sich eine Darstellung lohne. Ein Filter geschweige denn eine Wertung der Tweeds findet nicht statt, der User muss sich schon selbst bemühen, um herauszufinden, wie die einzelnen zum Teil aus dem Kontext gerissenen Tweets, zu verstehen sind.

Die Web2.0-Kompetenz ist allerdings kein Selbstzweck und so wundert es nicht, dass ein Twitter-Top-Performer wie Thorsten Schäfer-Gümbel (über 2.300 „Follower“) nach der Hessenwahl erst mal Sendepause hatte. Fast einen Monat blieb der TSG-Channel stumm, um am 28. Februar mit „Heute war Startschuss zum Neuanfang. Parteitag in Darmstadt gelungen. Jetzt geht es nach Berlin“ zurückzukehren. Politische Inhalte? – Fehlanzeige! Was bringen also die vielen Twitter-Jünger, wenn keine Message transportiert wird?

Ein Web-Wahlkampf à la Barack Obama lässt sich eben nicht einfach nachmachen. Doch auch der US-Präsident ist nach seiner Amtseinführung verstummt und gönnt sich seit sechs Wochen eine Twitterpause. Dennoch bleibt die Arbeit des Team Obama bislang unerreicht. Immerhin bastelte man über mehrere Jahre an dem Rezept für den US-Wahlkampf im Web. Zudem ist die politische Kultur in der Bundesrepublik anders gelagert: größere Parteienvielfalt und weniger Personenkult, um nur zwei wesentliche Unterschiede zu nennen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige