Was ist bloß mit Rupert Murdoch los?

Im hohen Alter agieren Medien-Tycoone häufig ausgesprochen unglücklich. Man kann das an Viacom- und CBS-Eigner Sumner Redstone (85) sehen, der gerade dabei ist, sein 5 Milliarden-Vermögen zu verspielen. Hugh Hefner (81), dessen „Playboy“ vor dem Aus steht. Oder an Conde Nast-Boss Si Newhouse (81), der mit dem Wirtschaftsblatt „Portfolio“ schon 150 Mio. Dollar versemmelt hat. Auch Rupert Murdoch (in Kürze 78) hat das Glück verlassen, seit er das „Wall Street Journal“ völlig überteuert kaufte.

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Im hohen Alter agieren Medien-Tycoone häufig ausgesprochen unglücklich. Man kann das an Viacom- und CBS-Eigner Sumner Redstone (85) sehen, der gerade dabei ist, sein 5 Milliarden-Vermögen zu verspielen. Hugh Hefner (81), dessen  „Playboy“ mittlerweile so altmodisch wirkt, dass das Blatt vor dem Aus steht. Oder an Conde Nast-Boss Si Newhouse (81), der mit dem US-Wirtschaftsblatt „Portfolio“ schon 150 Millionen Dollar versemmelt hat, aber trotzdem immer weiter macht. Und das, obwohl es im Markt so wenig Berechtigung hat wie das deutsche „Vanity Fair“, das Conde Nast auch viel zu spät eingestellt hat.  
Irgendwie hat man das Gefühl, bei den alten Herren hat ein gewisser Altersstarrsinn eingesetzt. Das Verständnis für die neuen harten Realitäten im Mediengeschäft scheint zu fehlen. Sie wollen einfach nicht wahrhaben, dass im Internet-Zeitalter nichts mehr so wird wie es mal war.  
Auch Rupert Murdoch (in Kürze 78) hat das Glück verlassen. Vor zwei Jahren hatte man ihn noch zum großen Gewinner erkoren. Der Kauf von „MySpace“ war ein sensationelles Schnäppchen. Murdoch schien schneller und entschlossener von Print auf Web 2.0 umzuschalten als alle andere Verleger in den USA.  

Aber die Zeiten haben sich geändert. Spätestens seit sich herausgestellt hat, dass er „Wall Street Journal“ völlig überteuert gekauft hat, gilt Murdoch als einer der größten Verlierer im US-Mediengeschäft. 5 Milliarden Dollar waren eine Wahnsinnssumme für eine Zeitung, die in guten Zeiten gerade einmal 100 Millionen verdient hat. Die Folge: 3 Mrd. Dollar hat Murdoch in seiner Zeitungs-Division abschreiben müssen. Der Aktienpreis der News Corp. ist im letzten Jahr um 70% gefallen. 
Kritiker werfen Murdoch seitdem vor, sein Imperium sei zu printlastig. „Rupert Murdoch’s Soft Spot:  Newspaper“ schrieb die „New York Times“ diese Woche. Und wenn die „Gray Lady“ über den direkten Rivalen schreibt, findet das in US-Medienkreisen viel Beachtung. Das ist etwa so, als wenn sich der „Spiegel“ über „Focus“ mokiert – oder umgekehrt.
Aber was macht Murdoch? Er schert sich nicht um seine Kritiker. Dass er sich für die „New York Times“ interessiert, ist bekannt. Nun heißt es aber auch, er hätte Interesse an der „Los Angeles Times“.
Murdoch on the prowl for print sales
berichtete Fachblatt „Variety“. Wie bitte? Die „LA Times“? Das ist mittlerweile eine so abgewirtschaftete Zeitung, dass man sich kaum das Abo abzubestellen traut, weil man fürchtet, dem Blatt damit den Todesstoß zu versetzen.  
Und dann hat sich Murdoch noch mit seinem wichtigsten Manager überworfen. Diese Woche wurde bekannt, dass Peter Chernin, seit 12 Jahren die „rechte Hand“ Murdochs, den Konzern Ende Juni verlassen wird. Wie wichtig er für Murdoch war, kann man schon an seinem Gehalt erkennen: er bekam zuletzt fast 30 Mio. Dollar, mehr als sich Murdoch selbst genehmigte. Chernin hat das hochprofitable Hollywood-Studio 20th Century Fox und die sehr erfolgreiche Senderkette Fox TV verantwortet. Er war die letzten Jahre der Garant für Murdochs finanziellen Erfolg.  
Die Shareholder der News Corp. dürften all das mit Schrecken beobachten: Was ist nur mit Rupert Murdoch los? Warum will er weitere Zeitungen kaufen, wenn ihm schon das „Wall Street Journal“ solche Probleme bereitet? Warum trennt er sich ausgerechnet jetzt in so schweren Zeiten von seinem wichtigsten Manager? 

Vielleicht wird Murdoch einfach alt. Wie Sumner Redstone, Hugh Hefner und Si Newhouse… 
 
PS: Auch in Deutschland gibt es den einen oder anderen Fall, wo erfolgreiche Mediengrößen im Alter einfach nicht loslassen können und damit Gefahr laufen, ihr Lebenswerk zu zerstören.

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