Start-ups zwingen Ebay zu Kurskorrektur

Die Zeiten als konkurrenzloser Marktführer sind vorbei: Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum von Ebay Deutschland wächst der Druck. Neben Amazon und anderen Online-Shops, entwickeln sich auch Shopping-Clubs wie Brands4Friends oder Live-Shopping-Dienste zu einer immer größeren Gefahr für die US-Amerikaner. Erste Reaktion: Ebay will nun Markenartikler davon überzeugen, ihre Restposten auf der Auktionsplattform zu verkaufen. Außerdem gibt es nun einen Artikel des Tages.

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Mit diesen beiden Neuerungen reagiert das Auktionshaus direkt auf die aktuellen Shopping-Trends. So imitiert der Artikel des Tages, der unter dem Label “WOW! Angebote” firmiert, die Funktionsweise von Live-Shopping-Diensten. Diese Start-ups bieten jeden Tag ein Produkt zu einem besonders günstigen – oftmals sogar dem webweit tiefsten – Preis an. Anbieter wie Preisbock.de wachsen rasant und machen bereits Millionen-Umsätze.
 
Eine wohl noch größere Gefahr für das Auktionshaus geht von den geschlossenen Shopping-Communitys aus. Hinter Start-ups wie Brands4Friends oder BuyVIP stehen große Konzerne wie die Verlagsgruppe Holtzbrinck oder Bertelsmann. Das Geschäftskonzept dieser Seiten basiert auf den Spielregeln eines vornehmen Clubs: Bevor man sich bei ihnen auf Schnäppchenjagd begeben kann, muss eine Mitgliedschaft erworben werden. Beitreten kann aber nur, wer von einem Clubmitglied dazu eingeladen wurde.

Die Mitglieder dieser Club können dann Markenartikel zu besonders günstigen Preisen erwerben. Nach außen wird damit ein Gefühl von Exklusivität vermittelt, die eigentlichen Gründe sind jedoch eher marktwirtschaftlicher Natur: Um überhaupt Markenware so günstig anbieten zu können, werden sogenannte Overstocks aufgekauft. Das ist Ware, die in Überkapazität produziert wurde und nicht über die gängigen Vertriebswege verkauft werden kann. Auch an diesem Outlet-Geschäft will das Auktionshaus nun partizipieren. So sollen Markenhersteller künftig in separaten Ebay-Shops Waren aus der Vorsaison oder Produkte mit kleinen Mängeln anbieten. Laut Deutschlandchef Frerk-Malte Feller könnte sich das Geschäft so entwickeln, dass es zur dritten Säule für die Unternehmen wird.

Die Zielgruppe für die Outlet- bzw. Club-Angebote scheint zumindest riesig zu sein. Das Holtzbrinck-Investment Brands4Friends erzielte im vergangenen Jahr einen Umatz von über 25 Millionen Euro und peilt für 2009 Einnahmen von rund 85 Millionen Euro an. Nach nur 16 Monaten gewannen die Berliner bereits 1,5 Millionen Mitglieder.

Das ist noch kein Vergleich zu Ebay. Alleine in Deutschland haben die US-Amerikaner 14,5 Millionen Nutzer. Doch der Konzern hat immer größere Probleme, seine Mitglieder zu motivieren, möglichst viel zu handeln. So musste die Konzernmutter vor kurzem erst ernüchternde Zahlen vorlegen. Zum ersten Mal in der Konzerngeschichte ging das Weihnachtsgeschäft zurück. Dazu brach der Gewinn um ein Drittel auf 367 Millionen Dollar ein, genauso wie der Umsatz, der um sieben Prozent auf rund zwei Milliarden Dollar fiel.

Neben den neuen Shopping-Angeboten will Deutschland-Chef Feller die Rückgabe vereinfachen und die Sicherheit beim Zahlungssystem PayPal erhöhen. „Wir sind in den vergangenen 18 Monaten einen sehr konsequenten Weg zu mehr Kundenzufriedenheit gegangen. Und diesen Weg werden wir weiter fortführen“, sagte er im Interview mit Handelsblatt.com. Denn wenn Ebay Deutschland etwas in den ersten zehn Jahren seines Bestehens gelernt hat, dann, dass die Kunden das wichtigste Kapital des Unternehmens sind.

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