Anwalt will Inzest-Haus medial vermarkten

Im vergangenen Jahr sorgte der Inzest-Fall von Amstetten weltweit für Schlagzeilen. Vor dem Prozess gegen Josef F., der seine Tochter in einem Keller-Verlies über 24 Jahre vergewaltigte und mir ihr sieben Kinder zeugte, sorgt in Österreich der Plan einer quasi amtlichen Medienvermarktung des Schicksals von Elisabeth F. für Diskussionen: Der Konkursverwalter will Verlagen und Sendern gegen hohe Summen Fotos und TV-Berichte aus dem „Horror-Haus“ ermöglichen – angeblich, um den Opfern zu helfen.

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Der Jurist Walter Anzböck aus dem österreichischen Tulln war vom Gericht als sogenannter Masseverwalter eingesetzt worden. Nach Prüfung der Vermögensverhältnisse des Angeklagten hatte sich laut Medienberichten herausgestellt, dass Josef F. mit rund 3,5 Millionen Euro verschuldet ist. Am heutigen Freitag soll nun auf einer Sitzung des Gläubigerausschusses entschieden werden, ob eine Vermarktung des Schicksals von Elisabeth F. und ihren Kindern erlaubt werden soll.
Anzböck befürwortet dies und erklärte, dass ihm Medien Geld geboten hätten: „Da gibt es die verschiedensten Interessen, die sich auf die Möglichkeit, das Haus und das Verlies von innen filmen zu können, konzentrieren.“ Problem dabei: Der Keller, in dem Josef F. seine Tochter laut Anklage jahrelang gefangen hielt, ist immer noch amtlich versiegelt. „Es stellt sich nun die Frage“, so Anzböck, „ob man eine Entsiegelung bekommen könnte.“ Er wolle dies im Interesse der „Absicherung der Familienzukunft“ mit den Opfer-Anwälten klären. Dieses Vorgehen stößt auf Kritik, da weitere Medienberichte die Privatsphäre der Opfer erneut verletzen könnten.
Bereits im Dezember hatte der „Stern“ berichtet, dass Josef F. versucht habe, Vernehmungs- und Ermittlungsprotokolle für vier Millionen Euro an britische Boulevard-Zeitungen zu verkaufen. F. habe im Sommer einen Immobilienmakler eingeschaltet, der in seinem Auftrag das geheime Prozessmaterial angeboten habe. Danach sei es zu mehreren Treffen mit englischen Reportern gekommen, nicht aber zu einem Vertrag.
Dies sind nicht die einzigen Versuche, den Fall Amstetten zu Geld zu machen. Ein 33-jähriger Kraftfahrer, der Mieter einer Wohnung des Angeklagten ist, versuchte mehrfach, die Räumlichkeiten zum Prozessbeginn am 16. März an Journalisten zu vermieten – allerdings ohne Erfolg. Die Auktion, bei der er sich Einnahmen von 1.000 Euro erhoffte, wurde von Ebay gleich dreimal wegen „Verstoßes gegen gute Sitten“ gestoppt.

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