Spenden2.0: Zwanziger gegen Zwanziger

Jens Weinreich droht im Streit gegen DFB-Präsident Theo Zwanziger das Geld auszugehen. Deshalb hat der Journalist und Blogger eine ungewöhnliche Fundraising-Aktion gestartet: Der 44-Jährige bittet um Spenden, damit er seine Prozesse gegen den größten Sportverband der Welt weiterführen kann – sozusagen Prozesskostenhilfe2.0. Seit Sommer letzten Jahres wird Weinreich wegen seiner Kritik an DFB-Boss Theo Zwanziger („Unglaublicher Demagoge“) mit Prozessen überzogen.

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Da der DFB vor keinem Gericht gegen Weinreich punkten konnte, verfolgt man in der Verbandszentrale an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt offenbar die Strategie, das Verfahren mit juristischen Winkelzügen in die Länge zu ziehen und den Journalisten an die Grenzen seiner finanziellen Ressourcen zu bringen. Die Auseinandersetzung könne bis zu drei Jahre dauern, bestätigen seine Anwälte. „Die Gegenseite versucht alles, um die drei juristischen Handlungsstränge auszuweiten, die Sache in die Länge zu ziehen und das finanzielle Risiko für mich zu erhöhen, nebst nervlicher Belastung“, erklärt Weinreich in seinem Blog.

Sollte Weinreich am Ende in letzter Instanz verlieren, könnten 70.000 Euro auf der Abschlussrechnung stehen, wie seine Anwälte mit spitzem Bleistift kalkulierten. Für einen freischaffenden Journalisten und Familienvater sicherlich kein Fall für die Portokasse. Ganz im Gegenteil: Im Spätherbst 2008 hatte er nach eigenen Angaben rund vier Wochen keine Einnahmen, weil er sich um diese Auseinandersetzung kümmern musste.

Dabei zieht der DFB alle Register und versucht, die Verfahren mit zum Teil skurrilen Widersprüchen in die Länge zu ziehen und kostenintensiver zu machen. Von Kollegen erfährt Weinreich prominente Unterstützung: „Ich finde es empörend, wie Zwanziger es ausnutzt, dass er es sich leisten kann, die Auseinandersetzung in die Länge zu ziehen und das finanzielle Risiko immer größer werden zu lassen. Ich finde es eklig, wie Zwanziger noch damit kokettiert, dass er im Falle einer Niederlage Geld für einen guten Zweck spendet“, wettert etwa Bild-Blogger Stefan Niggemeier.

Auch „Handelsblatt“-Blogger Thomas Knüwer widmet sich dem Thema und kritisiert den DFB-Präsidenten auf Indiskretion Ehrensache: „Zwanziger hatte zwischendurch gedroht, zurückzutreten, wenn ihn die Gerichte nicht bestätigen würden. Davon ist er inzwischen abgerückt, man könnte das auch feige nennen. Oder amtsversessen. Oli Kahn hätte wohl ‚Eier’ gefordert.“ Knüwer bittet seine Leser, Weinreich mit Spenden im Spiel zu halten.

Die juristische Auseinandersetzung findet auf drei Ebenen statt. Zuständig sind das Landgericht Berlin, das Kammergericht Berlin sowie das Landgericht Frankfurt am Main. Ausgangspunkt ist ein Blogkommentar von Weinreich, in dem er Theo Zwanziger als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnete. Die Richter des Land- und Kammergericht Berlin sind der Meinung, dass diese Bezeichnung vom Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt ist. Der DFB prüft, ob er in das Hauptsacheverfahren einsteigen will. Zudem hatte Weinreich beim Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen den DFB erwirkt, der den Journalisten in einer Pressemitteilung diffamierte. Der DFB legte gegen zwei Unterpunkte Widerspruch ein, der am 20. Januar vom Landgericht Berlin abgelehnt wurde. Beim Landgericht Frankfurt am Main hatte Weinreich eine Gegendarstellung gegen die besagte Pressemitteilung erwirkt. Der DFB hat auch hier Widerspruch eingelegt, wollte den Streitwert des Verfahrens erhöhen und bestritt die Rechtmäßigkeit der Zustellung der Verfügung per Telefax.

Der Spendenaufruf hat im deutschen Web bereits viele Reaktionen hervorgerufen. Laut Blog-Aggregator Rivva.de, gibt es bereits 28 Blogs, die sich mit der schwierigen Lage des Einzelkämpfers beschäftigen – meist handelt es sich um Solidaritätsbekundungen. Schnell etablierte sich das Motto: Zwanziger gegen Zwanziger.

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