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ZDF-Zoff: Koch kritisiert Brender scharf

Im Streit um die Vertragsverlängerung für ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hat sich der hessische Ministerpräsident und stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende des ZDF, Roland Koch, via "FAZ" zu Wort gemeldet. Er befürwortet eine Ablösung Brenders und begründet dies mit Fakten. So habe in Brenders Amtszeit die Nachrichtensendung „heute“ 26 Prozent der Zuschauer verloren. Koch teilte auch gegen „heute journal“-Moderator Claus Kleber aus, der sich für Brender stark gemacht hat.

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„Herr Kleber hat sich für eine deutliche Verbesserung seiner materiellen Situation aus der redaktionellen Verantwortung für das ZDF zurückgezogen und ist heute nur noch freier Mitarbeiter“, sagte Koch in der „FAZ“. Die Frage der redaktionellen Unabhängigkeit sei nun „nicht mehr primär bei ihm verortet“. Das hat gesessen. Kleber hatte auf das Angebot, Chefredakteur des „Spiegel“ zu werden, verzichtet und dafür einen sehr lukrativen neuen Vertrag mit dem ZDF ausgehandelt. Koch bezieht sich mit der Aussage auf einen Protestbrief, den neben Kleber auch Maybrit Illner, Marietta Slomka, Guido Knopp und weitere ZDF-Spitzenkräfte unterzeichnet haben, die sich für einen Verbleib Brenders als Chefredakteur stark machen.

Koch sagte, er wisse, dass sich einige der Unterzeichner gedrängt gefühlt hätten, eine „äußere Solidarität“ zu zeigen. Intern gebe es aber seit langem eine offenere Diskussion um Führungsfragen in der Informationsabteilung des ZDF. Koch deutet an, dass das innere Klima in den Redaktionen des ZDF verbesserungswürdig sei. „Ist da genug Freiheit und Kreativität vorhanden?“, fragt er und es ist klar, welche Antwort er geben würde.

Am schwersten wiegt aber sicher Kochs Aufzählung der Misserfolge in Brenders Amtszeit. „heute“ wurde in der Zuschauergunst von „RTL Aktuell“ überholt. Die Quoten für das „heute journal“ sind um 10 Prozent zurückgegangen. Die ARD-„Tagesthemen“ hätten ihre Zuschauerzahl dagegen halten können, trotz der Probleme mit dem ständig wechselnden Sendeplatz. Das „Auslandsjournal“ im ZDF habe 56 Prozent Zuschauer verloren, der „Länderspiegel“ 16 Prozent, listet Koch weiter auf. Dies seien „bittere Fakten“.

Koch sieht die Diskussion um die Chefredakteurs-Nachfolge als politische Aufgabe des Verwaltungsrates und er betont, eine einvernehmliche Lösung mit dem Intendanten Markus Schächter finden zu wollen. Dass Koch Brender ablösen will, daraus macht er keinen Hehl: „Ich bin der Auffassung, es wäre für das ZDF besser, wenn es einen Neuanfang gäbe, und sehe, dass es dafür auch Unterstützung gibt.“ Derzeit hat die CDU eine Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat.

Nun kommt es darauf an, ob der Verwaltungsrat den ZDF-Intendanten Schächter, der sich bereits öffentlich zu Brender bekannt hat, auf seine Seite ziehen kann. Verlierer wird es in jedem Fall geben. Entweder die Mitglieder im ZDF-Verwaltungsrat stehen als erfolglose Strippenzieher da oder der ZDF-Intendant Schächter als Marionette der Parteien. Am 27. März wird entschieden.

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