Spiegel-Chef: „Es wird alles noch schlimmer“

Wie alle Auftritte vor dem Hamburger Presseclub war auch die Rede des Spiegel-Geschäftsführers off the record. Doch das zur Veröffentlichung freigegebene Fazit alarmiert. Was Ove Saffe für 2009 auf den Zeitschriftenmarkt zukommen sieht, ist ein düsteres Szenario: „Es wird viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können.“ Nach MEEDIA-Informationen unterschreiten die Anzeigenbuchungen bei den Nachrichtenmagazinen alle Krisenprognosen. Der 47-Jährige: „Das ist die harte Realität.“

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Wie alle Auftritte vor dem Hamburger Presseclub war auch die Rede des Spiegel-Geschäftsführers off the record. Doch das zur Veröffentlichung freigegebene Fazit alarmiert. Was Ove Saffe für 2009 auf den Zeitschriftenmarkt zukommen sieht, ist ein düsteres Szenario: „Es wird viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können.“ Nach MEEDIA-Informationen unterschreiten die Anzeigenbuchungen bei den Nachrichtenmagazinen alle Krisenprognosen. Der 47-Jährige: „Das ist die harte Realität.“

„Spiegel“ und „Focus“ trifft die Wirtschaftskrise mit voller Wucht. Beide Titel haben eine überwiegend männliche Leserschaft und einen besonders hohen Anteil an Werbekunden aus den Bereichen Automobil, Banken und Versicherungen – den derzeitigen Problembranchen schlechthin. Insider beziffern die Buchungsrückgänge gegenüber dem Vorjahr im sogenannten Stichtagsvergleich auf minus 40 bis minus 50 Prozent.

„Man hat dabei das Gefühl, dass wir, die Medien, wie aus einer Loge heraus das Geschehen in der Arena kommentieren“, zitiert das „Hamburger Abendblatt“ Saffe, „die Wahrheit ist aber: Wir sind mit auf dem Feld und selbst betroffen. Das ist die harte Realität.“ Zwar werden die Defizite am Ende des Jahres sicherlich nicht auf dem horrend hohen Niveau liegen wie derzeit. Dennoch rechnen Experten für das Gesamtjahr bei den beiden Nachrichtenmagazinen mit Anzeigenverlusten zwischen 15 und mehr als 20 Prozent.
Diese gravierende Schieflage bleibt am Markt nicht ohne Folgen. Viele Kunden halten die Etats zurück, buchen also immer später oder lassen sich auf Fixsummen für die nächsten Monate erst gar nicht festlegen. Diese sind aber traditionell Voraussetzung für attraktive Rabatte. Da die Konzerne um die wachsende Nervosität bei den Medien wissen, scheint derzeit die Devise zu gelten: Rabatt ja, Buchungsgarantie nein. In der Krise gibt es das vertraute Kunden-Commitment früherer Jahre immer seltener.
Sollte die Situation andauern, befürchten Insider, dass sich diese Spirale weiter drehen könnte. Dann, so die Annahme, könnte die „Brutto-Netto-Schere“ extrem auseinanderklaffen. Folge: Die Rabattierung nimmt zu. Viel, wenn nicht alles wird davon abhängen, wie lange die Krise dauert. Ein schwaches Jahr lässt sich verkraften. Was aber, wenn das augenblickliche Erlösniveau sich 2010 und danach nicht wesentlich erhöht? Sieht man von den Grosso-Verdienstspannen ab, so bleiben den Verlagen nur wenige Sparschrauben: Druck und Papier, hier und da vielleicht Mietkonditionen. Und dann schon: Redaktionskosten.

„Wir müssen in Zukunft mit deutlich weniger Geld auskommen, ohne dabei an der journalistischen Qualität des Blattes zu sparen“, sagte Saffe am Montag vor dem Hamburger Presseclub im Hotel Park Hyatt. Wie das gelingen sollte, ist in den renommierten Magazinhäuser 2009 die Denksportaufgabe Nummer eins.

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