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Das ZDF sucht den Superkanzler

Grotesk: Das ZDF versucht den Spagat zwischen Qualität und Casting-Format und startet im Sommer: "Ich kann Kanzler!" – Die Castingshow für den politischen Nachwuchs. Politisch Interessierte im Alter zwischen 18 und 35 Jahren können teilnehmen, in der Final-Sendung streiten vier Kandidaten um den Titel "Kanzler des Abends". In der Jury sitzen Günther Jauch, Anke Engelke und Außenminister a. D. Hans-Dietrich Genscher. Damit wagt das ZDF eine Neuinterpretation der politischen TV-Unterhaltung.

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Mitmachen kann Jeder, Bewerber sollten allerdings mit einer „Idee für Deutschland“ aufwarten. Wer es in die Sendung schafft, muss sich mit drei anderen Anwärtern um den Titel „Kanzler des Abends“ auseinandersetzen. Dabei funktioniere „Ich kann Kanzler!“ eher wie ein Debattierclub, erklärt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. „Es geht um zeitgeschichtliches Wissen, aber genauso um die Fähigkeit, eigene Thesen begründen zu können und sich selbst darzustellen – all das gehört ja auch dazu, um politisch bestehen zu können“, so Brender.

Mit der neuen Show will das ZDF die junge Generation wieder zu politischem Engagement anregen. Dabei wähnt sich der Sender mit seiner Rezeptur auf der Höhe der Zeit. „Über die klassische politische Berichterstattung lassen sich junge Leute kaum noch erreichen“, sagt der ZDF-Chefredakteur. Ob ein Format, das im Generalverdacht steht, junge Menschen zu verdummen, dazu taugt, darf zumindest in Frage gestellt werden.

RTLs „DSDS“ etwa lebt von den markigen Sprüchen Dieter Bohlens. Nun stelle man sich Hans-Dietrich Genscher in dieser Rolle vor: „Du Vollpfosten, deine Argumentation zum Konjunkturpaket ist totale scheiße, du hast von der Thematik so viel Ahnung, wie ein Spatz Fleisch auf der Kniescheibe.“ – Funktioniert irgendwie nicht. Laut Brender soll die Sendung auch gar nicht wie eine Castinshow, sondern eher wie der TV-Klassiker „Was nun?“ ablaufen – also doch wieder ein klassisches TV-Format.

Immerhin: Die kanadische Vorlage „The Next Great Prime Minister“ ist bereits – zum Teil erfolgreich – in mehreren Ländern gelaufen. Der Sieger in der ZDF-Variante erhält 16.000 Euro, die er in einem ausgewählten Projekt verwenden kann, etwa einer Studienreise. Zudem winkt eine Hospitanz im „Zentrum der Macht“ – gemeint ist hier aber nur das Bundespresseamt und nicht der Sitz von Angela Merkel.

Produziert wird die ZDF-Sendung von Günther Jauchs Firma I&U Entertainment. Das Format läuft am Freitag dem 21. Juni um 21:15 Uhr. Ausgestrahlt wird lediglich das Finale, weitere Kanzler-Castings sind laut ZDF vorerst nicht vorgesehen.

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