Crash: Medienaktien im freien Fall

Der Ausverkauf geht in die nächste Runde: Nach zahlreichen Hiobsbotschaften dies- und jenseits des Atlantiks fielen die Leitindizes in New York und Frankfurt unter wichtige Unterstützungsmarken zurück. Auch Medien- und Internetwerte wurden erneut in die Tiefe gerissen: Die Papiere von Premiere und ProSiebenSat.1, aber auch von News Corp. oder TimeWarner notieren bei bzw. auf Mehrjahrestiefs - nur Axel Springer hält sich solide. Marktexperten geben noch immer keine Entwarnung.

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Tief, Tiefer, Aktien: So stellt sich die Lage in diesen Tagen an den Weltbörsen da. Nachdem Anleger für einige Monate die Hoffnung hatten, die Aktienmärkte könnten sich nach dem crashartigen Ausverkauf vom vergangenen Herbst stabilisieren, folgte nun das böse Erwachen – nämlich in Form der zweiten Welle der Baisse.

Erstmals seit fünf Jahren war der deutsche Aktienindex (Dax) gestern wieder unter die Marke von 4000 Punkten gerutscht – heute Morgen nahm er kurz nach Handelseröffnung gar Kurs auf die 3800-Punktemarke. Noch schneller geht es an der Wall Street zu, wo der traditionsreichste Index der Börsenwelt im Zuge der Unsicherheit über die Zukunft der US-Bankenbranche gestern gar auf den tiefsten Stand seit 1997 rutschte.

ProSiebenSat.1 und Premiere kurz vor Allzeittiefs       

Neue Tiefstmarken haben auch die größten börsengelisteten deutschen Medienaktien vor Augen. Der Pay-TV-Sender Premiere, der in den vergangenen Wochen noch so enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt hatte, wurde heute zum Handelsstart bis auf 1,86 Euro heruntergeprügelt. Vom Dreimonatshoch Mitte Dezember bei 4,60  Euro hat die Aktie damit 60 Prozent verloren – allein seit dem 1. Januar hat sich der Wert schon wieder halbiert.  Das Allzeittief von 1,51 Euro ist damit bereits wieder in Reichweite.

Nur wenige Cent davon ist die ebenfalls schwer angeschlagene ProSiebenSat.1-Aktie entfernt. Bei 1,28 Euro notiert das Papier heute Morgen – nicht einmal mehr zwei Prozent vom Allzeittief aus dem letzten Herbst entfernt. Wie Premiere hat auch die hoch verschuldete Medien-Holding aus Unterföhring einen absoluten Fehlstart ins Jahr hinter sich: P7S1-Papiere liegen seit dem 1. Januar schon wieder um 46 Prozent hinten.

Fels in der Brandung: Axel Springer

Relativ solide konnte sich dagegen das mittlerweile an der Börse höchst bewertete deutsche Medienunternehmen gegen den Markttrend stemmen. Zwar notiert die Axel Springer AG bei 50 Euro weiterhin mehr als 60 Prozent unter den einstigen Höchstkursen. Doch 2009 hat die Aktie noch nicht weiter an Boden verloren.

US-Medienwerte: News Corp. und TimeWarner unter Druck

Ganz anders sieht es dagegen bei den höchst bewerteten Medienaktien der USA aus. Das kriselnde Medienkonglomerat TimeWarner beendete die letzte Handelswoche bei 7,20 Dollar ebenfalls nur wenige Cent von den Tiefstkursen des letzten Novembers entfernt.  Die leicht höher bewertete Walt Disney Company durchbrach gar die Marke von 17 Dollar und fiel damit auf das Niveau von 2002 zurück.

Auch Technologie- und Internetaktien führten die Verkaufslisten an: Apple, Google oder Research in Motion wurden gestern erneut hart abverkauft, notieren aber ebenfalls noch moderat über den Novembertiefs.

Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die Presse längst an den konstanten Kurssturz gewöhnt hat. „Die schlechte Stimmung in der Wirtschaft ließ die Kurse weiter einbrechen. Händler rechnen jedoch nicht mit allzu drastischen Verlusten“, heißt es lapidar bei Spiegel Online. Merke: Die Lage ist zwar hoffnungslos. Aber nicht ernst.

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