Schleichwerbung: ARD erneut in der Kritik

Nach dem Schleichwerbe-Skandal in ARD-Vorabendserien, der 2005 von Volker Lilienthal in „epd medien“ aufgedeckt wurde, gibt es zwei neue Verdachtsfälle. Medienjournalist Stefan Niggemeier dokumentiert in seinem „Fernsehblog“ Dialoge der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“, in denen die umstrittene alternative Mistel-Therapie gegen Krebs auffällig gewürdigt wird. Und dem Weblog „Off the Record“ ist aufgefallen, dass im "Tatort" ein Mercedes vorteilhaft ins Bild gerückt wurde.

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Beweisen lässt sich der Verdacht der Schleichwerbung in keinem der beiden Fälle. Die Produktionsfirma von „Sturm der Liebe“, Bavaria, hat gegenüber der „FAZ“ den Vorwurf sogar explizit zurückgewiesen. Es habe keine Abstimmung mit Produzenten der Mistelzweig-Präparate gegeben und auch keine Entlohnung. Der Vorwurf der Schleichwerbung sei auch deshalb nicht stichhaltig, weil die Figur Fred, die sich in einer Folge als „lebender Beweis“, dafür dass die Mistel-Therapie wirkt, vorstellt, in einer der nächsten Folgen an den Folgen seiner Krankheit sterben werde.

Mag sein. Ein seltsames Gefühl aber bleibt, wenn man die „Sturm der Liebe“-Dialoge bei Niggemeier nachliest. Er schreibt im „Fernsehblog“, die Dialoge „lesen sich bis ins Detail wie Werbefilme für diese Produktgattung“ und man kann ihm nicht widersprechen. Vor allem die merkwürdigen Hinweise der Filmfigur Fred, dass man sich die Präparate leicht in der Apotheke holen könnte und die auffälligen Seitenhiebe auf die Schulmedizin wirken extrem gekünstelt. Offenbar hatte sich bereits eine Zuschauerin bei der ARD über diese Passagen beschwert, worauf die Zuschauerredaktion mitteilte, es handle sich nicht um Schleichwerbung, da ja keine Produktnamen fallen. Das ist natürlich Unsinn, denn Gattungsmarketing wird stets ohne Produktnamen betreiben und im Regelfall profitieren die Marktführer.

Im Fall des gut ausgeleuchteten Mercedes Benz im „Tatort“ „Herz aus Eis“, wurde sogar eine für die Handlung mehr oder minder überflüssige Szene im Mercedes-Werk in Rastatt gedreht, worauf im Mercedes-Blog auch stolz hingewiesen wird. Und nun ist es ja so, dass sowohl die Bavaria, als auch die Produktionsfirma des jüngsten „Tatort“, Maran Films, damals im Mittelpunkt des Riesen-Schleichwerbeskandals standen. Am 12. und 13. September 2005 beschlossen die ARD-Intendanten darum „die Einführung einer Programmbeobachtung und weitere Maßnahmen zur Trennung von Werbung und Programm, wozu auch genaue Vorschriften über die Beistellung so genannter Produktionshilfen Dritter gehören.“ Zum Stichwort Programmbeobachtung hieß es dazu: „Im Auftrag der ARD-Werbegesellschaften ist bei der WDR mediagroup eine juristisch betreute Programmbeobachtungsstelle eingerichtet worden. Alle Vorabend­sendungen werden nach Schleichwerbung durchsucht und die zuständigen Redaktionen über Verdachtsmomente informiert, um gegebenenfalls einzugreifen.“ Man fragt sich angesichts der aktuellen Beobachtungen, bei welchen Fällen die ARD eigentlich eingreifen würde.

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