ZDF-Aufstand gegen Koch und Stoiber

Erst bezog nur "heute journal"-Moderator Claus Kleber offen Stellung gegen die parteipolitisch motivierte Unions-Kampagne gegen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Jetzt erhält Kleber prominente Unterstützung. Nach einem Bericht von Spiegel Online haben Maybrit Illner, Marietta Slomka, Guido Knopp und weitere ZDF-Spitzenjournalisten einen offenen Protestbrief geschrieben. Ihre Befürchtung: "schwerer Eingriff in die Rundfunkfreiheit".

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Hintergrund ist, dass die schwarze Mehrheit im Verwaltungsrat den Fünf-Jahres-Vertrag des ZDF-Chefredakteur nicht verlängern will – denn Brender steht politisch links. Unter dem Gesichtspunkt des parteipolitischen Machtproporz‘ in der Senderleitung ist das eigentlich ideal: Chefredakteur und Programm sollten die wesentlichen politischen Lager repräsentieren. Und der derzeitige Programmdirektor des ZDF, Thomas Bellut, gilt als Konservativer.


Ein Sprecher hatte am Montag denn auch bekannt gegeben, ZDF-Intendant Markus Schächter werde dem Verwaltungsrat am 27. März vorschlagen, den im März 2010 auslaufenden Vertrag um fünf Jahre zu verlängern. Der Chefredakteur hat das Recht, ein Jahr vor Auslaufen seines Vertrages über eine Verlängerung informiert zu werden. 



Dieses Vorgehen von Schächter unterstützen die Journalisten in ihrem offenen Brief. Sie wollen „ein Zeichen gegen politischen Druck auf den Intendanten“ setzen und schreiben: „Wir unterstützen Sie in Ihrem Entschluss, Nikolaus Brender als ZDF-Chefredakteur für eine weitere Amtszeit zu verlängern.“ Weiter sprechen die Journalisten „von einer gefährlichen Einmischung der politischen Parteien in die Souveränität unseres Hauses“. Sie hielten es für einen „schwerwiegender Eingriff in die Rundfunkfreiheit, wenn Ihr (Schächters) Vorschlag abgelehnt würde.“

Die stille Meuterei gegen Brender wird vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) angeführt. Im Fernsehrat des Verwaltungsrats sitzen außer Koch die Ministerpräsidenten Peter Müller (CDU), Edmund Stoiber (Ministerpräsident a. D., CSU), sowie Kurt Beck und Mathias Platzeck (beide SPD).

Brender selbst soll in einem internen Gespräch wörtlich von einem „Aufstand der Schranzen“ gesprochen haben. Er erklärte, er werde unabhängig von der Entscheidung des Verwaltungsrats seine Arbeit bis zum Ende des laufenden Vertrags fortführen.



Claus Kleber sagte bereits im Laufe des Freitags, dass Brender stets die journalistische Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders verteidigt habe. Einmischungsversuche durch die Politik sind nach Aussagen von ZDF-Journalisten während Brenders Amtszeit deutlich zurückgegangen. „Es darf nicht sein, dass parteipolitische Seilschaften wieder versuchen, nach parteipolitischen Kriterien Journalistenposten im ZDF zu bestimmen.“

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