WAZ-Chef: Bin nicht „Everybodys Darling“

WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz verteidigt im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ seinen harten Sparkurs und die Trennung von der DPA. „Wir fühlen uns nicht in der Pflicht solidarisch mit der DPA zu sein“, so der WAZ-Chef. Die Zukunft für die notleidende „Westfälische Rundschau“ sieht er trotz der Sparmaßnahmen ungewiss. Für „jetzt“ sei die „WR“ gesichert, zu sagen was in fünf Jahren sei, bezeichnete WAZ-Chef Reitz als „unerhörtes Risiko“.

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Auf Dauer müssten alle NRW-Zeitungen der WAZ-Gruppe in die schwarzen Zahlen kommen, so Reitz. Man werde die „WR“ nicht aufgeben, weil sie dieses Ziel knapp verpasse, aber, fügt er drohend an, die Perspektive müsse stimmen. Auf gut Deutsch: Sollte sich die Ertragslage bei der „Westfälischen Rundschau“ nicht deutlich bessern, wird es in ein paar Jahren sehr eng für das Blatt. Bereits die Unternehmensberatung Schickler, die für die WAZ-Gruppe das Spar-Konzept erarbeitet hat, empfahl die Schließung der Zeitung.

Den Vorwurf, die WAZ-Zeitungen würden sich nach der Kündigung der DPA gratis im Internet mit den Nachrichten der Agentur versorgen, weist Reitz zurück. Wenn seine Zeitungen öffentlich zugängliches Material zitieren, dann sei das ein legaler Vorgang. Dies habe man bei der WAZ auch juristisch prüfen lassen.

Sein Ziel sei eine Redaktion nach dem Prinzip der drei Musketiere: „Alle für einen, einer für alle.“ So werde in der neuen zentralen Mantelredaktion ein siebenköpfiges Rechercheteam gegründet, das künftig für exklusive Geschichten sorgen soll, die alle WAZ-Titel in NRW schmücken. Auf diese Weise, so Reitz, habe die Zeitung „das Zeug zum Kultobjekt des digitalen Zeitalters“. Er will auch nicht ausschließen, den zentral produzierten Mantelteil der WAZ-Titel künftig einmal anderen Zeitungen gegen Cash anzubieten. Auf diese Weise würde die WAZ selbst zu einer Art Nachrichten-Agentur werden.

Dass er für seinen Kurs 300 von 900 Redakteuren freisetzen muss, bezeichnet Reitz als „schmerzlich“. Aber er empfindet sich für den richtigen Mann an der richtigen Stelle. „Im Journalismus können Sie kaum Everybodys Darling sein“, meint er und: „Es ist mein Schicksal, Dinge verändern zu sollen.“ An Selbstbewusstsein mangelt es dem WAZ-Chefredakteur jedenfalls nicht.

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