US-„Playboy“ vor dem Aus

Man muss kein Prophet sind: 2009 wird als Jahr des großen Zeitschriften-Sterbens in die Mediengeschichte eingehen. Und es wird auch Titel treffen, die man sich eigentlich vom Kiosk nicht wegdenken kann, weil sie über viele Jahrzehnte zu einem echten Markenartikel geworden sind. Wie zum Beispiel der 1953 gegründete US-„Playboy“, der sich sicher mit Recht als „one of the most recognized and popular consumer brands in the world“ preist. Das Hasenlogo könnte bald von der Bildfläche verschwinden.

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Man muss kein Prophet sind: 2009 wird als Jahr des großen Zeitschriften-Sterbens in die Mediengeschichte eingehen. Und es wird auch Titel treffen, die man sich eigentlich vom Kiosk nicht wegdenken kann, weil sie über viele Jahrzehnte zu einem echten Markenartikel geworden sind. Wie zum Beispiel der 1953 gegründete US-„Playboy“, der sich sicher mit Recht als „one of the most recognized and popular consumer brands in the world“ preist. Das Hasenlogo könnte bald von der Bildfläche verschwinden.

Gestern berichteten einige Zeitungen, dass Playboy Enterprises im letzten Quartal einen dreistelligen Millionen-Verlust erzielt hätte. Und dass das Management in Chicago und New York darüber nachdenken würde, einen Käufer für die Company zu suchen.  
Ich würde in der Interpretation der Lage beim Playboy einen Schritt weiter gehen: ich fürchte, in ein paar Monaten sehen wir das endgültige Aus des Bunny-Blattes. 

Warum? 

  • zunächst einmal schafft es der Playboy-Konzern ganz offensichtlich nicht, aus den roten Zahlen zu kommen. Er hat in jedem Quartal des letzten Jahres Verluste geschrieben, im vierten Quartal ’08 sogar das Rekordminus von 157 Mio. Dollar. Auch wenn man da Einmal-Effekte berücksichtigen muß, 157 Mio. Dollar ist eine immense Summe für eine Company, die an der Börse gerade noch einen Marktwert von 50 Millionen Dollar hat.
  • wie verzweifelt muss der Übergangs-CEO Jerome Kern sein, wenn er während eines Conference Call mit Analysten offen darüber spricht, die Company suche einen Käufer? Eine Käufersuche macht man hinter verschlossenen Türen, schon um die Mitarbeiter nicht zu verunsichern und das Anzeigengeschäft nicht zu beschädigen. Ich würde mal davon ausgehen, dass Kern bereits mit etlichen potentiellen Käufern gesprochen hat und sich nur Absagen eingefangen hat. 
  • Dann ist die Formel vom Playboy im Internet-Zeitalter hoffnungslos überaltert. Im World Wide Web kann man alles zum Thema Sex besser und kostenlos erhalten, wer braucht da noch einen Playboy? Mit einer „Kurskorrektur“, von dem das Management spricht, ist es da nicht getan. Der Name „Playboy“ ist einfach verbrannt.

Und wenn es dem Bunny-Heft schon in der jüngsten Vergangenheit nicht gelungen ist, Gewinne zu machen – wie soll das erst 2009 werden, wenn erst die Rezession voll aufs Anzeigengeschäft durchschlägt? Und wer bindet sich in der heutigen Zeit noch einen Verlag ans Bein, dessen einzige Marke hoffnungslos überaltert erscheint. 
Deshalb: alles spricht dafür, dass der US-Playboy im Sterben liegt. 
Wenn es so kommen sollte, stellt sich die interessante Frage, was dann eigentlich mit den 25 Auslandsausgaben passiert, für die Playboy Enterprises Lizenzen vergeben hat (in Deutschland an Burda). Theoretisch könnten die Auslandsausgaben wohl selbstständig fortgeführt werden, aber sie können natürlich nicht mehr auf frischen Content von der US-Mutter zurückgreifen.  Das macht das Produzieren teurer. Und welche Glaubwürdigkeit haben die Auslandsausgaben noch bei Anzeigenkunden, wenn die US-Mutterausgabe schon pleite ist?  

In München in der Arabellastraße hat man eine Sorge mehr…

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