Sex, Streik & Sekt bis zum Abwinken

Was für eine Medien-Woche: Die Porno-Maschine USA macht schlapp, Bei „Capital“ in Köln wird gestreikt, aber kaum einer merkt‘s, Blogger-Kugel Basic wird größenwahnsinnig, Jonathan Newhouse kommt zur Blitz-Beerdigung der „Vanity Fair“ nach Berlin, und trotzdem gab es in den Redaktionsräumen der Republik viele, viele Gründe mit Sekt anzustoßen. Auch wenn es nicht alle zugeben wollten. Der Meedia-Wochenrückblick mit den Höhepunkten.

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Sex sells – no more!
Alarm im Porno-Land USA: Die Umsätze der US-Porno-Industrie sind im vergangenen Jahr um 22 Prozent eingebrochen. Und die US-Version des Hasen-Heftes „Playboy“ machte allein im vierten Quartal 2008 fast 160 Mio. Dollar Miese. Grund: Gratis-Porno-Kanäle im Internet wie YouPorn und RedTube. Alt-Schmutzfink Larry Flint („Hustler“) fordert weiß Rat und fordert einen 5-Milliarden-Dollar-Schutzschirm vom Staat für die erschlaffende Sex-Industrie.

Streik, welcher Streik?
Die Kölner Belegschaft von „Capital“ und „Impulse“ ist im Ausnahmezustand. Wegen der Verlegung der Redaktionen nach Hamburg, wegen des als zu gering empfundenen Abfindungsangebots des Verlags, wegen des Stils der Auseinandersetzung. Also streiken. Ein erster Termin am vergangenen Freitag wurde aus Goodwill abgesagt. Schließlich wurde es am Mittwoch ernst, so zwischen 10 und 14 Uhr. Beteiligt haben sich dem Vernehmen nach etwa 20 der 60 (bereits gekündigten) Mitarbeiter. Zu einer Solidaritätkundgebung des Hamburger Betriebsrats rückten lediglich knapp 50 der 2500 Beschäftigten zur „kreativen Mittagspause“ aus. Hand aufs Herz: Die Luft ist raus aus der Widerstandsbewegung. Ab 11. März wird nun vor der Einigungsstelle um die Abfindungen gerungen. Hinter verschlossenen Türen.

Basic und Bild.de: Attacke auf „SpOn“
„Spiegel Online“ durfte sich in dieser Woche wieder über besonders viel Feind und Ehr freuen. Zuerst blies Bild.de-Chefredakteur Manni Hart via MEEDIA-Interview zur Attacke auf den News-Primus. 81 Prozent PI-Steigerung, sowas schaffe nur noch Bild.de, tönte der harte Hart in Richtung „SpOn“-Zentrale. Konkurrenz für die „Spiegel Onliner“ auch aus ungewohnter Ecke: Der bloggende Kugelblitz Robert Basic will die 46.902 Euro, die er für Basic Thinking eingesackt hat, nutzen, um mit seinem neuen Projekt Buzzriders.com „Spiegel Online“ anzugreifen. Sagt er jedenfalls. Größenwahn? Mutterwitz? Tabletten? Man weiß es nicht genau.

Pinocchio-Award für Jonathan Newhouse
Nur elf Wochen nach seiner etwas voreiligen Bestandsgarantie für die deutsche „Vanity Fair“ besucht Mr. Condé Nast International, Jonathan Newhouse, die Redaktion in Berlin erneut um mitzuteilen: It‘s over, folks! Die bösen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich, sorry, leider schneller geändert als gedacht. Klar, glauben wir glatt! Doch, doch. Und Schweine fliegen auf Besenstielen über Berlin. Ob Mr. Newhouse ahnt, was er seinen deutschen Kollegen mit dieser Münchhausen-Kapriole für ein faules Ei ins Nest gelegt hat? Wenn künftig irgendwo eine Bestandsgarantie ausgesprochen wird, darf sich keiner wundern, wenn die Belegschaft müde abwinkt und sich nach neuen Stellen umhört. Einmal mehr zeigt sich: Wird irgendwo ein Ehrenwort gegeben, ist es höchste Zeit, die Beine in die Hand zu nehmen. Ex-Verlagschef Bernd Runge wusste, wie‘s läuft.

Sekt sells!
Des einen Leid, des andere Freud… So soll es in gewissen People-Redaktionen in Hamburg und München zu spontanen Freudenjauchzern gekommen sein, als die Nachricht vom Exitus der Konkurrenz von „Vanity Fair“ auf den Tisch flatterte. Offiziell wird natürlich die Leichenbittermiene aufgesetzt und irgendwas gemurmelt wie: „Mir tut es um jeden Titel leid usw.etc.pp.“ Aber hey… wer‘s glaubt… Schon fast offiziell anstoßen durften die Mitarbeiter beim Berliner Verlag. Sie bekamen die frohe Kunde, dass die Ära des überaus verhassten Doppel-Bosses Josef Depenbrock tatsächlich zu Ende ist. Der neue heißt Michael Rohloff, kommt vom Zeitungsverlag Aachen und ist ein alter Bekannter. Und auch beim neuen Besitzer von „Berliner Zeitung“ und Co, bei DuMont in Köln, wurde dem Perlwein gehuldigt. Weiberfastnacht! Konfetti! „Lustige“ Verkleidungen (z.B. „Express-Chefredakteur Rudolf Kreitz als Willy Millowitsch). Jung-Verleger Konstantin Neven DuMont legte einmal mehr seinen berüchtigten goldenen Karnevalsanzug an ließ mit seinen „Golden Boys“ die Puppen tanzen. Und auch im hohen Norden, beim NDR in Hamburg, hatten sie Grund anzustoßen: Über fünf Millionen Zuschauer wollten die Show „100 Jahre Heinz Erhardt“ gucken. Trotz Weiberfastnacht! Die alten Witze sind halt manchmal die besten.

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