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Interessantes Web-Experiment der „New York Times“

Es gibt momentan sicherlich weltweit keine Zeitung, die so im Gespräch ist wie die „New York Times“.  Gestern sorgte sie für kräftige Aufregung, weil sie ihrem Retter, dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim Helu im Wirtschaftsteil ein wenig schmeichelhaftes Porträt widmete.   Dort wird Slim unter der Headline „The Reticent Media Baron“ (reticent = wortkarg) als […]

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Es gibt momentan sicherlich weltweit keine Zeitung, die so im Gespräch ist wie die „New York Times“.  Gestern sorgte sie für kräftige Aufregung, weil sie ihrem Retter, dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim Helu im Wirtschaftsteil ein wenig schmeichelhaftes Porträt widmete.  
Dort wird Slim unter der Headline „The Reticent Media Baron“ (reticent = wortkarg) als böser Monopolist beschrieben, der arme Mexikaner schröpfen würde. Er könne schlecht mit Kritik umgehen und würde die Medien mit Anzeigenboykotts einschüchtern. Und bei der New York Times sei er nur aus PR-Gründen eingestiegen, um sein öffentliches Image aufzupolieren. Autsch! 

Dazu muß man wissen, dass Slim vor ein paar Wochen die „New York Times“ mit einem Kredit von 250 Millionen Dollar vor der sicheren Insolvenz bewahrt hat. Dafür bekommt er allerdings Wucherzinsen von 14%, was innerhalb der Redaktion für viel Verärgerung sorgt. Slim besitzt schon heute 6,9% Anteile an der „Gray Lady“, die auf 17 Prozent steigen werden, wenn die Zeitung den Kredit nicht zurückzahlen kann. Und davon sollte man mal ausgehen… 
Interessanter als die kritische Berichterstattung in eigener Sache ist jedoch ein Web-Experiment, an dem die New York Times in aller Stille arbeitet. Obwohl „not quite ready for prime time“ kann man es schon besichtigen. Es ist der Prototyp von einem neuen Zeitungs-Umbruch im Web, den die Macher ArticleSkimmer nennen.  
Dabei geht es darum, den Zeitungsinhalt online möglichst übersichtlich aufzubereiten. Das Ziel ist es,  auf einer Computer-Seite möglichst viele Artikel anzuteasern. Dafür haben die Macher einen flexiblen fünfspaltigen Umbruch gewählt und alle Artikel (bis auf den jeweiligen Aufmacherbericht) in gleichgroße Boxen gestellt. Am linken Rand kann man dabei durch die Ressorts der Zeitung navigieren. „If you want to imagine the whole of the content as a giant uncut scroll of paper, don’t let us stop you“, schreiben die Macher. Die horizontale Aufbereitung erinnert etwas an den Aggregator Newser, dessen Homepage allerdings längst nicht so aufgeräumt wirkt wie die neue Applikation der New York Times. 

Meiner Meinung nach ist dieses „Grid-System“ exzellent gelungen. Es ist die bisher schnellste Art, den Inhalt einer Zeitung im Web zu präsentieren. Abwarten muß man jedoch, wie die Seiten wirken, wenn erst einmal Anzeigen eingebaut werden.  

Einmal mehr bestätigt sich: die kreativsten Medienmacher der Welt sitzen in New York. Im Print ist das „New York Magazine“ jeder anderen Publikation weit überlegen, im Web brennen die Macher der „New York Times“ ein regelrechtes Feuerwerk an guten Ideen ab. Chapeau!

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