Großbritannien: Die Queen relauncht

Die britische Königin hat ihr Web-Portal modernisiert – und verbessert. An der Seite des WWW-Erfinders Tim Berners-Lee drückte Elisabeth II. im Buckingham Palace persönlich auf den Startknopf. Im Ergebnis wirkt Royal.gov.uk jetzt offener und persönlicher als je zuvor. Auch ein erweitertes Mulitimedia-Angebot und Geotagging sorgen nun für mehr gefühlte Nähe zu den Royals. Unterm Strich öffnen sich die Windsors aber weiterhin nur sehr vorsichtig dem Internet-Publikum.

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Die wichtigste Neuerung beim Portal fällt sofort ins Auge: Das introvertierte Violett mit der unlesbaren schwarzen Schrift ist passé. Die königliche Familie präsentiert sich nun mit großen blauen und weißen Flächen, im Stil einer Nachrichten-Site. Damit Hand in Hand geht die Grafik. Schmückten die Website bislang Bilder vom Buckingham Palace und der Krone, rücken jetzt Personen ins Blickfeld.

Eigentlich ist dem Königshaus mehr als ein Relaunch gelungen: Das gesamte Erscheinungsbild suggeriert jetzt mehr Offenheit und Bürger- beziehungsweise Untertanennähe. Die Royals kommen auf ihrem eigenen Webportal stärker dem Bedürfnis nach Bildern und Informationen nach, dessen Befriedigung das Boulevard übernommen hatte.

Und das Interesse ist groß. Royal.gov.uk verzeichnet eine Viertel Million Unique Visitors pro Woche. Diese Besucher erhalten nun Bildergalerien in hoher Auflösung direkt von der Quelle. Der Anteil an Multimedia-Elementen ist deutlich gestiegen. Besucher finden auch – historische – Filme und Audio-Aufnahmen. Allerdings dürften sich viele hier noch eine flüssigere Performance wünschen; das Vergrößern oder Wegklicken von Bildern ist oft ein wenig umständlich.

Besonders mit der Einführung von Geotagging sollen die Mitglieder des Königshauses den Briten offenbar näher gebracht werden. „The Royal Family in my area“ zeigt via Google Maps jedem, ob der Prince of Wales oder die Dutchess Royal gelegentlich in der Gegend sind.

Dass in der Haustier-Sektion der Royals nicht detaillierter auf die einzelnen Vertreter eingegangen wird, ist bedauerlich aber noch akzeptabel. Schwerer wiegen andere Auslassungen: Es dürfte für viele interessierte Monarchisten unbefriedigend sein, wenn sie in der Rubrik „Ehe und Familie“ zwar die Eckdaten der Beziehung von Charles und Diana erfahren, über die Hintergründe jedoch völlig im Unklaren gelassen werden. Hier zeigt sich sehr deutlich, wie weit die Offenheit reicht. Allzuviel Privates wird bei all dem Aufwand nicht preisgegeben – von Interaktion ganz zu schweigen.

Auch der Royal Correspondent der BBC wünscht sich mehr Nutzerfreundlichkeit und kritisierte den etwas kurzen Schritt der Queen in den Cyberspace. „Wir können ihr keine E-Mail schicken“, bemängelt Peter Hunt, „und die Aussichten darauf, dass die Queen blogt, chattet oder sogar twittert, sind äußerst gering.“

Für ihren Web-Relaunch sicherten sich die Royals übrigens die Hilfe von Tim Berners-Lee höchstpersönlich. Der sogenannte „Erfinder des Internet“ hat nicht nur bei der Überarbeitung der Website mitgewirkt, er war auch bei der öffentlichen Vorstellung der neuen Seite persönlich anwesend und sorgte mit seiner Präsenz für die höheren W-W-Weihen.

In einer Rede sagte Berners-Lee, die Website „feiert einen wahrhaft wichtigen Teil der Britischen kulturellen Tradition – die Monarchie“. Außerdem könne „jeder die Webseite von anderen Ländern aus sehen, wo man überhaupt gar nicht weiß, wie die Monarchie funktioniert.“

Die Queen ließ die Webseite Royal.gov.uk bereits 1997 einrichten. Allein im ersten Jahr erreichte das Portal mehr als 100 Millionen Besucher. In der Woche von Lady Dianas Begräbnis wurden 35 Millionen Besuche gezählt.

In den Medien wird die Königliche Familie und insbesondere die Queen als dem technischen Fortschritt aufgeschlossen dargestellt. So hat Elisabeth II. 2007 den Royal Channel auf YouTube gestartet; bereits 1976 hat sie eine E-Mail versendet – als erstes Oberhaupt einer Monarchie überhaupt. Und ihre Vorgängerin Queen Victoria probierte mehr als ein Jahrhundert zuvor gemeinsam mit Alexander Graham Bell seine neue Erfindung aus: das Telefon.

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