„VF“: 100 Mio. Verlust – und ein PR-Fiasko

Krise kurios: Mit der Einstellung von „Vanity Fair“ hat Jonathan Newhouse, einer der großen Player im globalen Verlagsgeschäft, seine Glaubwürdigkeit ad absurdum geführt. Seine wortreiche Rechtfertigung zum Aus für das Prestigeobjekt verwirrt selbst Experten. Innerhalb weniger Wochen hat der Condé Nast-Chef International eine unternehmerische 180 Grad-Wende vollzogen. Im Münchner Verlag ist der Schaden groß: Welchen Erklärungen aus London oder New York soll man künftig noch glauben?

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Krise kurios: Mit der Einstellung von „Vanity Fair“ hat Jonathan Newhouse, einer der großen Player im globalen Verlagsgeschäft, seine Glaubwürdigkeit ad absurdum geführt. Seine wortreiche Rechtfertigung zum Aus für das Prestigeobjekt verwirrt selbst Experten. Innerhalb weniger Wochen hat der Condé Nast-Chef International eine unternehmerische 180 Grad-Wende vollzogen. Im Münchner Verlag ist der Schaden groß: Welchen Erklärungen aus London oder New York soll man künftig noch glauben?

Es ist nicht Häme, die bei der Konkurrenz Kopfschütteln auslöst: Niemand freut sich über das Scheitern groß angelegter Verlagsprojekte, weil jedes die Chancen auf dem Markt insgesamt einschränkt. Mediaplanern, Anzeigenkunden und Investoren fällt es immer schwerer, an den Erfolg neu gestarteter Objekte zu glauben, vor allem, wenn sie als hochauflagige Publikumszeitschriften konzipiert sind. Das war schon vor der Krise so, jetzt verschärft sich dieser Trend. Kein gutes Zeichen für die Branche.

Was aber Jonathan Newhouse getrieben hat, neben dem erwarteten und oft prophezeiten Scheitern der wöchentlichen „VF“ ein vermeidbares PR-Fiasko zu inszenieren, scheint unerklärlich. Zu den geschätzten 100 Millionen Euro Verlust, die „Vanity Fair“ in Deutschland anhäufte, kommt nun noch der Imageschaden. Innerhalb weniger Wochen gab der 45-Jährige folgende Äußerungen von sich:

Zur Zukunft von „Vanity Fair“:

„Es gibt keinen Grund, Vanity Fair nicht weiterzuführen. Es ist unsere erfolgreichste Marke. Wir haben eine Auflage von über zweihunderttausend Exemplaren, eine ansehnliche Reichweite und eine vielversprechende Leserschaft. Wir haben junge, urbane, wohlhabende, vielseitig interessierte Leser. Von meiner Warte aus entwickelt sich die deutsche „Vanity Fair“ sehr gut.“ (3. Dezember)

Über wirtschaftliche Sparzwänge:
„Das ist genau die Art des Denkens, die man von Verlagen oder Medienhäusern kennt, die an der Börse notiert sind. Wir denken so überhaupt nicht. Wir werden nicht von Finanzanalysten getrieben, wir sind Verleger. Wir bekennen uns zum gedruckten Wort, zu Magazinen und – übrigens – auch zum Internet. Ich gebe nichts auf das Gerede um „Vanity Fair“, wir gewinnen Auflage, wir gewinnen Leser und führen das fort.“ (3. Dezember)

Über die Konkurrenz mit anderen Medien:

„Qualitätsmarken setzen sich immer durch. Es gibt einen Hunger nach Qualität und nach dem haptischen Empfinden eines echten Magazins, das sich durch hervorragende Visualität und gut geschriebene Texte auszeichnet. Das wird nie und durch nichts ersetzt, auch nicht durch das Internet. Wir befinden uns in einem Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeit des Publikums, die Lesezeit, verteilt sich auf Magazine, auf Zeitungen und auf das Internet. In diesem Wettstreit befinden wir uns. Manche Verleger haben den Glauben an Print verloren – das gibt uns bei Condé Nast neue Chancen.“ (3. Dezember)

Über die Gründe für die Einstellung von „VF“:

„Die Welt verändert sich schnell und zwar in einer Weise, auf die sich niemand wirklich vorbereiten kann. Die globale Wirtschaft ist in eine Krise von historischen Ausmaßen gerutscht. Medienunternehmen, wie der in Amerika beheimatete Mutterkonzern von Condé Nast Deutschland, sehen sich vor ernste wirtschaftliche Herausforderungen gestellt – vor Schwierigkeiten, die man auch vor kurzem noch nicht vorhersehen konnte. In einem normalen wirtschaftlichen Klima hätten wir für ,Vanity Fair‘ tapfer weitergekämpft. Unter den heutigen wirtschaftlichen Vorzeichen ist es unmöglich.“ (18. Februar)

In diesem Kontext wirkt die „Öffentlichkeitsarbeit“ des im Dezember bei Condé Nast ausgeschiedenen Deutschland- und Europachefs Bernd Runge irgendwie konsequent: Dieser erklärte, er wolle eine längere „Pause machen“ und deshalb eine Auszeit nehmen. Und heuerte wenig später als Vorstandsvorsitzender des Auktionshauses Phillips de Pury & Company in London an.

P.S.: Am Sonntag hatte die „New York Times“ vermeldet, dass Jonathan Newhouse sein Luxus-Apartment in Manhattan zum „Dumpingpreis“ von unter 5 Millionen Dollar verkauft hat. Die Zeitung zitiert einen Condé Nast-Sprecher mit den Worten, der Verkauf habe keine wirtschaftlichen Gründe, Jonathan Newhouse, der in London residiert, nutze den Wohnsitz einfach nicht mehr. So oder so: Konzern-Boss Si Newhouse dürfte auf seinen Neffen derzeit auch nicht allzu gut zu sprechen sein.

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