Twitter-Hype: Das Facebook für alle

Keine Frage: Twitter ist das große Ding. Nicht mehr das nächste große Ding, denn Twitters Zeit ist jetzt. Warum, bewies das viel gehypte Startup, das gerade mal knapp drei Jahre jung ist, in den letzten Tagen: Zunächst konnte eine Wachstumsexplosion von enormen 900 Prozent vermeldet werden – dann die überlebenswichtige nächste Finanzierungsrunde. Satte 35 Millionen Dollar sind dem Mikroblogging-Dienst sicher. Damit verfügt Twitter über die Mittel, um die 140 Zeichen-Revolution um die Welt zu tragen.

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Mit Freitag, dem 13. Februar, ist es so eine Sache: Während er im Volksmund nur allzu gerne als Vorwand für allmögliche Alltagsfantastereien benutzt wird, dürfte er für ein nicht mal drei Jahre junges Start-up als der bislang wichtigste Tag der Firmengeschichte gelten.

Mitten in der tiefsten Finanzmarktkrise, in der selbst solide finanzierte Übernahmen wackeln, sind 35 Millionen Dollar Wagniskapital für ein Unternehmen, das derzeit Nullkommanull Erlöse erwirtschaftet, mehr als eine Fußnote. Nach Angaben von TechCrunch investierten die Venture Capital-Unternehmen Benchmark Capital und IVP diese Summe in das boomende Start-up, dessen User-Wachstum im letzten Jahr förmlich explodierte.  

Twitter-Aufstieg:  US-Wahl, Mumbai-Attenate, Hudson-Landung

„Wir konnten das Angebot nicht ausschlagen“, kommentiert Twitter-Mitbegründer Biz Stone im Unternehmensblog das bislang bei weitem größte Investment in der noch jungen Unternehmensgeschichte. Während nicht bekannt ist, wie hoch die Anteile sind, die Benchmark Capital und IVP für das Investment in Twitter erhalten, steht fest, dass der Mikroblogging-Dienst nun das nötige Pulver für die nächste Phase der großen Kommunikations-Revolution besitzt.

Tatsächlich hat Twitter gerade erst die bemerkenswertesten Wochen und Monate seiner Unternehmensgeschichte hinter sich. Anfangs noch als egozentrische SMS an alle belächelt, hat es Twitter inzwischen in den medialen Mainstream geschafft.

Maßgeblichen Anteil hatten daran drei Großereignisse der letzten Monate: Die US-Wahl, die Attentate von Mumbai und nicht zuletzt die dramatische Notwasserung eines Airbus im Hudson-River, die in sensationellen Bildern Sekunden nach der Landung via iPhone rund um den Globus geschickt wurden.
Twitter: Die ultimative Killerapplikation für das mobile Internetzeitalter

Auch die klassischen Medien stürzten sich zunehmend auf den neuen Kommunikationskanal. Die ersten Tweets von Mumbai und dem Hudson River gingen sofort um die Welt – mitunter noch vor den großen Nachrichtenseiten. „In der vergangenen Nacht wurde aus dem Kopfkonstrukt Bürgerjournalismus schlichte Realität. Das Instrument Twitter wurde zur schnellsten Nachrichtendrehscheibe für Meldungen aus Bombay“, befand etwa „Handelsblatt“-Reporter Thomas Knüwer („Ein trauriger Tag, ein epochaler Tag“).

Tatsächlich: Im Vergleich zu den klassischen Medien hat Twitter einen unschätzbaren Vorteil: Es ist die ultimative Killerapplikation für das mobile Internet, das sich buchstäblich im Handumdrehen via iPhone, G1 oder Blackberry bedienen lässt.

Und zwar inklusive blitzschnell veröffentlichter Fotos über den Tochterdienst Twitpic, wie der Fall des US-Airways-Absturzes eindrucksvoll beweist. Über 400.000-Mal wurde Janis Krums Schnellschuss von einem Frachter inzwischen angeklickt.

Twitter explodiert: 900 Prozent User-Wachstum in einem Jahr

Kein Wunder: Rund 6 Millionen Internet-Nutzer twittern inzwischen, hat Mit-Gründer Biz Stone Ende letzten Jahres verraten. Das ist noch verhältnismäßig wenig verglichen mit den mittlerweile 175 Millionen, die sich inzwischen auf dem boomenden sozialen Netzwerk Facebook tummeln.

Doch Twitter wächst – und zwar immer rasanter. Um erstaunliche 900 Prozent sei die Zahl der aktiven User im vergangenen Jahr explodiert, erklärte Bis Stone jüngst im Unternehmensblog. Und immer öfter haben dabei Prominente wie auch die Medienbranche Twitter für sich entdeckt.
Reduktion auf 140 Zeichen: Alles sagen in der „SMS an alle“

Warum, wird schnell klar: Twitters Erfolgsvorteil liegt in seiner Einfachheit: Alles, was wichtig ist, muss in 140 Zeichen gesagt werden – Links zu anderen Websites oder eigene Fotos inklusive. Auch der Zugang zum Kommunikationsmedium könnte einfacher kaum sein: Eine Email-Adresse und ein Username reichen – schon kann losgezwitschert werden.

Anders als bei Facebook, wo User aufgrund von Bedenken über die Offenbarung von Identität und persönlichen Inhalten zurückschrecken, geht es bei Twitter in minimalistischer Weise tatsächlich nur um die Nachricht. „Die SMS an alle“ – das ist die eigentliche Essenz von Twitter, wie es Alpha-Blogger Sascha Lobo einst auf den Punkt brachte.

Der Charme besteht im Gegensatz zu Facebook darin, diese Textinformation auf unkomplizierte Weise vielen Usern zugänglich zu machen. Während beim Super-Social Network regionale Grenzen oder Privatsphäre-Einstellungen den Zugang zu Inhalten versperren, ist jeder Tweet für jeden lesbar – es sei denn, man schlüpft auch hier unter den Schutz der Privatsphäre, was die Kommunikationsmöglichkeiten allerdings erheblich einschränkt. Twitter ist in seiner Direktheit damit das Facebook für alle.

Facebook: „Wirklich beeindruckt“ von Twitter

Das weiß auch Facebook, das den Charme des 140-Zeichen-Dienstes längst erkannt hat. So zeigte sich der sonst notorisch zugeknöpfte Facebook-CEO Mark Zuckerberg Ende letzten Jahres auf dem Web 2.0 Summit in San Francisco voll des Lobes für die junge Kommunikations-Community:  Er wäre „wirklich beeindruckt“, was Twitter bis heute geleistet habe, zollte Zuckerberg Tribut. Twitter habe ein „sehr elegantes Modell“.

Das stimmt, zumal es perfekt zu den Status Updates auf Facebook selbst passt, die auch direkt auf dem boomenden Social Network via Twitter einfließen können. Entsprechend munkelt die Branche bereits seit Monaten über das eigentlich Naheliegende: Die Übernahme durch Facebook. Angeblich 500 Millionen Dollar soll Facebook bereits geboten haben, hieß es Ende letzten Jahres.

Twitter: Eine Milliarde wert?

Dass Twitter mutmaßlich ablehnte, überrascht nicht. Internetanalyst Henry Blodget schätzt den eigentlichen Wert des derzeit wohl meist diskutierten Internetdienstes auf über eine Milliarde Dollar ein.

Warum, erklärt der frühere Staranalyst von Merrill Lynch in eindringlicher Manier: „Warum ist Twitter so anders als 9000 andere Web 2.0-Unternehmen, Web 2.0-Unternehmen, die ebenfalls nach einem Erlösmodell suchen? Weil die Leute inzwischen davon besessen sind“, erklärt Blodget. „Man sollte nicht vergessen, dass Twitter keine drei Jahre alt ist: Google oder Facebook waren zu diesem Stadium längst nicht so allgegenwärtig“, folgert der inzwischen 42-Jährige.

Twitter: Die Zeit ist jetzt

Das stimmt tatsächlich: Fast kein Tag vergeht, an dem nicht ein neuer Prominenter den heißesten Kommunikationskanal der Welt für sich entdeckt hat und drauflos zwischert – mal so begeisternd und authentisch wie Lance Armstrong, mal so gewollt und lanciert wie Britney Spears.

Erlöse, das wurde vergangene Woche klar, als das Gerücht eines möglichen kostenpflichtigen Corporate-Dienstes grassierte, könnte Twitter im Handumdrehen erzielen – sei es mit klassischer Online-Werbung (wahrscheinlich) oder Abonnementgebühren (eher unwahrscheinlich).  29 Mitarbeiter beschäftigt Twitter jetzt erst – ein Vielfaches dürfte mit der neuen Wagniskapitalfinanzierung nun an Bord kommen, um die nächste Welle des rasanten Wachstums zu entfachen.

Vor allem aber geschieht das im Moment von selbst: Twitters Kultstatus verbreitet sich derzeit wie Gezwitscher im Morgengrauen fast überall. Keine Frage: Twitter ist das heißeste und gefragteste Web 2.0-Angebot der Stunde. Seine Zeit ist gekommen.

Update in eigener Sache: Der Twitter-Account von MEEDIA hat heute die 1000er-Follower-Marke überschritten. Wir bedanken uns und freuen uns auf die nächsten 1000 Follower 🙂

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